Das erste Auto im Leben – Happy Birthday Bobby-Car

06Gratulation – das Bobby-Car feiert im Februar 2017 seinen 45. Geburtstag. Mittlerweile hat das fränkische Unternehmen BIG knapp 20 Millionen »Fahrzeuge« ausgeliefert. Und da die meisten Polyethylen-Renner unverwüstlich sind, haben sie mit Sicherheit mehr als einen Fahrer ausgehalten. Schätzungsweise rund 34 Millionen Jungen und Mädchen dürften mit dem allseits bekannten Rumpeln der Plastikräder über Gehwege oder sonstige Geländegegebenheiten gerollt sein. Von den Erwachsenen einmal ganz zu schweigen, die das Gefährt in den 90ern für Rennen für sich entdeckt haben.

Eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht: Jahr für Jahr verlassen rund 600.000 Bobby-Cars das Unternehmen BIG in Burghaslach. Und man mag es kaum glauben, aber damit kommt das Rutschauto für Kinder verdammt nah an das Traditionsfahrzeug für Erwachsene – dem VW-Käfer – heran. Der Volkswagen-Konzern ließ bis 2003 ungefähr 22 Millionen Fahrzeuge bauen. Einer Umfrage zufolge kennen 98 Prozent der Deutschen das Produkt Bobby-Car.

Von diesem Erfolg hätte der Erfinder Ernst A. Bettag nicht zu Träumen gewagt, als er Anfang der siebziger Jahre das aus Kunststoff gefertigte Gefährt für Kinder erfand. Seinen ersten Auftritt hatte der Renner auf der Nürnberger Spielwarenmesse im Jahre 1972. Und er lag völlig richtig! Schon seit den fünfziger Jahren, als Bettag das Familienunternehmen seines Vaters übernahm, orientierte sich der junge Unternehmer in Richtung Polyethylen. Er sah in der Produktion von Blechspielzeug keine Zukunft und rüstete die elterliche Fabrik komplett auf Kunststoff-Spritzgießtechnik um. Der Erfolg gab ihm recht.

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Jährlich verlassen mehr als 600.000 Bobby-Cars die Fließbänder bei BIG. © BIG-SPIELWARENFABRIK GmbH & Co. KG

Auch wenn das Bobby-Car dem Unternehmen und Bettag zum weltweiten Durchbruch verhalf, er ruhte sich auf den Lorbeeren nicht aus. Das Unternehmen, unter seiner Federführung, setzte auf weitere Kunststoffspielzeuge – Hula-Hoop-Reifen und Kunststoffdominosteine machte er ebenfalls zu einem Verkaufsschlager.

Das Problem der Nachfolge

Bettag war ein Unternehmer von altem Schrot und Korn, der die Zügel gern selbst in den Händen hielt. Mitarbeiter sagen gern, dass er dem Logo-Tier – einem Büffel mit zwei spitzen Hörnern – glich. Er war gerade heraus und duldete nur selten einen gleichberechtigten Partner neben sich in der Geschäftsführung. Als er dann im Jahre 2003 mit 74 Jahren verstarb, fehlte ein entsprechender Nachfolger. Und obwohl Bettag drei Söhne hatte, konnte er keinen in seinem Unternehmen halten. Sie waren sich wohl zu ähnlich! Somit ergriff schließlich ein weiterer Branchenriese die Gunst der Stunde und kaufte das Unternehmen – seit 2004 gehört der Bobby-Car-Hersteller zur Fürther Simba-Dicki-Gruppe.

Die Übernahme änderte jedoch nichts am wirtschaftlichen Erfolg des Bobby-Cars. Ganz im Gegenteil: Die Rutsch-Autos gibt es mittlerweile nicht nur mehr in Ferrari-Rot, sondern in Pink, Blau, Schwarz und in Leopardensonderlackierung. Zudem erweiterte man die Produktpalette um verschiedene Bobby-Car-Varianten.   

Und so manches Bobby-Car geht indes gar nicht mehr an Kinder. Es gibt eine stetig wachsende Fangemeinde – vorzugsweise männlichen Geschlechts – die den Plastikflitzer für Rennen nutzen. Es gibt sogar einen Bobby-Car-Sport-Verband. Ach ja, der Geschwindigkeitsrekord eines Profi-Renn-Bobby-Cars nach offiziellem Reglement wurde durch Marcel Paul vom Bobby-Car-Club-Altenhain am 7. September 2012, bei der Testfahrt zum Festival of Speed 2012 in Gedern, mit einer Geschwindigkeit von 115 km/h aufgestellt.

Gratulation Bobby-Car und Happy Birthday!

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