Das Geheimnis von Rennes-le-Château

Rennes-le-ChâteauDie Pyrenäen, Rennes-le-Château. Ein Dorf, wie es so viele gibt in der Region – wenn da nicht ein großes Geheimnis wäre: Ein einfacher Dorfpfarrer kam hier über Nacht zu unfassbarem Reichtum. Aber wie? Es geht um mysteriöse Grabes-Inschriften und geheimnisvolle Pergamente. Ist der Kirchenmann Bérenger Saunière bei Bauarbeiten in seiner Kirche auf Pläne gestoßen, die ihn zum Versteck des Heiligen Gral, zu Reichtümern der Templer oder zu Schätzen der Westgoten führte? Bis heute ist die wahre Geschichte seines Fundes ein Rätsel.

Die Geschichte beginnt am 1. Juni 1885 – es ist der Tag, an dem der Franzose Bérenger Saunière, 33 Jahre alt, seine neue Stelle als Pfarrer in der kleinen, bettelarmen Ortschaft Rennes-le-Château antritt. Der Geistliche ist motiviert, jedoch entsetzt, als er seine neue Wirkstätte in Augenschein nimmt. Die 1059 geweihte romanische Dorfkirche Sainte Marie-Madeleine ist in erbärmlichem, baufälligem Zustand. Doch Saunière ist ein Macher: Bei den Dorfbewohnern sammelt er Spenden, um zumindest die notwendigsten Reparaturen durchführen zu können. Und tatsächlich – schon bald können die Restaurationsarbeiten beginnen. Auch Saunière legt Hand an. Und macht eine aufregende Entdeckung: Unter einer steinernen Bodenplatte aus dem 8. Jahrhundert befindet sich der Eingang zu einer geheimnisvollen, längst in Vergessenheit geratenen Krypta.

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Saunière staunt nicht schlecht. In dem steinernen Raum unterhalb des Kirchenbodens findet er einen alten Becher sowie ein Gefäß mit einigen Goldstücken. Doch damit nicht genug. Im Verlauf der folgenden Tage entdeckt Saunière beim Anheben der Altarplatte in einem Hohlraum hölzerne Zylinder. Darin: Vier Pergamente beschrieben in lateinischer und französischer Sprache. Sofort lässt der Pfarrer alle Bauarbeiten stoppen. Welches Geheimnis birgt seine Dorfkirche? Was steht auf den papierenen Dokumenten? Saunière ahnt, es muss etwas Großes sein. Doch er braucht Hilfe. Sachverständige in Paris sollen die Pergamente prüfen. Eine Reihe von Maßeinheiten sind darauf vermerkt, Distanzangaben sowie Hinweise auf ein Grab auf dem Kirchhof – die letzte Ruhestätte der Marquise Marie d’Hautpoul de Blanchefort, der letzten Nachkommin eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Südfrankreichs.

Saunière studiert die dubiosen Worttrennungen und merkwürdige Schriftzeichen auf der Grabplatte. Sind es Hinweise auf ein geheimes Versteck? Auf keinen Fall will der schatzsuchende Pfarrer Aufmerksamkeit erregen. Den Grabstein macht er unkenntlich, weil er nicht will, dass jemand anders dem Geheimnis von Rennes-le-Chateau auf die Schliche kommt. Doch was hat Saunière herausgefunden?

Unvorstellbarer Geldsegen

Fest steht: Kurze Zeit, nachdem der Pfarrer auf die Krypta, die geheimnisvollen Pergamente und den Grabstein gestoßen ist, wird er plötzlich äußerst spendabel. Trotz seines spärlichen Gehalts zahlt er Rechnungen für die immer aufwändiger werdende Kirchensanierung nun aus eigener Tasche. Im neugebauten Turm, dem »Tour Magdala«, bringt er eine Bibliothek unter, pflanzt einen Garten voll seltener Bäume und exotischer Pflanzen an. Zudem kaufte Bérenger Saunière in der Umgebung diverse Grundstücke auf. Der Dorfgemeinschaft gönnt er eine neue Zufahrtsstrasse und finanziert einige wohltätige Projekte.

Weit über sein Dorf hinaus hat der Name Saunière nun einen Ruf wie Donnerhall. Wenn er zu Champagner-Empfängen in seine neugebaute Villa Bethania lädt, kommen nicht nur die Dorfhonoratioren, sondern auch Politiker und Künstler. Sie nahmen Platz unter Kronleuchtern in plüschigen Fauteuils, bestaunten die erlesenen Antiquitäten und teuren Wandbehänge.

Rennes-le-Château
Der Turm »Tour Magdala«. © Max Pixel

Warum war dieser Pfarrer auf einmal so reich? Und warum spazierte er oft tagelang mit seiner Haushälterin und Vertrauten Marie Denarnaud durch die Wälder, Schluchten und Höhlen rund um Rennes-le-Château? Was verband die beiden? Dorfbewohner, die sich an die Fersen der beiden heften, verlieren das Paar immer in der Gegend um Rennes-les-Bains aus den Augen – und zwar in der Nähe eines sehr großen Steins, dem »Pierre du Pain«. Lag dort der Schatz, der den Pfarrer zu einem schwerreichen Mann gemacht hatte?

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Saunière selbst kam niemals ein Wort über die Lippen. Vielleicht waren seine ausgedehnten Wanderungen auch nur eine Ablenkung vom eigentlichen Fundort des Schatzes – in seiner Kirche! Spekulationen gab und gibt es viele, stichhaltige Beweise jedoch nicht. Auch Historiker tappen im Dunkeln. War Saunière vielleicht auf Reichtümer der Westgoten gestoßen? Oder auf Schätze der Tempelritter, die eng mit dem in der Gegend ansässigen Adelsgeschlecht Blanchefort verbunden waren? Befand sich in Rennes-le-Château der Schatz aus König Salomons Tempel, den die Römer bei der Besetzung Jerusalems gestohlen haben sollen? Oder der Heilige Gral? Oder war alles ganz anders und Saunières plötzlicher Reichtum hatte profanere Gründe? Immerhin annoncierte er in überregionalen Zeitungen Totenmessen, die er am Ende nicht hielt, für die er sich aber üppig bezahlen ließ. Oder wurde der eifrige Monarchist und Prediger gar von wohlhabenden Gönnern bezahlt?

Der Tod des Dorfpfarrers

Dem Bischof im nahegelegenen Carcassonne indes gefiel das ominöse Treiben des kleinen Pfarrers in Rennes-le-Chateau nicht. Kurzerhand enthob er Saunière von allen seinen Ämtern. Wegen seines allzu weltlichen Lebenswandels. Und dem Verdacht auf Simonie, dem unerlaubten Kauf oder Verkauf eines kirchlichen Amtes, von Pfründen und Sakramenten. Doch so leicht wollte Saunière es seinem mächtigen Gegenspieler nicht machen. Bis nach Rom, an höchste Stelle, ging der Streit. 1915 schließlich wurde Saunière von allen Verfehlungen freigesprochen und wieder ins Amt gesetzt. Eine außergewöhnliche und höchst seltene Entscheidung!

Doch Saunières zweite Amtszeit währte nicht lang. Am 17. Januar 1917 erlitt er einen Schlaganfall, an dem er fünf Tage später verstarb. Und auch sein Tod ist überaus mysteriös: Warum bestellte seine Vertraute und Haushälterin Marie Denarnaud bereits am 12. Januar 1917 einen Sarg für ihren Herrn? Das belegt eine erhaltene Auftragsbestätigung. Saunière starb ohne eine letzte Ölung, die ihm sein Freund Abbé Riviere aus Esperaza verweigerte, nachdem Saunière bei ihm die Beichte abgelegt hatte.

Auch die Beisetzung muss eine ziemlich schräge Zeremonie gewesen sein. Nach seinem Tod hatte man Saunière in einen scharlachroten Umhang gehüllt und in einem Lehnstuhl sitzend vor seinem Turm »Tour Magdala« aufgebahrt. An seinem Leichnam vorbei zogen nicht nur zahlreiche Trauergäste aus der Region, sondern auch Gläubige aus Spanien, Italien, Deutschland, Österreich und Portugal.

Saunières Haushälterin Marie Denarnaud überlebte ihren Herrn um viele Jahrzehnte. Und führte das unaufgeregte Leben einer sehr vermögenden Grundbesitzerin. Saunière hatte ihr bereits zu Lebzeiten allen Besitz in Rennes-le-Chateau überschrieben. Wer auch immer versuchte, sich das Vertrauen der ehemaligen Haushälterin zu erschleichen – Fehlanzeige! Auch über ihre Lippen kam kein Wort. Nur einen Hinweis soll sie gegeben haben: »Die Bewohner Rennes-le-Chateaus wandeln auf purem Gold. Es ist genug, um alle in dem Ort 100 Jahre lang aufs Beste zu kleiden und zu ernähren und selbst dann wäre noch eine gehörige Menge übrig.«

Von dem Geheimnis von Rennes-le-Chateau hat sich übrigens auch der amerikanische Bestseller-Autor Dan Browns inspirieren lassen. Sein Thriller »Sakrileg« steckt voller Anspielungen auf die mysteriösen Geschehnisse in dem südfranzösischen Dorf – ohne jedoch den Namen des Ortes zu nennen. Und nicht erst seit Dan Browns Buch strömen immer wieder Esoteriker, Schatzsucher und Hobbydetektive an den Fuß der Pyrenäen, um vielleicht weitere Schätze zu bergen. Der Bürgermeister musste die Buddelei schließlich unterbinden. Die Gegend um das Dorf ähnelte zwischenzeitlich einem Schweizer Käse. Überall Löcher und unzählige Tunnel – doch leider kein Schatz.

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