BOOM,BOOM,BÄNG 

New York in 3 Stunden 15 Minuten




BoomWer hätte das gedacht: Ab 2023 soll wieder ein Überschalljet Europa mit den USA verbinden. Das hat sich zumindest der US-Hersteller Boom fest vorgenommen. Und, obwohl es noch kein Testflugzeug gibt, kann »Boom Technology« bereits 76 Bestellungen vorweisen. Boom tritt dabei ein gewaltiges Erbe an, meidet jedoch Vergleiche mit dem Symbol Concorde. Der neue Jet soll vor allem schneller, leiser und sehr viel rentabler sein. Bereits im kommenden Jahr soll ein erster Prototyp, die »XB-1 Baby Boom«, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens bzw. Projektes unter Beweis stellen.

»Falls wir es schaffen, den Concorde-Kerosinverbrauch pro Sitz nur um 30 Prozent zu unterbieten, könnten wir einen Überschall-Passagiersitz für die gleiche Kraftstoffmenge anbieten, die ein heutiger, flacher Business-Class-Schlafsessel im Unterschallverkehr verbraucht«, so Blake Scholl, Vorstandsvorsitzender von Boom. Na das ist doch mal eine Ansage!

Und tatsächlich scheint der Vorstandsvorsitzende Scholl damit recht zu behalten. Luftfahrtmesse, Le Bourget bei Paris im Frühjahr diesen Jahres: Mehr als 13 Jahre nach dem Aus für die Concorde präsentierte er und sein Start-up »Boom Technology«, Pläne für einen neuen transatlantischen Überschalljet. Und der Markt scheint dafür reif zu sein. Innerhalb kürzester Zeit sammelte der smarte Kalifornier und Firmengründer 76 Bestellungen für seinen Traum ein. Das gab er mit stolz geschwollener Brust im Rahmen einer Pressekonferenz vor Ort der Öffentlichkeit bekannt.

2023 soll es losgehen

Scholl will nicht kleckern, sondern klotzen. Laut eigenen Aussagen soll bereits 2023 das erste Exemplar den regulären Linienbetrieb zwischen Großbritannien und den USA aufnehmen. Der Überschalljet aus dem Hause Boom mit gleichnamiger Bezeichnung soll dann die Metropolen London und New York mit Mach 2,2 also rund 2.700 Kilometern pro Stunde, verbinden. Das wäre doppelte Schallgeschwindigkeit. Damit wäre das Flugzeug sogar noch schneller als die legendäre Concorde, wenn auch nur geringfügig. Die brachte es immerhin auf Mach 2.

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So soll der Boom-Überschalljet aussehen. ©Boom Technology

Ein Ticket kalkuliert Scholl mit ungefähr 5.000 US-Dollar – keine billige Angelegenheit, aber das waren Überschalltransatlantikflüge noch nie. Die Concorde mit ihren 100 Sitzplätzen war im Vergleich zum Boom-Jet eine sehr spartanische Angelegenheit. Scholl Unternehmen plant einen sehr viel luxuriöseren Überschalljet mit nur 55 Businessclass-Plätzen. Zudem soll es eine Long-Distance-Version mit zehn Erste-Klasse-Sitzen geben, die in Betten umgewandelt werden können.

Nächstes Jahr der erste Testflug

Um die Technologie zu testen soll Ende 2018 eine stark verkleinerte Version des Linienfliegers an den Start gehen – die zweisitzige Demonstrator XB-1 »Baby Boom«. Seit diesem Sommer laufen bereits intensive Windkanalversuche, nachdem im Sommer eine Freigabe der zweisitzigen Version erfolgte. In der dreistrahligen Testversion finden lediglich zwei Leute platz – ein Pilot sowie ein Testingenieur. Die Überschalltests finden nahe der Edwards Air Force Base statt, denn nur da gibt es über der Wüste den einzigen für zivile Luftfahrzeuge in den USA zugelassenen Testflug-Luftraum.

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Der zweisitzige Prototyp zur Erprobung der neuen Technologien. © Boom Technology

Die US-Luftfahrtbehörde FAA verbietet den zivilen Überschallflug über Land. Und genau diese Vorschrift möchte Scholl aufweichen, denn er hat ein großes Ziel – die Erschließung des lukrativen US-Transkontinentalmarktes mit Überschallflügen von Küste zu Küste. Und die Chancen hierfür stehen gar nicht mal so schlecht. Im Überflug erzeuge Boom einen Lärmteppich von 85 dB(A), nur geringfügig mehr, als ein vorbeifahrender LKW. Also beste Voraussetzungen die FAA zu überzeugen.

Kein Vergleich zur Concorde

Scholl wirbt mit mehr als 30 Prozent Kraftstoffersparnis seiner Boom gegenüber der Concorde. Experten halten das durchaus für möglich, da es mittlerweile neue Werkstoffe sowie Fertigungsmethoden gibt. Insbesondere der Leichtbau in Kohlefaser-Verbundbauweise gestattet die Produktion von sehr festen und überdies hitzebeständigen Materialien. Zudem lassen sich aufwändige Windkanaltests heutzutage perfekt im Computer simulieren. Neue Kunstharze machen dem Boom-Jet bei Überschallgeschwindigkeiten nicht ganz so hitzeempfindlich, wie die Concorde, die noch aus in Aluminiumbauweise hergestellt wurde. An der Nasenspitze der Concorde wurden bei Mach 2 Temperaturen von bis zu 127 Grad Celsius gemessen. Die Concorde hätte schneller als Mach 2 gekonnt, wenn es nach den Triebwerken gegangen wäre. Leider beschränkte die höchstzulässige Materialtemperatur die Geschwindigkeit der Concorde. Das soll beim Boom-Jet anders werden.

Der Listenpreis für den regulären Jet aus dem Hause Boom Technology soll bei 200 Millionen US-Dollar pro Stück liegen und fällt damit etwas niedriger aus, als für die kleinsten Großraum-Jets von Boeing und Airbus. Erstkundin ist übrigens die britische Fluglinie Virgin Atlantic des Milliardärs Richard Branson, die zehn Stück der Boom bereits bestellt hat.

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