100 Jahre ohne Tankstopp – Wunderstoff Thorium

In diversen Science Fiction-Filmen hatte man sich die Menschheit die Zukunft jenseits des Jahres 2000 wohl etwas anders vorgestellt. Gerade was Mobilität angeht sollte es mittlerweile mindestens fliegenden Autos geben, die von Müll angetrieben werden. Nun, so weit wollen wir nicht gehen, aber seit geraumer Zeit arbeitet die US-amerikanische Firma Laser Power Systems (LPS) an einem Antriebssystem, das selbst Superhelden, wie Batman, vor Neid erblassen lassen würden – dem Thorium-Motor.

Der Markt für Elektro-Autos kommt in Deutschland nur sehr schwer in Schwung. Zu teuer, zu wenig Reichweite und nur sehr wenige Schnellladestationen in den Großstädten sind dabei die gängigsten Argumente gegen das Elektroauto. Daran wird auch Elektromobilitätsgesetz der Bundesregierung nur wenig ändern. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Akkus der Elektrofahrzeuge, die zwar immer besser und ausgereifter werden, jedoch noch meilenweit von gewünschten Kapazitäten entfernt sind. Daher gibt es immer mehr Unternehmen, die statt der handelsüblichen Akku-Optimierung sich nach alternativen Methoden jenseits der Brennstoffzelle umschauen, um ein Elektroauto ausreichend im Energie zu versorgen. Ein Unternehmen, welches diesen Schritt weiter geht ist die amerikanische Firma Laser Power Systems, die ein Auto bauen möchten, das Thorium als Energiequelle nutzt.

Die Idee, Thorium als Energiequelle zu nutzen, ist nicht ganz neu. Bereits in den 1960er-Jahren forschte die USA an Thorium-Reaktoren. Allerdings stellte man bereits frühzeitig fest, dass daraus nur sehr schwer waffenfähiges Material zu gewinnen war. Uran war dazu wesentlich besser geeignet. Also wurde die Thorium-Technologie zu Gabe getragen. Doch dieser Tage erlebt Thorium eine wahre Renaissance: Länder wie China oder Norwegen haben die Forschung mit Thorium wieder aufgegriffen, um eine alternative Energiequelle zu schaffen.

Wundermittel Thorium

Bei Thorium handelt es sich um ein radioaktives Material, das in der Vergangenheit schon in diversen Forschungsreaktoren zur Energiegewinnung genutzt wurde. Der schwedische Chemiker Jöns Jakob Berzelius entdeckte dieses chemische Element bereits im Jahre 1828, der es nach der nordischen Gottheit Thor benannte. Thorium ist sehr viel schwächer radioaktive als etwa Uran, ist ein natürliches Element, was bis zu dreimal häufiger in der Erdkruste vorkommt und waffenfähiges Material lässt sich aus Thorium nur sehr schwer gewinnen. Und ganz wichtig: Thorium ist nicht in der Lage eine gefährliche Kettenreaktion, wie sie bei Uran-Reaktoren vorkommen kann, zu entwickeln.

LPS arbeitet im Moment daran, Thorium für den Antrieb in Fahrzeugen nutzbar zu machen. Hierbei experimentiert man mit sehr kleinen und kompakten Thorium-Blöcken. Diese erzeugen Energie, mit der wiederum ein Laser betrieben wird, der Wasser erhitzt. Der dabei entstehende Wasserdampf treibt eine Mini-Turbine an, die dann den Strom erzeugt, den die Elektromotoren benötigen, um ein Fahrzeug in Gang zu setzen. Aktuelle Test-Reaktoren auf Thorium-Basis in den Laboratorien von LPS wiegen knapp 250 Kilogramm. Laut Unternehmensaussagen verfügt ein Gramm Thorium über die vergleichbare Energie wie 28.000 Liter Benzin. Umgerechnet könnte ein Automobil damit ungefähr 100 Jahre fahren ohne »nachtanken« zu müssen.

Cadillac ist interessiert

Bereits 2009 präsentiert Cadillac auf der Chicago Auto Show seine »Cadillac World Thorium Fuel (WTF) Konzept-Studie«, bei der thorium als Energiequelle in einem Automobil benutzt wurde. Ziel von LPS in Zusammenarbeit mit Cadillac ist es nun, das Projekt zur Serienreife zu bringen. Es gibt allerdings noch jede Menge ungeklärter Fragen: Wie will man die Strahlung in den Griff bekommen? Wie kann das Thorium entsorgt werden? Auch was die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten eines Thorium-PKWs betrifft herrscht noch keine Klarheit. Zudem hätte die Entwicklung eines derartigen Antriebs auch massive gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen. Nicht zu vergessen wäre der Umweltaspekt: Was passiert, wenn ein Thorium-Fahrzeug einen Unfall hat und radioaktives Material austritt. Hier sind massive Sicherheitsüberlegungen notwendig, um Fahrzeuge absolut sicher zu machen!

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