Der sechste Sinn beim Hund?!

Hundehalter wussten es schon immer – ihre geliebten Vierbeiner haben einen sechsten Sinn. Wie sind ansonsten Fälle erklärbar, bei denen Hunde über hunderte Kilometer ihren Frauchen und Herrchen gefolgt sind, ohne den Weg vorher jemals gegangen zu sein. Oder jene Hunde, die immer ganz genau wissen, wann ihr Mensch nachhause kommt, obwohl sie ihn weder hören noch sehen können. Und dann gibt es noch Exemplare, die anscheinend in der Lage sind, Naturkatastrophen zu erfühlen. Doch reden wir Hundebesitzer uns das vielleicht auch nur ein. Gibt es wissenschaftliche Beweise für einen sechsten Sinn? Und wenn ja, wie sieht denn dieser denn wirklich aus? Wissenschaftler sind dem Phänomen des sechsten Sinnes bereits seit einiger Zeit auf der Spur. Und erste Ergebnisse lassen ganz andere Schlüsse zu – Hunde orientieren sich, wie viele andere Tiere auch, an elektrischen und magnetischen Signalen. Also doch nur alles rationale Wissenschaft und nicht der sechste Sinn?

Gelesen und gehört hat man es schon öfter – die Rede ist vom sprichwörtlichen sechsten Sinn. Die uns allen bekannten fünf Sinne sind Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Und tatsächlich haben wir diese Sinne mit dem Hund und vielen anderen Tieren gemein – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Diese Sinne sind bereits seit dem Altertum bekannt. Doch in letzter Zeit hat die moderne Wissenschaft Belege erbracht, dass es noch weitere Sinne gibt. Die sollen Tiere in die Lage versetzen, Dinge anders wahrzunehmen – denken wir dabei nur an den Ultraschall der Fledermaus.

Sheldrakes morphische Felder

Umstrittener Vorreiter im Bereich der Forschung um den sechsten Sinn bei Tieren und speziell bei Hunden ist der britische Biologe und Autor Rupert Sheldrake. Bereits in den 1980er Jahren machte er mit einer These auf sich aufmerksam, die bis heute in der Wissenschaft mehr als umstritten ist. Den Effekt, dass Hunde, die bereits unruhig wurden, wenn ihr weit entfernter Besitzer sich nachhause aufmachte bzw. nur daran dachte oder das Heimfindevermögen, erklärte er mit sogenannten morphischen Feldern. Diese besondere Art von Feld würde laut Sheldrakes Theorie Angehörige sozialer Gruppen, wie die eines Hunderudels, miteinander verbinden – ähnlich einem unsichtbaren Gummiband. Wie gesagt, die Theorie ist umstritten und wissenschaftlich derzeit nicht nachgewiesen. Nur wenige Wissenschaftler folgen seine Thesen und fordern eine umfassende Untersuchung die Überprüfung seiner Forschung und Thesen.

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Biologe und Autor Rupert Sheldrake glaubt an ein unsichtbares morphisches Feld zwischen Mensch und Tier. © by Zereshk

Dennoch …

Neuerdings bemühen sich Biologen um eine Re-Definition des Begriffes sechster Sinn und sie sehen dabei die Fähigkeit von Tieren elektrische oder magnetische Umwelteinflüsse bzw. entsprechende Reize  wahrzunehmen, und für sich zu nutzen. Eigentlich ein alter Hut: Bereits in den 1960ern wurden Zugvögel dahingehend untersucht, wie sie sich bei ihren langen Flügen von Kontinent zu Kontinent orientierten. So ganz dahinter gekommen ist man heute der Thematik immer noch nicht, aber eines scheint sicher: Sie nutzen ihren Magnetsinn. Nicht wenige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich bestimmte Moleküle in der Netzhaut der Vögel befinden, die den Magnetismus der Erde wahrnehmen.

Bei Tauben etwa vermutet man eisenhaltige Sinneszellen im Schnabel und bei Regenbogenforellen entdeckten Wissenschaftler erst vor kurzem Magnetsinneszellen in der Riechschleimhaut. Aber auch Meeresschildkröten, Fledermäuse, Haie oder Bienen etwa orientieren sich bei ihren Reisen am Magnetfeld der Erde. Sogar unsere Rinder sind vor dem Magnetfeld nicht sicher: 2008 kam eine Studie heraus, die behauptete, dass Rinder vorwiegend in Nord-Süd-Richtung grasen.

Und der Hund?

Eine Meldung ließ im Jahre 2014 die Hundefreunde aufhorchen: Zoologen der Universität Duisburg-Essen (UDE) hatten in Zusammenarbeit mit der Tschechischen Agraruniversität Prag beobachtet wie nicht angeleinte Hunde ihr Geschäft bevorzugt mit einer Körperausrichtung entlang der magnetischen Nord-Süd-Achse machten. Die Forscher glichen dabei ihre Daten mit dem natürlich schwankenden Erdmagnetfeld ab und kamen tatsächlich immer wieder auf die gleiche Ausrichtung. Heißt das, dass unsere geliebten Vierbeiner  einen Sinn für das Magnetfeld der Erde haben? Die Ergebnisse deuten darauf hin. Wäre dem so, ließe sich auch das »unerklärliche« Heimfindevermögen der Hunde erklären.

Aber ist alles mit einem neuen sechsten Sinn beim Hund erklärbar? Natürlich nicht. Hunde sind hervorragende Beobachter mit einer extrem leistungsfähigen Nase. Sie erschnüffeln ganz genau, was wir vorhaben – je nachdem welche Hose wir anhaben. Ob es das Kleidungsstück ist, welches wir im Garten, zum Sonntagsspaziergang oder für die Gassirunde tragen.

Und das Verhalten von Hunden kurz vor einer Naturkatastrophe wie einem Erdbeben oder Vulkanausbruch? Auch das ist erklärbar: Hunde nehmen Aerosole wahr, die aus dem Erdinneren emporsteigen und erspüren mit ihren Tastbaren selbst kleinste Vibrationen. Auch ihr ausgezeichnetes Gehör kommt ihnen zugute. Sie hören wesentlich differenzierter und vielmehr als wir Menschen. In jüngster Zeit diskutiert die Wissenschaft sogar, dass Hunde in der Lage sein sollen Infraschall wahrzunehmen, also Frequenzen unter 16 Hz. Wenn dem so wäre, hätte man damit eine Erklärung dafür gefunden, warum sie auf viele Naturphänomene wie Lawinen, Erdbeben, Vulkanausbrüche etc. mit einem veränderten Verhalten, z.B. Flucht, reagieren. Denn Infraschall breitet sich über große Entfernungen aus.

Vieles bleibt offen und ungeklärt

Hunde sind Universalgenies – von dem eingeschränkten Sehvermögen einmal abgesehen. Sie besitzen Fähigkeiten, die uns Staunen und verblüfft zurücklassen. Ob es sich dabei um den sechsten Sinn handelt, sei einmal dahingestellt. Eines ist jedoch sicher: Je genauer wir unsere vierbeinigen Begleiter beobachten, desto mehr können wir von ihnen lernen. Zudem ist es sehr wichtig ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Fähigkeiten auch auszuleben.

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