Leichenhandel – ein Multi-Millionen-Dollar-Geschäft

LeichenhandelIm Land der unbegrenzten Möglichkeiten entsteht ein neuer Markt – der Handel mit Leichen bzw. Leichenteilen. Zwar ist der in Sachen Organspenden streng reguliert, es gibt jedoch eine Grauzone – die Körperspende zu Lebzeiten an die Wissenschaft bzw. Medizin. In diesem Umfeld existieren keinerlei Regularien. Einmal gespendet steht einer kompletten Verwertung des Körpers nichts mehr im Wege. Und nirgendwo lassen sich Körperteile so gut zu Geld machen, wie in den USA. Die Branche setzt mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Jahr um. Eine einzige Leiche in ihre Einzelteile zerlegt und verkauft bringt es auf rund 250.000 Dollar. Und das ist erst der Anfang – Leichenhandel, ein boomendes Geschäft!

Jim Rogers ist ein cleveres Kerlchen mit einer brillanten Geschäftsidee. Mittels aggressiver und zweifelhafter Vertretermethoden mischte er den Markt für Körperspenden auf. Der Amerikaner schaffte es binnen weniger Jahre mehr als 100.000 Menschen davon zu überzeugen, dass diese ihren Körper nach dem Tode an sein Unternehmen »Science Care« spendeten bzw. dies tun, wenn es soweit ist. Okay, gesetzwidrig ist das in den USA nicht, aber ist es moralisch? Jedenfalls nicht, wie Jim Rogers und seinen Mannen angegangen es handhaben. Sie suggerierten den Spendern, dass sie der Wissenschaft einen wertvollen Dienst erweisen. Dazu Rechtsexperte Ray Madoff in einem Interview mit Reuters: »Wir haben diese romantische Idee, dass die Welt besser wird, wenn wir unseren Körper spenden. Sie sehen nicht, wie Firmen diese Körper benutzen, um ihren Profit zu steigern.«

Und natürlich geht Science Care rechtlich korrekt vor. Trotzdem wirkt es sehr unseriös, wie die potentiellen Spender über den Tisch gezogen werden. »Die Familien wissen einfach nicht, dass ein Körper einen ungeheuren Wert hat«, sagt Rob Montemorra, ehemaliger Leiter der Abteilung für Betrug im Gesundheitswesen des FBIs. »Da verdient jeder Geld, außer den Menschen, die das Rohmaterial liefern.«

Eine einzige Leiche bringt es auf rund 250.000 Dollar - ein boomendes Geschäft! Klick um zu Tweeten

Menschliches Gewebe ist ein heiß begehrter Rohstoff. Dies hat zur Folge, dass ein weltweiter Markt entstanden ist, der zunehmend aus den Fugen gerät. Die mehr als dreißig Körperteile, die sich aus den toten Körpern transplantieren lassen, werden handelt wie andere Rohstoffe auch. Eine moralisch durchaus ehr fragwürdige Praxis.

Der Geldfaktor

Und dann wäre da noch der Faktor Geld. Man überzeugt die Spender mit dem Argument, dass es natürlich eine gute Tat sei, die zudem der hinterbliebenen Familie auch noch sehr viel Geld sparen würde. Stichwort Beerdigung! Wie auch in Deutschland ist in den USA eine Beerdigung ein teures Unterfangen, und kostet im Schnitt rund 7.000 Dollar.

Leichenhandel
Eine einzige Leiche in ihre Einzelteile zerlegt und verkauft bringt es auf rund 250.000 Dollar. Und das ist erst der Anfang – Leichenhandel, ein boomendes Geschäft!

Ist die hinterbliebene Familie oder der jeweilige Lebenspartner nicht gerade reichhaltig mit Geld gesegnet, ist die kostenlose Entsorgung der Leichname durch Science Care eine große Erleichterung und nicht selten sehr willkommen. Rogers und seine Firma lassen die nicht verwertbare Körperreste einäschern und übergibt diese dann inklusive Urne an die Familie.

McDonalds als Vorbild

Rogers führte industrielle Standards ein, um das Handling mit Leichenteilen zu organisieren. Eine Vorgehensweise, die bis dato nicht gehandhabt wurde. Und dabei hatte der Science Care-Gründer Rogers ein Vorbild, man mag es kaum glauben – MacDonalds! Das Fast Food-Unternehmen begeisterte Rogers in Sachen Qualitätssicherung und Effizienz. »Wenn du einen Big Mac bekommst, schmeckt er wie ein Big Mac, egal ob du in Louisiana oder San Francisco bist«, so  Qualitätssicherungsdirektor John Cover von Science Care in einem Fernsehinterview im Rahmen der Fernsehserie »The Body Trade« gegenüber Reuters Investigativ.

Der Mensch als Rohstofflieferant

Eines der wichtigsten Merkmale seines Unternehmens ist laut Rogers die Beschaffung der Körper, denn nur mit genügend Körpern kann man auch genügend Umsatz respektive Gewinn erzielen. Dazu hat Science Care ein regelrechtes Netzwerk zwischen Bestattungsunternehmen, Krankenhäusern und Hospizen aufgebaut. Und dieses Netzwerk dient nur einem Zweck – die gezielte Ansprache von Kranken und deren Angehörigen, um diese in Sachen Körperspende zu überzeugen. Und das Netzwerk funktioniert: 2016 »sammelte« das Unternehmen insgesamt 5.000 Körperspender ein – Tendenz steigend. Das hat dramatische Folgen: Staatliche Institutionen verzeichnen einen spürbaren Rückgang an Körperspenden. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, den Markt abzugrasen.

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