»America First« – ein alter Hut

America FirstUS-Präsident Trump hat in seinem Wahlkampf einen Terminus eingeführt, der eigentlich zur Mottenkiste amerikanischer Geschichte zählt. Die Rede ist von »America First«, einem Slogan, der schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg in den Staaten Konjunktur hatte. Eine regelrechte Renaissance erlebte der Slogan in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Nationalsozialisten in den USA eine breite Öffentlichkeit hatten und »America First« für sich entdeckten.

»So hört diese Worte, Amerikaner in jeder Stadt nah und fern, klein und groß, von Berg zu Berg, von Meer zu Meer: Ihr werdet nie wieder ignoriert werden. Ihre Stimme, ihre Hoffnungen und Ihre Träume werden das amerikanische Schicksal bestimmen. Und Ihr Mut und Ihre Güte und Liebe werden uns für immer auf diesem Weg führen. Zusammen werden wir Amerika wieder stark machen. Wir werden Amerika wieder wohlhabend machen. Wir werden Amerika wieder stolz machen. Wir werden Amerika wieder sicher machen. Und ja, zusammen werden wir Amerika wieder großartig machen. Danke. Gott segne Sie. Und Gott segne Amerika. Danke. Gott segne Amerika.«, so Donald Trump in seiner Rede zur Inauguration als US-Präsident im Januar diesen Jahres. Seitdem schwappt »America First« mit schönster Regelmäßigkeit durch alle Medienkanäle. Und wann immer es geht, wiederholt Trump diesen wie ein Mantra immer und immer wieder. Dabei ist America First keine Erfindung Trumps.

America First

Trumps Vorgänger im Geiste – Woodrow Wilson

Bereits mitten im Ersten Weltkrieg im Jahre 1916 benutzte der damals amtierende US-Präsident Woodrow Wilson den Slogan America First. Bekannt war Wilson vor allem wegen seiner Heuchelei. Während seiner gesamten Präsidentschaft sprach er über die Rechte und die Würde der Afro-Amerikaner. Doch im Gegensatz zu seinen populistischen Äußerungen verfolgte er eine Politik, welche die Not der Schwarzen nur verschärfte. Während des Ersten Weltkrieges unterhöhlte seine Regierung ungeniert die freie Presse. Er ignorierte die offizielle und inoffizielle Gewalt gegen politische Radikale und Immigranten sowie gegen Schwarze. Welch Parallele zu Donald Trump!

Sympathisanten des Nationalsozialismus

In den 1930er Jahren begann der US-Medienbaron William Randolph Hearst, mit dem Slogan America First, gegen den damals amtierenden amerikanischen Präsidenten Roosevelt zu kämpfen. Für Hearst war Roosevelt der Teufel in Person. Er verachtete dessen Wirtschaft- und Sozialreformen nach dem Ende der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er und im Verlauf der 1930er Jahre. Für ihn waren diese zutiefst »unamerikanisch« und »kommunistischer als die Kommunisten«. Was die Nationalsozialisten in Deutschland machten war für den Medienmogul der richtige Weg, nämlich der, dass freiheitsliebende Menschen überall auf der Welt einen großen Sieg in der Abwehr des Kommunismus gewinnen würden. Tja, so kann man sich täuschen! Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges bezog Roosevelt eindeutig Stellung gegen den Nationalsozialismus und unterstützte jene Länder, die unter dem Unheil der Nazis zu leiden hatten und gegen die in den Krieg zogen, wie die USA letztendlich auch. Damit zog er den Zorn von Pazifisten, Nationalsozialisten, religiösen Fanatikern und den amerikanischen Kommunisten auf sich. Die unterstützten den Hiter-Stalin-Pakt und waren der Meinung, dass die USA sich aus dem europäischen Krieg heraushalten sollten. Das änderte sich jedoch schlagartig, als Hitler trotz des Paktes die Sowjetunion überfiel.

Das »America First Committee«

Unterstützung fand Hearst in einer mächtigen Organisation – dem »America First Committee« (AFC). Das AFC war die größte Organisation der Isolationisten in den USA. Ihr Ziel war vor allem die Einflussnahme auf Politik und Wirtschaft, um einen Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. Gegründet wurde die Organisation am 4. September 1940 von R. Douglas Stuart Jr. (Yale University), dem späteren Präsidenten Gerald Ford, Sargent Shriver und dem späteren Richter am US-Supreme Court Potter Stewart. Eine illustre Runde!

Zu den besten Zeiten zählte das AFC mehr als 800.000 Mitglieder. Von den 370.000 US-Dollar eingesammelten Spendengeldern stammte die Hälfte von Millionären wie William H. Regnery und H. Smith Richardson (Vick Chemical Company), R. E. Wood, Joseph M. Patterson (New York Daily News) und seinem Cousin Robert R. McCormick (Chicago Tribune).  Das AFC reibte sich an Roosevelt ab. Es warf ihm vor, dass amerikanische Volk zu belügen. Der hatte am 18. Februar 1941 das Leih- und Pachtgesetz dem Kongress vorgelegt, welches trotz Neutralität der USA die Versorgung der Alliierten und der Sowjetunion (11,3 Milliarden) mit Kriegsmaterial im Wert von 50 Milliarden Dollar vorsah. Ein Unding für das AFC. Der versprach daraufhin, alle Macht einzusetzen, um dagegen zu kämpfen.

Das Committee löste sich einige Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 selbst auf. Die USA traten aktiv in den Krieg ein. Prominentester Sprecher des AFC war der weltbekannte Flieger Charles Lindbergh, der aus seiner Sympathie für die Nationalsozialisten Deutschland keinen Hehl machte. Weitere Unterstützer des AFC waren die Schriftsteller Sinclair Lewis und E. E. Cummings, Gore Vidal sowie der Filmproduzent Walt Disney. Was Roosevelt schmerzte, war die Tatsache, dass selbst seine Tochter Alice Roosevelt Longworth das AFC unterstützte. Im Jahre 1980 wurde das AFC übrigens wiederbelebt.

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