Die Anti-Drohnen-Krieger kommen

dedrone-drone-drugs-300Die Sicherheitsbehörden sind alarmiert: Drohnen überfliegen Atomkraftwerke, kreuzen den Luftraum landender Passagierflugzeuge, spionieren Unternehmen aus oder werden zum Schmuggeln von Drogen benutzt – die Liste ließe sich endlos fortführen. Doch damit soll nun Schluss sein – die Anti-Drohnen-Krieger rücken an, um den missbräuchlichen Gebrauch von Drohnen ein für alle Mal ein Ende zu setzen!

Heute Nacht würden diese Bastarde ihr blaues Wunder erleben; heute Nacht würden Francois und seine Kollegen endlich zurückschlagen! Francois sitzt angespannt vor dem Überwachungsterminal des französischen Atomkraftwerkes Civaux in Poitou-Charentes und beobachtet konzentriert den Luftraum. Winzige Schweißtropfen haben sich auf seiner Stirn gebildet, er umfasst die Maus seines Rechners derart fest, dass sich seine Knöchel weiß abzeichnen. Anspannung pur! Der Sicherheitschef der Atomanlage legte seine Hand beruhigend auf die Schulter des jungen Kollegen. Er weiß, unter welcher Anspannung er steht- ihm geht es ähnlich.

Seit ungefähr sechs Wochen fallen sie meist nachts oder am frühen Morgen über das AKW her, immer am selben Wochentag. Manchmal kommen sie einzeln, aber vor vierzehn Tagen waren es plötzlich vier Stück auf einen Schlag. So schnell, wie die Drohnen kommen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Keine Chance für die örtliche Polizei und den Werksschutz des Atommeilers, die Quelle des Angriffs herauszufinden. Doch ab heute sind sie nicht mehr schutzlos den unheimlichen Attacken ausgeliefert sein. Heute Nacht würde der »Rapere«-Schutzschild seinen Dienst aufnehmen. Ein durchdringendes Geräusch reißt den Sicherheitschef aus seinen Gedanken. Es ist so weit. Francois blickte ihn an. »Vier Drohnen im Anflug auf den Meiler! Richtung drei Uhr.«

»OK, dann wollen wir es diesen Idioten ein für alle Mal zeigen. Legen Sie los«, gibt der Sicherheitschef von sich. Francois betätigt den Startknopf. Nur Augenblicke später schießen fünf Abwehrdrohnen aus gut versteckten Abschussrampen in die Höhe und eilen den Angriffsdrohnen entgegen – völlig autark, ohne dass ein Pilot sie steuern, muss. Im Kontrollzentrum des Atommeilers herrscht angespannte Stille, keiner der Anwesenden wagt zu atmen. Zu viel hängt vom Erfolg dieser einzigartigen Abwehrmaßnahme ab. Keine dreißig Sekunden später haben sich die »Rapere«-Abwehrdrohnen über den angreifenden Flugobjekten positioniert. Sie schütten ihre tödliche Fracht über den Angreiferdrohnen ab. Die Metallfäden verheddern sich sofort in den Rotoren der angreifenden Drohnen und bringen sie zum Absturz. Angriff abgewehrt! Die Anspannung Kontrollzentrum entlädt sich in einem gewaltigen Jubel. Der Sicherheitschef zieht sich zufrieden zurück. »Das werden sie sobald nicht wieder versuchen!«

Anti-Drohnen-Krieger
Drohnen sind heutzutage so leistungsfähig, dass sie auch für kriminelle Zwecke verwendet werden können. © Dedrone

Science-Fiction? Keineswegs!

Was wie aus einem Thriller klingt, ist Realität! Ende des Jahres 2014 wurden insgesamt sieben Überflüge von Drohnen über französische Atomanlagen registriert. Kein Kavaliersdelikt, sondern eine mehr als kriminelle Handlung, die französische Behörden in die Nähe terroristischer Aktivitäten rückten. Sie rechnen fest damit, dass Drohnen in sehr naher Zukunft mit Sprengkörpern ausgerüstet werden könnten, um diese dann nach Kamikaze-Art über den AKWs kontrolliert zum Absturz zu bringen. Eine einzelne Drohne, auch mit Sprengstoff bestückt, stellt eine nur geringe Gefahr für ein Atomkraftwerk dar. Der gezielte Angriff mehrerer Drohnen hingegen mit insgesamt mehreren Kilo Sprengstoff könnte ein Atomkraftwerk in eine brenzlige Situation bringen. Zwar sind zivile Drohnen, die in der Lage sind mehrere Kilogramm Sprengstoff zu transportieren eher selten, aber trotzdem per Internet bereits erhältlich. Beispiel Drohne HT-8 C180: Diese Drohne ist in der Lage eine Nutzlast von 2,6 Kg zu transportieren und das bei einer maximalen Geschwindigkeit von 55 Km/h. Als Flugzeit gibt der Hersteller bis zu 20 Minuten bei voller Beladung an.

Doch nicht nur Atomkraftwerke sind gefährdet. Luftfahrtexperten warnen vor dem lebensgefährlichen Eingriff von Hobby-Drohnenpiloten in den Luftverkehr und das aus gutem Grund: Dem Piloten der US Airways-Maschine steckt der Schrecken noch heute in den Knochen, wenn er an die brenzlige Situation vor wenigen Monaten denkt. Bei guter Sicht und perfekten Bedingungen wollte er gerade zum Landeanflug auf den Tallahassee Regional Airport in Florida ansetzen, als er plötzlich aus heiterem Himmel ein kleines Flugobjekt neben sich entdeckte. Eine Drohne schwirrte extrem dicht neben seinem Flugzeug, sodass der erfahrene Pilot glaubte, damit zu kollidieren. Auf einer Tagung nur wenige Tage später berichtete der amerikanische Drohnen-Spezialist Jim Williams dem erstaunten Publikum einer Tagung über diesen Zwischenfall. »Die Drohne flog nur wenige Meter an der Passagiermaschine vorbei, es hätte durchaus zu einer dramatischen Katastrophe kommen können, hätte es der Drohnenpilot gewollt.« Williams ist Leiter des Büros für unbemannte Flugzeuge bei der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA). Bei einer nachträglichen Untersuchung des Flugzeugs wurde kein Schaden nachgewiesen, auch der schuldige Drohnenpilot konnte bislang nicht ermittelt werden. Doch dieser Fall lenkte die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden und der Öffentlichkeit auf die gewaltigen Herausforderungen, vor denen die Luftfahrt in Nordamerika angesichts der rapide voranschreitenden Drohnen-Kommerzialisierung bald stehen könnte.

Die Gefahr ist existent

Schon seit längerer Zeit warnen Experten nicht nur vor der unbedarften und leichtsinnigen Benutzung von Hobby-Drohnen im Sinne eines »Lausbubenstreiches«. Vielmehr ist es die latente Terrorgefahr, die den Sicherheitsbeamten weltweit Sorgen macht. Den Ball ins Rollen brachte eine Situation, als bei einem Wahlkampfauftritt der Bundeskanzlerin im vergangenen Jahr, wie aus dem Nichts plötzlich eine 40 cm lange Drohne auftauchte und nur wenige Meter vor Angela Merkel abstürzte. Auf der Bühne ebenfalls anwesend – Verteidigungsminister Thomas de Maizière, die beiden sächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lämmel und Arnold Vaatz, sowie Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Nicht auszudenken, wenn die Drohne mit Sprengstoff bestückt gewesen wäre. Jüngstes Beispiel – Japan! Hier brachten Unbekannte eine handelsübliche Drohne über dem Sitz des japanischen Ministerpräsidenten zum Absturz. Pikantes Detail – die Drohne war leicht mit Cäsium radioaktiv verseucht!

Die deutschen Sicherheitskräfte sind alarmiert und beschäftigen sich »mit möglichen Gefahren, die von Drohnen oder auch Modellflugzeugen im Zusammenhang mit der Planung von Anschlägen« ausgehen, bestätigt Behördensprecher Jens Beismann gegenüber dem FOCUS. Ursprünglich als Spielzeug gedacht, nur wenige hundert Euro teuer, sind die Apparate tatsächlich High-Tech-Geräte mit enormem Droh- und Angstpotenzial. Seit dem Jahre 2012 gibt es eine Analyse der Abteilung »Polizeilicher Staatsschutz« mit der Bezeichnung »Gefährdung durch mögliche terroristische Nutzung von Modellflugzeugen/Drohnen« mit dem Stempel »VS – Nur für den Dienstgebrauch«. Hierin bestätigen Experten das zerstörerische Potenzial von Drohnen, die mit Bomben oder Sprengstoff bestückt sind. Die gezielte Steuerung von Drohnen mit Minibomben oder Sprengstoff mit Aufschlagzündern in Passagierflugzeuge oder Flughäfen ist den Ermittlern zufolge ein durchaus denkbares Szenario. Denkbar seien ebenfalls Angriffe auf Ziele in bewohnten Gebieten, auf Menschenansammlungen und Gebäude.

Von der deutschen Polizeigewerkschaft gibt es ebenfalls warnende Töne. So ist Rainer Wendt, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft, der Überzeugung, dass es eine massive Sicherheitslücke im Bereich der Abwehr von Zivil-Drohnen mit terroristischen Absichten gibt. Der Einsatz von Störsendern bei Großveranstaltungen wäre Wendt zu Folge zwar möglich, aber wenig sinnvoll. Das gesamte Mobilfunknetz würde dadurch lahmgelegt werden. Derzeit gibt es laut Wendt keinerlei wirkungsvolle Gegenmaßnahmen, um Menschen bei Großveranstaltungen vor Drohnen-Attacken zu schützen.

Der Kampf hat begonnen!

Frankreich hat als Erstes den Kampf gegen die Drohnen aufgenommen. Die Überflüge über insgesamt vier französische Atomanlagen seinen ein »Alarmsignal« und krimineller Akt erklärte das französische Generalsekretariat für Verteidigung und nationale Sicherheit (SGDSN). Die Behörde beauftragte die nationale Forschungsagentur damit, technische Möglichkeiten zu entwickeln, mit denen Drohnen ausgemacht und abgefangen werden können. Dazu stehen erst einmal eine Million Euro zu Verfügung. Und einen Prototypen gibt es mittlerweile auch schon – »Rapere«, so die Bezeichnung des Drohnenabwehrsystems. Die neue Super-Drohne verfügt über insgesamt 12 hochauflösende Kameras und kann per Knopfdruck gestartet werden. Das weitgehend autarke System sucht den Himmel ab und erkennt automatisch andere Drohnen. Die Steuerung durch einen Piloten ist dabei nicht notwendig. Rapere ist angeblich schneller und wendiger als alle bislang auf dem Markt angebotenen »Hobby-Drohnen«. Wie hoch tatsächlich die Geschwindigkeit sein wird, unterliegt derzeit noch der Geheimhaltung. Das extreme Tempo und die enorme Wendigkeit wurden erreicht, in dem man das Gewicht der Drohne stark verringerte. Das geht natürlich auf Kosten der Flugzeit – maximal zwei Minuten kann die Abwehr-Drohne in der Luft bleiben. Genug, so meinen die Experten der nationalen Forschungsagentur, um den Feind vom Himmel zu holen. Und das erreicht Rapere mit einer einfachen Methode ohne jeglichen Hightech-Schnickschnack: Rapere setzt sich über die Angreifer und lässt eine spezielle Schnur auf diese herablässt, die sich in den Rotoren verfängt und so die Drohne zum Absturz bringt. Nach getaner Schlacht kehrt Rapere wieder zur Basisstation zurück, um dort aufgeladen zu werden.

Ein Laser holt Drohnen vom Himmel

China kommt mit einer brachialeren Methode daher – ein spezielles Laserabwehr- und Erkennungssystem wurde bereits erfolgreich gegen kleinere Drohnen getestet. Die Laserwaffe verfügt über zwei Kilometer Reichweite und ist in der Lage verschiedene Drohnen per Datenbank mit geballter Rechenpower binnen fünf Sekunden nach ihrer Lokalisierung abzuschießen.

Die Entwickler von der »China Academy of Engineering Physics (CAEP)« in Kooperation mit der »China Jiuyuan Hi-Tech Equipment Corp« sind von ihrem System mehr als überzeugt. »Das Abfangen von Drohnen ist in der Regel der Job von Scharfschützen oder Kampfhubschraubern. Leider ist die Erfolgsquote in Sachen Abschuss nicht so hoch, wie es wünschenswert wäre, da es oft Fehler in der Genauigkeit gibt«, erklärte Yi Jinsong, ein Manager der China Jiuyuan Hi-Tech Equipment Corp.

Das Laserabwehrsystem – Projektname unbekannt – soll diese Ungenauigkeiten ein für alle Mal beseitigen. Es soll angeblich Drohnen bis zu 500 Metern Flughöhe und einer Geschwindigkeit bis zu 50 km/h aufs Korn nehmen können und diese dann immer noch binnen weniger Sekunde, zu einem Klumpen Plastik verdampfen können. In einem unlängst durchgeführten Test mit der Laservorrichtung wurden angeblich über 30 Drohnen erfolgreich abgeschossen. Die Wissenschaftler gaben an, dass die Erfolgsquote bei 100% liegt.

Drohnen-Schutzschilde – die passive Lösung!

Neben der Eliminierung eindringender Drohnen durch Laser oder Abwehrdrohnen gibt es einen riesigen Markt für Drohnenerkennungssysteme. Beispiel »DroneTracker« des deutschen Herstellers Dedrone: Dabei handelt es sich um eine Hightech-Multi-Sensor-Anlage zum erkennen moderner ziviler Drohnen. Das intelligente System erkennt Drohnen in einem Umkreis von 100 m und löst Alarm aus, wenn ein Sicherheitsabstand unterschritten wird. DroneTracker erkennt Drohnen bei Tag und Nacht und ist völlig unabhängig von einer umgebenden Geräuschkulisse. Großer Vorteil der deutschen Lösung: Das zu überwachende Gebiet ist durch ein Zusammenspiel mehrerer DroneTracker beliebig erweiterbar. Das robuste Design schützt den DroneTracker vor Umwelteinflüssen und gewährleistet einen wartungsfreien Betrieb über einen sehr langen Zeitraum. Wird eine Drohne im gesperrten Luftraum entdeckt, löst das System Alarm aus – beispielsweise per Mail oder App. »Dann können die Sicherheitskräfte handeln«, schreibt Dedrone auf seiner Website, »und z.B. Rollläden herunter lassen, geschmuggelte Waren sichern oder Personen schützen«.

Anti-Drohnen-Krieger
Anti-Drohnen-Schutzschilde sollen sicherheitssensible Anlagen vor Spionage und Angriffen schützen. © Dedrone

Wer sich in den eigenen vier Wänden vor Drohnen schützen möchte, dem sei »Cyborg Unplug« ans Herz gelegt. Dabei handelt es sich um einen modifizierten WLAN-Router, der seine Umgebung permanent und rund um die Uhr verdächtigen Daten-Paketen scannt. Entdeckt es dabei Datenpakete, die von einer Drohne, Datenbrille oder sonst einem zur Überwachung tauglichem Gerät stammen, warnt es den Betreiber. Auf Wunsch kann der Scanner auch die Kommunikation der fliegenden Spione stören.

Auch eine Möglichkeit – Drohnen-Hacking

Neben dem Identifizieren und Deaktivieren von feindlichen Drohnen gibt es noch eine dritte Möglichkeit, sich gegen Drohnen zu wehren: Sie lassen sich hacken. Im Dezember 2014 demonstrierte der amerikanische Hacker Samy Kamkar sein Projekt »SkyJack«. Ihm war es gelungen, die unter Hobbypiloten sehr beliebte und günstige Parrot AR.Drone mithilfe einer anderen Drohne zu kapern.

Um dies zu erreichen, stattete Kamkar seinen eigenen Quadrocopter mit einem Raspberry Pi Minicomputer und diversen WLAN-Transmittern aus. Eine Software erkannte dabei die Signale anderer Drohnen im Umkreis. Dies funktioniert aus dem Grund, da jede Drohne wie jedes andere netzwerkfähige Geräte eine individuelle MAC-Adresse besitzt. Somit ist SkyJack in der Lage die Drohnen identifizieren, aus ihrem Netzwerk werfen, anschließend in das eigene Wlan aufnehmen und somit letztendlich steuern.

»Die Leute denken, alles sei erlaubt«

»Die Lage hat sich in eine moderne Version des Wilden Westens verwandelt, wo die Leute denken, alles sei erlaubt«, so ein maßgeblicher Verantwortlicher bei der AUVSI – der internationalen Industrie- und Handelsgruppe »Association for Unmanned Vehicle Systems International«. Hier schätzt man, dass weltweit bis zum Jahr 2020 jährlich 160. 000 Drohnen verkauft werden. Bleibt nur zu hoffen, dass dabei die Drohnenabwehrsysteme genauso rasant in ihrer Verbreitung und Leistungsfähigkeit wachsen. Denn eines ist klar Drohnen in den Händen gefährlicher Fanatiker oder einfach nur unbedarfter Menschen sind eine gefährliche Waffe, die unser Leben gefährden.

»Was wir brauchen sind keine strengeren Gesetze. Die Gesetzeslage ist ausreichend und ermöglicht die Bestrafung der Drohnen-Piloten mit Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro oder bei gefährlichen Eingriffen in den Luftraum mit einhergehender Gefährdung von Leben von bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe. Das Problem ist vielmehr, der Piloten habhaft zu werden. Und das ist auch der Grund, weswegen ich für eine Art Drohnenführerschein, ähnlich einem Waffenschein, plädiere. Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, jede Drohne mit einem Transponder auszustatten, um diese eindeutig zu identifizieren«, so Prof. Dr. Elmar Giemulla, seines Zeichens Professor für Verwaltungsrecht an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, sowie Honorarprofessor für Luftrecht an der Technischen Universität Berlin.

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