Das Dorf der Glyphosat-Rebellen




Glyphosat-RebellenDie moderne Landwirtschaft setzt auf Pflanzenschutzmittel. Da werden jedes Jahr tonnenweise Pestizide auf Gemüsefelder und Obstplantagen verteilt, und zwar was das Zeug hält. Der Grund ist klar: Gespritzt wird gegen Pilzkrankheiten, tierische Schädlinge und Unkraut, um das Produkt letztendlich so preiswert wie möglich anbieten zu können. Das Nachsehen haben wir Verbraucher. Vor drei Jahren haben in der Gemeinde Mals in Südtirol die Bewohner per Volksabstimmung entschieden, keinerlei Pestizide mehr zu verwenden. Ein mutiger Schritt! Die Glyphosat-Rebellen setzen ein Zeichen!

Mals ist ein kleines, idyllisches Dörfchen eingebettet in Südtiroler Bergkulisse und umringt von unzähligen Apfelplantagen. Ein Kleinod wie aus dem Tourismusprospekt. Und dennoch brodelt es unter der Oberfläche: Vor knapp drei Jahren stimmten hier rund drei Viertel der 4.873 Wahlberechtigten dafür, zur ersten pestizidfreien Gemeinde Europas zu werden. Mals ist ein Dorf voller Glyphosat-Rebellen, Querdenker und mutiger Widerstände gegen ein Bollwerk aus konventioneller Bauernlobby, Agrarindustrie und einer unheilvollen Südtiroler Landespolitik. Südtirol ist ein Paradies für die Hersteller von Pestiziden. Jedes Jahr werden hier mehr als eine Million Äpfel geerntet. Der Apfel ist neben dem Tourismus der wirtschaftliche Standfuß schlechthin. Hier gedeihen rund zehn Prozent der europäischen Apfelernte in reinster Monokultur.

»Im Südtiroler Obstbau werden über 50 Kilo Pflanzenschutzmittel pro Hektar eingesetzt, in Italien im Durchschnitt nur 6 Kilo – in den meisten Fällen sogar weniger. (…) Aber die Menge allein macht es nicht. Es gibt eine schwarze Liste, die im Auftrag von Greenpeace erstellt wurde, in der alle Pestizide aufgeführt sind, die hormonschädigend, erbgutschädigend und krebserregend sind. Das sind 200 Wirkstoffe von insgesamt 500 in der EU zugelassenen Wirkstoffen. So gut wie alle Südtiroler Mittel – 55 von 68 – enthalten Wirkstoffe von dieser Liste. Das sind keineswegs harmlose Mittel«, so Autor und Filmemacher Alexander Schiebel »Wunder von Mals«.

Der Volksentscheid gegen Pestizide war ein Paukenschlag, der bis in die obersten Chefetagen der Chemiekonzerne hallte. Naturschützer und Ökologen jubelten, eine bessere Welt war zum Greifen nahe. Und heute, drei Jahre Später? Wie sieht es im Dorf der Glyphosat-Rebellen aus?

Und drei Jahre später?

Mittlerweile sind drei Jahre nach dem weltweit aufsehenerregenden Volksentscheid vergangen, Grund genug einmal ein Resumee zu ziehen. Ulrich Weit, seines Zeichens Bürgermeister von Mals zieht eine positive Bilanz. Man befindet sich in einer Zeit des Überganges. Ab Frühjahr des kommenden Jahres würden sämtliche chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel auf dem Gemeindegebiete verboten. Diese Zeit hatten die Bauern benötigt, um auf alternative Pflanzenschutzmittel umzustellen.

Beispiel Glyphosat

Für die Bauern von Mals ist mittlerweile eines klar – Glyphosat ist ein Teufelszeug, auf das sie unbedingt verzichten wollen. Weltweit setzen Bauern Glyphosat ein, um Unkraut auf ihren Feldern zu vernichten. Das Mittel steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Und wie es an dieser Stelle ist, es gibt Gutachten und Gegengutachten, Studien und Gegenstudien. Die EU streitet seit Jahren über eine Zulassungsverlängerung mit dem Ergebnis, dass Glyphosat erst einmal »nur« für die kommenden fünf Jahre zugelassen bleibe. Ein herber Schlag für Umweltschützer. Doch davon lassen sich die Bauern in Mals kaum verunsichern. Für sie ist es klar, auf den Unkrautkiller zu versichern.

Glyphosat-Rebellen

Angriffe auf die Landwirte

In den letzten Jahren, seit dem Volksentscheid, gab es diverse Einschüchterungsversuche. So gab es beispielsweise eine Strafanzeige des Südtiroler Agrarministers Arnold Schüler gegen den Filmemacher Alexander Schieber. Der hatte eine Fernsehreportage mit dem Titel »Das Wunder von Marl« über das Dorf gedreht. Zudem klagte die Südtiroler Politik gegen das Umweltinstitut München sowie den Münchener oekom-Verlag, bei dem die Fernsehreportage erschienen war. Zudem trafen die Repressalien auch die Bauern vor Ort. Beispiel Ägidius Wellenzohn: Dem Bio-Bauern hatte Unbekannte die Apfelbäume über Nacht mit Glyphosat vergiftet. Sein Bio-Label und die entsprechende Zertifizierung kann er damit für die kommenden drei Jahre vergessen. Der Bio-Bauern galt und gilt als maßgeblicher Kopf der Kampagne. Er demonstrierte bereits vor mehr als dreißig Jahre, dass ein pestizidfreier Obstanbau ohne Probleme und wirtschaftliche Verluste möglich ist.

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