Die Kunst der Verschlüsselung

VerschlüsselungKryptographie gibt es seit Menschengedenken. Die Kunst der Verschlüsselung und Entschlüsselung zur geheimen Informationsübermittlung oder dem Verstecken von brisanten Informationen faszinierte Menschen seit jeher. Und: Manche Codes sind so gut, dass deren Inhalte bis heute ein Rätsel darstellen, dem selbst moderne Computer nicht habhaft werden können. Angefangen bei der Diskos von Phaistos über die Beale-Chiffre, dem vermeintlichen Hinweis auf einen sagenhaften Goldschatz bis in unsere Tage mit den mysteriösen Botschaften des Zodiac-Killers.

Geheimnisse sind so alt, wie die Menschheit und schon früh wurden Möglichkeiten und Wege gefunden, wertvolle Informationen vor anderen Menschen geheim zu halten. Eines der ersten Verschlüsselungsverfahren überhaupt ersannen die alten Ägypter: Man scherte einem Sklaven das Haupt bis auf die Kopfhaut und schrieb auf diese einen hieroglyphischen Text, wartete dann ab, bis die Haare wieder nachgewachsen waren, und schickte dann den Sklaven mit der geheimen Botschaft los. Eine clevere Idee, die jedoch leicht zu knacken war. Dennoch, einige der Codes aus alter Zeit bis hinein in unsere neuere Zeitgeschichte haben ihr Geheimnis bis heute für sich behalten und warten darauf entschlüsselt zu werden.

Verschlüsselung

Der Diskos von Phaistos

Im Juni 1908 fand der italienische Archäologe Luigi Pernier im Rahmen einer Grabung in der Palastanlage von Phaistos auf Kreta eine merkwürdige Scheibe aus Ton mit einem Durchmesser von 16 Zentimetern. Auf beiden Seiten der Scheibe befinden sich 242 Zeichen, die jeweils in 61 Kästchen gruppiert und spiralförmig angeordnet sind. Sie stellen unter anderem Menschen, Tiere Werkzeuge und Pflanzen dar. Seit mehr als 100 Jahren untersuchen nun Wissenschaftler diese seltsame Urschrift der Kreter. Nach wie vor ist der Text nicht entschlüsselt, von der Frage nach dem Zweck und Ursprung der Scheibe einmal ganz zu schweigen. Ebenso ungeklärt ist, wie die richtige Leserichtung der Zeichen ist. Manche Wissenschaftler bezweifeln mittlerweile sogar, dass es sich bei den Zeichen auf der Scheibe überhaupt um eine Schrift handelt. Das Besondere an der Scheibe ist, dass die mysteriösen Zeichen anscheinend mit einem Stempel in den frischen Ton gedrückt wurden, ehe sie in den Ofen zum Brennen wanderte. Somit ist die Diskos von Phaistos das mit Abstand älteste Druckwerk der Welt – 3000 Jahre vor Johannes Gutenberg.

Das Voynich-Manuskript

Es war im Jahre 1912, als ein Mann Namens Wilfrid Michael Voynich in der Bibliothek eines Ordensgenerals – dem Mondragone-Kolleg – der Jesuiten zufällig ein merkwürdiges Schriftstück in die Hände bekam. Der Text des Buches war in einer unbekannten Schrift geschrieben und die Abbildungen zeigten Motive aus Botanik, Anatomie und Astronomie. Seit vielen Jahrzehnten versuchen Amateure wie auch Profis, darunter renommierte Codeknacker aus dem Zweiten Weltkrieg, den Text zu entschlüsseln – bisher vergebens. Da man den Text nicht zu entschlüsseln vermag, um auf den Inhalt zuzugreifen, ist die Altersbestimmung des Buches nicht ganz einfach. Um dennoch eine vage Aussage zum Alter des Manuskripts treffen zu können, zog man die Abbildungen zu rate und analysierte beispielsweise Kleider und Haartrachten, was in Anbetracht der Qualität der Zeichnungen keine einfache Aufgabe war. Dennoch kam man zu dem Schluss, dass das Buch zwischen 1450 und 1520 entstanden sein dürfte. Dies bestätigten auch Untersuchungen des Papiers und der Tinte, die 2009 durch Institute in Chicago durchgeführt wurden. Über den Inhalt des Voynich-Manuskripts gibt es jedoch noch immer keinerlei neue Erkenntnisse. Fachleute sind sich aber einig, dass es bedeutend sein muss, da es absolut ungewöhnlich ist, dass ein komplettes Buch im 13. Jahrhundert komplett verschlüsselt wurde.

Linear A – die Geheimschrift der Kreter

Bei den Linearschriften handelt es sich um stark vereinfachte Formen einer Bilderschrift, bei der die Bildzeichen zu einfachen Strichen stilisiert wurden – deshalb auch die Bezeichnung Linearschriften. Benutzt wurden die Linearschriften zwischen 1700 und 1500 v. Chr. auf Kreta, wobei es zwei verschlüsselte Schriften – Linear A und Linear B. Gefunden wurden die Tontäfelchen mit den außergewöhnlichen Schriftzeichen im Jahre 1878 durch des britischen Archäologen Sir Arthur Evans. Es dauerte bis ins Jahr 1952, um zumindest eine der Schriften, und zwar Linear B, zu entschlüsseln. Dies gelang dem britischen Architekten und Sprachforscher Michael Ventris. Bei den Texten handelte es sich hauptsächlich um Notizen zu Wirtschaft und Verwaltung des damalig mächtigen Mittelmeerinselstaates. Die Erfolgsstory setzte sich allerdings nicht mit Linear A fort. Bis heute ist es nicht möglich, die Informationen der Linear A-Tontäfelchen zu dechiffrieren. Man nimmt ebenfalls an, dass es sich bei den Linear A-Informationen um Informationen aus Wirtschaft und Verwaltung handelt. Sicher ist dies jedoch nicht, denn warum hätte man für diese Informationen eine viel stärkere Chiffrierung verwenden sollen. Waren die Informationen sehr viel sensibler?

Die Beale-Chiffre – eine Schatzkarte?

Es ist eine jener Geschichten, welche die Phantasie der Menschen anheizt und zu wildesten Spekulationen verleitet. Im Jahre 1885 veröffentlichte der amerikanische Verleger James Ward aus Lynchburg eine 23 Seiten umfangreiche Broschüre. Hierin wird erzählt, dass sich ein gewisser Thomas J. Beale im Jahre 1820 in dem “Washington Hotel” für eine paar strenge Wintermonate einmietete. Er war ein schweigsamer Mann, der nicht viel über sich preisgab. Zwei Jahre später zog Beale erneut in das Washington Hotel und vertraute dem Hotelbesitzer Robert Morris eine abgeschlossene Kiste an, mit der Bitte verbunden, sie für ihn aufzubewahren. Beale tauchte nie wieder auf, woraufhin Morris die Kiste 1845 öffnete. In der Kiste befanden sich drei mit Zahlen verschlüsselte Botschaften sowie eine unverschlüsselte Nachricht. Diese besagte, dass Beale während der Büffeljagd Gold und Silber gefunden hatte, und zwar in sehr großer Menge. Die drei durch Zahlenkolonnen chiffrierten Texte sollen angeblich die genaue Position des Schatzes enthalten. Ein Freund des Hotelbesitzers Morris vertraute nach dessen Tod sich seinem Freund dem Verleger Ward an, der die Geschichte inklusive der Chiffren veröffentlichte. Bis heute sind die Texte nicht vollständig dechiffriert. Seit über 100 Jahren versuchen immer wieder Menschen die Chiffren zu entschlüsseln – bislang ohne Erfolg.

Der Dorabella-Code

Sir Edward Elgar geboren am 2.Juni 1857 und gestorben am 23.2.1934 in Worcester, war ein für seine Zeit bekannter britischer Komponist und exzentrischer Zeitgenosse. Neben der Leidenschaft für Musik faszinierten in Rätsel, Codes und Zahlen über alle Maße. Am 24. Juli 1897 schickte er seiner Briefbekanntschaft, der zwanzig Jahre jüngeren Dora Penny, einen Brief und legte diesmal einen Zettel mit kryptischen Zeichen bei. Die chiffrierte Botschaft bestand aus lediglich drei Zeilen mit insgesamt 87 Zeichen aus 20 verschiedenen Zeichen. Diese muteten auf den ersten Blick wie verschiedene Varianten des Buchstabens E an und stammten aller Wahrscheinlichkeit aus einem Geheimalphabet mit 24 Buchstaben. Miss Penny war irritiert und nicht in der Lage, den Brief zu dechiffrieren. Elgar weigerte sich zeit seines Lebens, auch nur ansatzweise Auskunft über den Inhalt der Chiffre zu geben. Bis heute konnte der Code nicht geknackt werden.

Der Chaocipher-Code

John F. Byrne (1880 – 1960), seines Zeichens irischer Erfinder und enger Freund des berühmten Schriftstellers James Joyce war von der Möglichkeit Informationen zu chiffrieren stets fasziniert. 1918 erfand er eine Verschlüsselungsmaschine, der er den Namen „Chaocipher“ gab. Das System war leistungsfähig und seiner Zeit immens weit voraus. Trotz der Möglichkeiten der Chaocipher versuchte Byrne mehr als 40 Jahre vergebens, diverse US-Behörden dafür zu gewinnen, sein System einzusetzen. Die Maschine war so klein und kompakt, dass sie locker in eine Zigarrenkiste passte. Um die Leistungsfähigkeit seines Systems zu unterstreichen, setzte er eine Belohnung für jeden aus, der seine Verschlüsselungsmethode knacken würde. Niemandem gelang dies. Bis zu seinem Tode weigerte sich Byrne auch nur die kleinste Information zum verwendeten Algorithmus preiszugeben. 2010 spendete seine Familie seine Hinterlassenschaften dem National Cryptologic Museum in Fort Meade (USA), wodurch der Algorithmus erstmals öffentlich gemacht wurde.

Die Shugborough-Inschrift

Codes und Chiffren müssen nicht immer ganze Bücher füllen, es geht auch anders, wie eine der mysteriösesten Chiffren überhaupt beweist – die Shugborough-Inschrift. Dabei handelt es sich lediglich um eine Folge von acht Zeichen, die an einem Haus im englischen Staffordshire eingraviert sind. Genauer gesagt, befinden sich die ominösen acht Buchstaben auf einem Relief aus dem 18. Jahrhundert. Bereits Charles Darwin und Charles Dickens sollen sich vergeblich bemüht haben, hinter das Geheimnis der acht Buchstaben zu kommen. Eine der vielen Hypothesen lautet, dass die Zeichenfolge „UOSV“ als “Josef” zu lesen sei, und auf den biblischen Propheten verweisen soll. Andere hingegen gehen einen Schritt weiter und vermuten hinter der Botschaft einen Verweis auf den heiligen Gral und den Schatz der Templer. Spekulationen, die bis heute weder bestätigt noch widerlegt werden konnten. Die mysteriösen acht Buchstaben werden ihr Geheimnis wohl weiter für sich behalten.

Die D’Agapeyeff-Chiffre

Im Jahre 1939 veröffentlichte der russischstämmige britische Kartograph Alexander D’Agapeyeff ein Grundlagenwerk zum Thema Verschlüsselungstechnik. Es trug den Titel „Code and Ciphers“ (Codes und Chiffren). Am Ende des Buches fand der Leser eine Zahlenreihe, die er als Motivation und Herausforderung an alle Codeknacker beilegte. Komischerweise fand sich in allen zukünftigen Auflagen diese Beigabe nicht mehr. D’Agapeyeff behauptete später, er habe vergessen, wie er sie verschlüsselt habe und deshalb nicht mehr beigelegt. Bis heute ist es nicht möglich, die Zahlenkolonnen zu entziffern.

Der Zodiac-Code

Der „Zodiac-Killer“, so das Pseudonym eines Serienmörders in den USA, ermordete im Raum San Francisco zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 fünf Menschen, zwei weitere Opfer überlebten glücklicherweise. Bis heute konnte die Identität des Serienmörders nicht ermittelt werden. Schon vor seinen Taten, so stellte sich später heraus, sandte der Serienkiller bizarre Briefe an die Lokalredaktion namhafter Zeitungen im Raum San Francisco. Der Inhalt bestand aus verschlüsselten Texten. Den Namen Zodiac gab er sich selbst und spielte dabei immer auf das Zodiak-Symbol an, welches er in seinen Briefen benutzte. Bis heute sind die Briefe nur zum Teil entschlüsselt. Immerhin konnte durch die teilweise Dechiffrierung der Briefe ermittelt werden, dass der Zodiak-Killer insgesamt 37 Morde begangen hatte. Welche schrecklichen Einzelheiten noch zu Tage treten werden, wird wohl erst nach der kompletten Dechiffrierung in Erfahrung zu bringen sein. Auch nach den vielen Jahrzehnten seit der Taten, beschäftigen sich eine Vielzahl von Codeknackern weltweit mit dem Zodiac-Code, um die Identität des Psychopathen ein für allemal zu ermitteln.

Kryptos

Im Hauptquartier der CIA, in Langley (Virginia), empfängt den Besucher eine mit Buchstaben überzogene Skulptur aus Stein und versteinertem Holz – „Kryptos“ so der Name des Objektes des amerikanischen Künstlers James Sanborn. Seit der Einweihung des Kunstobjektes im November 1990 gibt es zahlreiche Spekulationen über die codierten Botschaften auf der Skulptur. Immerhin: drei der insgesamt vier Botschaften sind bereits entschlüsselt. Die Skulptur besteht aus insgesamt zwei Hälften. Auf der einen Hälfte der Skulptur befinden sich 865 Zeichen. Die andere Hälfte der Skulptur schließt eine sogenannte Vigenère-Verschlüsselung mit ein. Das Einzige, was Sanborn zur Chiffre preisgab war die Tatsache, dass die Skulptur ein Rätsel in einem Rätsel enthält. Und dieses kann nur dann gelöst werden, wenn die kompletten vier Teile der Chiffre dechiffriert sind. Bis dato sind drei der vier Teile der Chiffre gelöst. Das Gesamträtsel wartet jedoch noch immer darauf, gelöst zu werden. Hieran arbeiten die Kryptologen und Analytiker der CIA, NSA und des FBI gleichermaßen – quasi als sportliche Herausforderung.

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