Mysteriös: 40 Schiffswracks verschwunden

Der große Wrack-Klau




SchiffswracksWeltweit verschwinden immer mehr alte Schiffswracks gesunkener Kriegsschiffe des Zweiten Weltkrieges. Dass kleinere Teile der Schiffe oder etwa Besitztümer der ertrunkenen von Tauchern geplündert wurden, war und ist keine Seltenheit, aber das ganze Schiffswracks vom Meeresboden verschwinden ist ein Novum. Mittlerweile werden weltweit etwa 40 bekannte Schiffswracks aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges vermisst. Aber, wer stiehlt schon alte Schiffswracks von Kriegsschiffen? Die Erklärung ist so verblüffend wie einleuchtend!  

Die Niederlande traf es am Schlimmsten. Vor vierzehn Jahren entdeckten Taucher vor der Küste Indonesiens drei Wracks der niederländischen Marine. Eine Sensation, denn diese Schiffe wurden seit 60 Jahren vermisst. Die »Hr. Ms. Kortenaer«, »Hr. Ms. Java« und das 170 Meter lange Flaggschiff »Hr. Ms. De Ruyter« sanken allesamt während einer dramatischen Schlacht am 27. und 28. Februar 1942 mit Japan in der Javasee. Diese Seeschlacht hat für die Niederländer eine ganz besondere Bedeutung. Es war der letzte große Kampf der Kolonialmacht Niederlande, der verloren ging und sich als nationales Trauma festsetzte. »Die Schlacht in der Javasee ist Teil unseres kollektiven Gedächtnisses«, betonte deshalb auch die Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert. „Die Wracks sind stumme Zeugen dieses tragischen Ereignisses.«

Zuerst sank der Kreuzer Java, nur wenige Augenblicke später trafen mehrere Torpedos die Munitionskammer der De Ruyter – benannt nach Admiral Michiel de Ruyter, dem größten Seehelden der Niederlande. So schnell wie möglich wurde das Schiff aufgegeben und trotzdem nahm es 334 Mann mit in die Tiefe. Unter den Opfern befand sich auch der niederländische Admiral Karel Doormann. Er weigerte sich, das sinkenden Flaggschiff zu verlassen.

Schiffswracks
Von dem Wrack des 170 Meter langen Flaggschiffs »Hr. Ms. De Ruyter« fehlt fast jede Spur am Meeresgrund.

Am 75. Jahrestag der verlorenen Seeschlacht wollten nun niederländische Taucher eine Gedenktafel an den Wracks anbringen. Die niederländischen Hobbytaucher hatten die untergegangenen Schiffe zufällig bei einem Tauchgang am 1. Dezember 2002 in einer Tiefe von knapp 90 Metern entdeckt. Die Taucher waren entsetzt, als sie feststellten, dass die Schiffe fehlten, einfach nicht mehr da waren. Gespenstisch war die Tatsache um so mehr, als dass die Abdrücke der riesigen Wracks immer noch am Meeresboden zu sehen waren. Die drei Wracks waren das Grab von mehr als 1.000 Matrosen, die mit ihren Schiffen ihr nasses Grab in der Java-See fanden.

Kein Einzelfall

Vom großen Wrack-Verschwinden sind nicht nur niederländische Schiffe betroffen. Auch britische Kriegsschiffe sanken in der Javasee, wie beispielsweise die »HMS Exeter«, die »Encounter« und die »Electra«. Auch hier ist, bis auf wenige Teile am Meeresboden, kein Spur mehr zu finden. Zudem wurde bereits 2014 entdeckt, dass die Wracks der riesigen britischen Schlachtschiffe »Repulse« und »Prince of Wales« an Dimension unnatürlich stark abgenommen hatten. Ein Mysterium! Taucher allein hätten dies niemals bewerkstelligen können. Man untersuchte das und stellte fest, dass allein in Asien 40 Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg bis auf wenige Reste verschwunden sind. Die Schiffe waren das Grab von mehr als 4.500 Seemännern. Und: Die Dunkelziffer der verschwundenen Schiffe liegt wohl noch weit höher. Da auch die japanische Marine in diversen Schlachten unzählige Schiffe verlor, müsste man deren Aufenthaltsort auf dem Meeresboden überprüfen. Laut Experten handelt es sich dabei um Hunderte von Schiffen.

James Hunter gehörte zu den Tauchern, die die dem Guardian eine ganze Reihe Unterwasserfotos geschickt haben. Er und seine Kollegen entdeckten, dass vom Rumpf der »Perth« nur noch schätzungsweise 30 Prozent existierten. »Ich bin seit 20 Jahren auf diesem Gebiet tätig und habe noch nie gehört, dass ein 8000 Tonnen schwerer Stahlrumpf komplett entfernt wurde. Ich konnte es nicht glauben“, sagte er dem Guardian gegenüber in einem Interview.

Das Metall ist quasi Gold wert

Doch wer stiehlt hier komplette alte und verrostete Kriegsschiffe. Beobachter fotografierten über den Standort diverser gesunkener Schiffe große Kranschiffe – auf Decke riesigen Mengen verrosteten Stahls. Ein Rätsel, denn wer betreibt einen derartigen Aufwand, um verrostetes Altmetall vom Meeresboden nach oben zu befördern. Das Bergen bzw. Plündern ist eine immens kostspielige Angelegenheit, das in keiner Relation zum erzielenden Gewinn steht. Es war laut Bergungsexperten völlig wahnwitzig und ökonomisch sinnlos alte Schiffswracks zu plündern, um korrodierten Stahl zu gewinnen. Andere Wracks, die viel neueren Datums waren, blieben dabei unbehelligt. Was also ging hier vor? Des Rätsels Lösung kam alsbald: Das Metall der gesunkenen Kriegsschiffe ist weit wertvoller, als der Stahl moderner Schiffe. Und das liegt wiederum am Alter der Schiffe. Diese Schiffe würden nämlich vor der Erfindung und Nutzung der Kernspaltung hergestellt. Die Wracks gelten als hervorragende Rohstoffquelle für »Low Background Steel«, also Stahl mit einem fast zu vernachlässigenden Anteil an radioaktiver Strahlung. Derlei Material wird für wissenschaftliche und medizinische Geräte dringend benötigt.

Wie kommt die Strahlung in den Stahl?

Alles begann am 16. Juli 1945 um 5:29:45 Uhr mit dem »Trinity-Test«. Der Trinity-Test (englisch für Dreifaltigkeit) war die erste jemals durchgeführte Kernwaffenexplosion. Diese Explosion wurde im Rahmen des »Manhattan-Projekts« durchgeführt. Dieser Test, die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie den unzähligen Kernwaffentests während des Kalten Kriegs stieg die Strahlenbelastung der Luft weltweit an. Und Stahl produziert man vor allem unter Zuwendung von Frischluft – entweder über die Bessemerbirne oder dem Linz-Donawitz-Verfahren. Beide Verfahren benutzten Luft, die natürlich mit Feinstäuben verunreinigt sind. In diesen Feinstäuben befinden sich auch heute Radionuklide wie Cobalt-60, die dem Stahl eine schwache radioaktive Strahlung bescheren.

Die vom Menschen erzeugte Radioaktivität erreichte im Jahr 1963 ihren Höhepunkt, nämlich 0,15 mSv/a über der natürlichen Radioaktivität. In dem Jahr wurde der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser unterzeichnet.

Hat Ihnen die Geschichte gefallen? Dann teilen Sie diese doch mit Ihren Freunden. Sie haben Anregungen zum Thema? Wunderbar! Dann nichts wie los und kommentieren Sie, was das Zeug hält!

Lust auf mehr Wissenschaft, Technik und Geschichte im Krimi- und Thriller-Format? Dann werfen Sie doch einen Blick auf Meine Thriller oder Über mich, den Thriller-Autor.

Thriller




Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*