Caffettiera – die Kanne mit dem Dreh

EspressoAm 11. Februar 2016 verstarb Renato Bialetti im Alter von 93 Jahren, der die Espressomaschine seines Vaters weltberühmt machte. Beigesetzt wurde seine Asche – wie könnte es auch anders sein – natürlich in einer Bialetti-Drehkanne. Die Caffettiera begründete den Erfolg des Bialetti-Imperiums. Die kleine Drehkanne ist weltberühmt. Im Jahre 1933 erblickte die erste »Mokka Express«-Kanne das Licht der Welt und trat ab diesem Zeitpunkt ihren Siegeszug durch alle Küchen dieser Welt an. Die kleine Kanne revolutionierte die Kaffeezubereitung. Schnell wurde die damals noch junge Firma zur No. 1 der italienischen Hersteller von Kaffeezubereitern.

Italien, 1918. Die Welt befindet sich im Aufbruch, ein schrecklicher Krieg ist gerade vorüber, man widmet sich wieder zunehmend dem Leben, baut Land und Gesellschaft wieder auf und erfindet viele Dinge. Auto und Flugzeug gewinnen zunehmend an Bedeutung. Und auch der Espresso, des Italieners liebstes Getränk, findet zunehmend Anklang. Man strömt in neue und alte Kaffees, um dem dunklen Kaffeeextrakt zu frönen.

Auch Alfonso Bialetti ist in Aufbruchstimmung. Aus Frankreich bringt er eine geniale Idee mit zurück nach Italien. Und von der ist Bialetti dermaßen überzeugt, dass er sofort eine eigene kleine Maschinenfabrik aufbaut. Seine Vision: Er möchte den Espresso, den Bars und Cafés ihren Gästen anbieten in heimische Gefilde bringen. Es gibt nur ein Problem – er muss es schaffen, den üblichen Druck der professionellen Espressomaschinen von 9,5 bar zu senken, ohne dass die Qualität des Espresso leiden würde. Sein Espressokocher soll lediglich mit niedrigem Dampfdruck, der innerhalb der Kaffeekanne erzeugt wird, ein gutes Ergebnis erzeugen.

Bialetti ist besessen und nach unzähligen Fehlversuchen, Planung und Entwicklung ist es dann endlich so weit: 1933 erblickt die erste »Mokka-Express« das Licht der Welt. Vom Äußeren her ähnelt Bialettis achteckiger Entwurf dem Design klassischer italienischer Kaffeekannen. Doch einen Unterschied gibt es – die Mokka-Express besteht aus Aluminium, vom ausgeklügelten Innenleben einmal abgesehen.

Ein schwieriger Start für die Caffettiera

Alfonso kann keinen Großabnehmer für seine Erfindung begeistern. Also geht er den steinigen Weg der Selbstvermarktung und verkauft die Mokka-Express lediglich lokal auf Märkten in der Umgebung. Erst mit seinem Sohn Renato kommt der überwältigende Erfolg. Er steigt ins Geschäft ein und erkennt das Potential der Erfindung seines Vaters. Schleunigst meldet er ein Patent an. Er denkt groß und baut die bis dato größte Kaffeemaschinen-Fabrik weit und breit. Und mit dem Wachstum und einer Werbekampagne auf breiter Front kommt der Erfolg. Die Bialetti ermöglicht es tatsächlich Kaffee zuhause wie in Restaurants zu genießen, und das mit einfachster Technik und einen für jedermann akzeptablen Anschaffungspreis.

Espresso

Bialettis Maschine überzeugt durch eine hervorragende Qualität, was den extrahierten Espresso sowie die Haltbarkeit der Maschine betrifft. Bis heute hat sich die silberne Kanne mehr als 300 Millionen Mal verkauft. Und dabei ist die Form immer noch dieselbe – von verschiedenen Größen einmal abgesehen.

Auch, wenn es streng genommen kein »Espresso«, der der kleinen Maschine da entströmt – dazu ist ein Druck von mindestens 9,5 bar notwendig – leistet sie mehr als eine gewöhnliche Kaffeemaschine.

Eine Espressomaschine, die keine ist

In Deutschland und Österreich bezeichnet man die kleine Alu-Kanne immer noch als Espressokanne, was falsch ist, da man damit keinen Espresso herstellen kann. Wie bereits erwähnt, braucht man zur Espressoherstellung einen Brühdruck von ungefähr 9,5 bar. Die kleine Bialetti bringt es jedoch nur auf rund 1,2 bar. Also, was kommt den dann aus der Maschine heraus? Espresso ist es auf keinen Fall, was man schon an der nicht vorhandenen Crema erkennen kann.

Die Italiener bezeichnen das kleine Wunderwerk meist als Bialetti, Mokka oder Caffettiera – was einfach nur für Kaffeekanne steht. Und das was die Bialetti produziert ist nichts anderes als »Caffé«. Zuhause bereitet man immer Caffé zu und nur außerhalb der eigenen vier Wände wird aus dem Caffé ein Caffé Espresso. Verwirrend? Durchaus! Und es wird noch schlimmer: Der italienische Kaffeebohnengenießer bezeichnet die Bialetti auch als Mokka-Kanne. Das wiederum sorgt für weitere Verwirrung, weil Mokka weltweit einen anderen Kaffeetyp bezeichnet, als ihn die kleine Kanne herstellt.

Aber, wie man die Caffettiera auch immer nennen mag, Hauptsache ist, dass das Ergebnis schmeckt. Und das tut es!

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