Brennende Kohleflöze – die unterirdische Umweltkatastrophe

brennende KohleflözeEs ist erschreckend – von Pennsylvania bis zur Mongolei brennen unkontrolliert unterirdische Kohleflöze und gefährden Mensch und Klima seit vielen Jahrzehnten. Niemand vermag zu sagen, wie viele Kohleadern weltweit in Flammen stehen. Allein für Indonesien, wo die Flöze dicht unter der Oberfläche liegen, reichen die Schätzungen von 760 bis zu 30.000 brennenden Flözen. Die unterirdischen Brände zu löschen ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn sind sie erst einmal entfacht, brennen sie unter Umständen viele Jahrzehnte.

Anne Marie Callahan Devine blättert traurig in einem Fotoalbum, das die besten Jahre hinter sich hat. Es ist abgegriffen und viele der Fotos hinter der Plastikschutzfolie sind nur noch ansatzweise erkennbar. Und trotzdem hütet sie es wie einen Schatz. Ab und an blickt sie auf und lässt den Blick über das schweifen, was einst ihr Heimatort »Centralia« war. Doch von dem einst boomenden Bergarbeiterstädtchen, deren letzte Bürgermeisterin Callahan war, ist nicht mehr viel übrig – es wurde vor vielen Jahren aufgegeben. Es stehen nur noch etwa eine Handvoll Gebäude und die Straßen sind fast zugewuchert. Man merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Aus dem aufgebrochenen Asphalt der Straßen steigen Rauchwolken auf – ein Indiz dafür, dass hier etwas schreckliches passiert ist.

brennende Kohleflöze
Die Route 61 durch Centralia ist nicht mehr befahrbar – brennende Kohleflöze haben den Highway aufgebrochen. © JohnDS at English Wikipedia

Das Drama nahm seinen unheilvollen Anfang am 27. Mai 1962, als die Freiwillige Feuerwehr Centralias eine illegale Müllhalde niederbrennen wollte, die in einer ausgedienten Tagebaugrube aufgeschüttet worden war. Die Feuerwehrmänner agierten wie immer: Sie schütteten Wasser auf die Glut! Allerdings bemerkten die Männer nicht, dass sie die Glut nicht komplett gelöscht hatten. Die Glut fraß sich nach und nach immer tiefer bis sie das erste Kohlenflöz erreichte und es entzündete. Innerhalb kürzester Zeit brannten immer mehr Kohleflöze in den Tiefen unterhalb Centralias. Sämtliche Versuche, das unterirdische Inferno zu löschen, schlugen fehl. In den 1990er beschloss der US-Bundesstaat Pennsylvania die Ortschaft aufzugeben. Es hätte Milliarden US-Dollar verschlungen, das Feuer zu löschen bzw. einzudämmen. Dazu war man seitens staatlicher Stellen nicht bereit. Also »investierte« der Bundesstaat 60 Millionen US-Dollar in ein Umzugsprogramm für die Bewohner Centralias. Experten schätzen, dass das Feuer erst in 100 bis 300 Jahren von allein erlöschen wird.

Tödlicher Giftcocktail

Weltweit gibt es unzählige unterirdische Kohleflöze die brennen. Eine genaue Schätzung ist nahezu unmöglich. Experten gehen jedoch davon aus, dass es durchaus bis zu 30.000 brennende Kohleflöze gibt. Das Gefährliche an diesen Bränden sind nicht die äußeren Erscheinungen wie etwa Brandkrater, Hitze oder plötzlich aufklaffende Erdspalten. Es sind besonders die Gifte und Schwermetalle, wie beispielsweise Arsen, Blei oder Flur, die in erheblicher Menge freigesetzt werden. Zudem ist es so, dass die Verbrennungsgase in unserer Atmosphäre als Treibhausgase massiv zum Klimawandel beitragen. Eine Analyse des »Clean Coal Centre« der Internationalen Energiebehörde IEA kam schon 1999 zu dem Schluss, dass die unzähligen brennenden Kohleflöze enorm gewichtige weltweite Konsequenzen haben. So geht man beispielsweise davon aus, dass China als größter globaler Kohlproduzent jährlich mehr als 200 Millionen Tonnen Kohle durch unterirdische Flözbrände verliert. Die Menge des dabei freigesetzten Kohlendioxids entspricht in etwa der Menge, die alle Autos und Kleintransporter der USA zusammen in die Atmosphäre pusten.

Schwierig zu löschen

Kritisch ist der Zeitfaktor! Die Kohle kann sich von selbst entzünden, dann kommt es zu einem Schwelbrand des gesamten Kohleflözes, der schließlich in Flammen aufgeht. Dieser Vorgang kann sich mitunter über viele Jahre hinziehen. Um diese tickenden Zeitbomben in den Griff zu bekommen setzen Wissenschaftler weltweit seit einiger Zeit auf modernste Satellitentechnik, um Kohleflöze weltweit genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Ziel ist klar: Der Kampf gegen das tödliche Feuer. Der gestaltet sich allerdings sehr viel schwieriger, als gedacht. Die Experten am »Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt« (DLR) fanden anhand der ausgewertete Satellitendaten zahlreiche unterirdische Brandherde. Doch noch immer ist unklar, wie auf welche Weise die Feuer fortschreiten.

Ein brennendes Kohlenflöz zu löschen ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. In der Vergangenheit ging man sehr oft hin und wollte die Brände mit Wasser löschen. Ein fataler Fehler! Das Wasser wäscht Säure aus der Kohler heraus, die wiederum in den Boden sickerte und das Grundwasser verseuchte. Zudem sind sich die Experten mittlerweile einig, dass Wasser die unterirdischen Brände sogar beschleunigt. Also was tun? Die Lösung scheint eine Mixtur aus Flugasche, Spezialschaum und Zement zu sein. Zunächst muss erst einmal das brennende Kohlenflöz mittels Sprengungen und Baggern weitgehend freigelegt werden. Im Anschluss daran werden Betonmauern in den Boden gegoßen, um die Ausbreitung des Brandes zu stoppen. Zu guter Letzt bringt man eine selbsthärtende Substanz ein, die sich wie ein Mantel um die Glut legt, um sie zu ersticken.

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