»Alexa« und der Hype um die digitalen Sprachassistenten

Echo AlexaAuf der Fachmesse CES 2017 in Las Vegas konnte man der Thematik der digitalen Sprachassistenten kaum entkommen. Apples »Siri«, Samsungs »Bixby« oder Microsofts »Cortana« waren immens präsent. Aber nur Amazon mausert sich augenscheinlich zum Platzhirsch und zog mit seinem Sprachassistenten Echo »Alexa« verstärkte Aufmerksamkeit auf sich. Der »smarte Lautsprecher« hat sich mittlerweile vom Kuriosum zum Hype gewandelt. Was ist dran am Thema Sprachassistent? Und haben die elektronischen Helferlein tatsächlich das Zeug, sich in unseren Wohnungen und Häusern zu etablieren?  

Woher kommt der Hype um Alexa & Co.? Ein kleiner Blick in die Historie der Benutzeroberflächen von Computern hilft, diese Frage zu beantworten. Seit vielen Jahren gibt es eine eindeutige Tendenz, und zwar jene, dass sich Benutzeroberflächen immer mehr den menschlichen Bedürfnissen, wie Menschen miteinander kommunizieren, annähern. Früher war die Bedienung eines Rechners eine sehr abstrakte Angelegenheit und nur für Profis nachvollziehbar. Als dann die ersten grafischen Benutzeroberflächen Einzug in die IT-Welt hielten, war dies ein Evolutionssprung – viele Vorgänge wurden bildhaft abgebildet und selbst für Laien leichter zu bedienen. Den nächsten Quantensprung brachten Touchscreens – der Computer reagierte nun auf bekannte Gesten. Und was wäre logischer, als nun die Sprache einzusetzen, um einen Rechner – in welcher Form auch immer – zu bedienen. Die menschliche Sprache wäre in sehr vielen Situationen die einfachste und effizienteste Art der Bedienung. Die Wunschvorstellung der Entwickler von Sprachassistenten ist, dass der digitale Assistent uns genau so gut versteht, wie ein natürliches Gegenüber. Und er soll uns mit dem Internet verbinden, auf Ansprache mit Informationen versorgen und Antworten liefern, bevor wir als Menschen überhaupt gefragt fragen. Eine Vorstellung, von der wir jedoch noch weit entfernt sind. Dennoch: Würde es genauso funktionieren, würde dies einen signifikanten Wandel auslösen. Digitale Assistenten stehen tatsächlich, laut Aussagen vieler IT-Kenner und Analysten, davor, die Art wir mit Computern umgehen zu revolutionieren.

Und wie sieht´s in der Praxis aus?

»Alexa, wie ist das Wetter heute in Köln?« Nach wenigen Augenblicken kommt die Antwort: »Aktuell sind es in Köln 12 Grad bei sonnigem Himmel. Zunehmend ziehen Wolken auf. Am Abend kann es zu kurzen Regenschauern kommen.« So, oder ähnlich verläuft die Kommunikation mit Alexa. Man aktiviert den Sprachassistenten, indem man einfach »Alexa« sagt und schon ist Amazons Wunderkiste bereit, Fragen zu empfangen. Und, das Erkennen des Aktivierungswortes klappt ungemein hervorragend, selbst über mehrere Meter hinweg.

Die Installation des einer Tennisballdose ähnlichen Sprachassistenten mit Lautsprecher geht in wenigen Augenblicken über die Bühne. Man muss lediglich Alexa per Smartphone-App (Android und iOS) oder über den heimischen Rechner mit dem WLAN verbinden und schon kann es losgehen. Zudem ist es möglich, Alexa auch per Bluetooth zu paaren, um das Gerät als »ordinären« Bluetooth-Lautsprecher zu benutzen. Ach ja, sollte jemand in ihrem Haushalt Alexa heißen, kann man das »Zauberwort« ändern.

Echo Alexa
Amazons »Echo Alexa« ist ein digitaler Sprachassistent. © Amazon

Ab Werk ist Alexa bereits sehr gut ausgestattet: Sie haben die Möglichkeit Einkaufslisten zu erstellen, den Wecker einstellen, To-Do-Listen anlegen oder Wikipedia-Einträge abzurufen und vieles mehr. Die Sprachausgabe ist dabei sehr klar, verständlich und klingt so gar nicht nach digitaler Sprachausgabe.

Das Innere der »Dose« ist hauptsächlich mit Lautsprechern bestückt. Selbst ein Subwoofer fand Platz in dem schicken Gehäuse. Doch erwarten Sie nicht zu viel in Sachen Klangqualität. Okay, sie ist nicht schlecht, es gibt aber sehr viel bessere Bluetooth-Boxen am Markt. Klangdetails und tiefe Bässe findet man nicht vor. Dennoch zum Radiohören – »Alexa, spiele WDR 2 Rheinland« – reicht es allemal.

Der obere runde Rand bietet einen Lichtring, der gleichzeitig ein Drehregler ist, um die Lautstärke manuell zu regeln. Mit »Alexa, leiser« geht´s jedoch auch automatisch. Zudem sind im Inneren Alexa sieben Mikrofone untergebracht, die in alle Richtungen lauschen. Apropos Lauschen: In der Vergangenheit tauchten immer wieder Meldungen in der Presse auf, dass Alexa auch perfekt als Spionin taugen würde, um uns abzuhören. Entwarnung: Erst wenn man das Aktivierungswort äußert, sendet Alexa Sprachdaten in Richtung Amazon. Ansonsten zeichnet Alexa intern für drei Sekunden die Umgebungsgeräusche auf – hört sie in dieser Zeit nicht ihren Namen, löscht sie die Aufzeichnung. Zudem hat der Anwender die Möglichkeit über einen Mute-Knopf die Stromzufuhr der Mikrofone zu unterbrechen. Alexa ist dann taub.

Vernünftige Skills müssen her

Richtig interessant wird Alexa erst mit sogenannten Skills. Das sind kleine Programme bzw. Apps, die den Sprachassistenten in Sachen Funktionalität erweitern. Zum Deutschland-Start letztes Jahr beherrschte Alexa bereits die Steuerung vieler Smart-Home-Produkte wie vernetzte Lampen, Heizungsthermostate oder Überwachungskameras. Neben diesen Smart-Home-Skills gibt es Connected-Car-Funktionen, beispielsweise für Besitzer neuerer und smarter BMW-Modelle sowie Info-Skills. Hier können Sie sich Nachrichtenzusammenfassungen, Fahrpläne, Horoskope, Rezepte vorlesen lassen oder ein Taxi rufen.

Noch ist das Angebot an deutschen, wirklich guten Skills sehr überschaubar. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis auch hier in Deutschland der Markt für Skills regelrecht explodieren wird.

Und braucht man Alexa. Eindeutige Antwort: Nein, eigentlich nicht. Trotzdem gewöhnt man sich verdammt schnell an Amazons Tennisballdose und eigentlich möchte ich sie nach vierzehn Tagen des Tests nicht mehr missen.

Lust auf mehr Wissenschaft, Technik und Geschichte im Krimi- und Thriller-Format? Dann werfen Sie doch einen Blick auf Meine Thriller oder Über mich, den Thriller-Autor.

Print Friendly, PDF & Email

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen