Der Albtraum für Doping-Jäger




Gen-DopingKaum eine Leistungssportart kommt heutzutage mehr ohne Doping aus – ob Radsport, Leichtathletik oder Biathlon (die Liste ließe sich beliebig fortsetzen), überall tauchen immer wieder verbotene Substanzen zur Leistungssteigerung bzw. -optimierung auf. Gestern dopte man mit EPO, heute ist Blutdoping an der Tagesordnung und morgen? Experten sind sich einig: Die Zukunft der künstlichen Leistungssteigerung liegt in den Genen. Dem Gen-Doping gehört die Zukunft!

Die Olympischen Winterspiele stehen wieder vor der Tür. 2018 versammelt sich die olympische Sportlerelite, diesmal im südkoranischen Pyeongchang.  Und da sind sie wieder, die dunklen Wolken, die wie bei jeder sportlichen Großveranstaltung dem Enthusiasmus des sportbegeisterten Publikums einen Dämpfer verpassen. Doping! Und zunehmend findet man in der Berichterstattung der Presse einen Terminus, der sich erst vor wenigen Jahren als Schreckensgespenst der Doping-Fahnder etabliert hat – die Rede ist vom Gen-Doping.

Doping der Zukunft – Gen-Doping

Die Zukunft gehört dem Gen-Doping – darin sind sich die Experten einig. Und es wird die Leistungsmanipulation in eine neue Dimension katapultieren. Den Dopingnachweis zu führen dürfte sehr schwierig bis nahezu unmöglich werden. Doch ist Gen-Doping überhaupt schon ein Thema? Dazu Prof. Dr. Mario Thevis, Professor für präventive Dopingforschung und forensischer Chemiker (GTFCh) am Institut für Biochemie / Zentrum für präventive Dopingforschung der Deutschen Sporthochschule Köln: »Gen-Doping ist spätestens seit der Einführung dieser Manipulations-Möglichkeit und -Methode in die Verbotsliste der Welt Anti Doping Agentur (WADA, 2003) ein Thema und wird seither intensiv untersucht. Während es zunächst Befürchtungen gab, dass Dopingkontroll-Laboratorien hier nahezu chancenlos sein würden, haben sich sowohl hinsichtlich der Nachweisbarkeit klassischer Gentherapie-Verfahren als auch neuerer gentherapeutischer Ansätze wie z.B. RNA-Interferenz sehr gute Optionen aufzeigen lassen.«

Gen-Doping

Beim Gen-Doping wird die Erbsubstanz des menschlichen Körpers verändert und dazu dauerhaft gebracht, von sich heraus leistungssteigernde Substanzen zu produzieren. Der menschliche Gen-Pool bietet aber noch mehr Möglichkeiten. Eine besteht darin, den Körper noch leistungsfähiger zu machen, indem man das Eiweiß Myostatin deaktiviert. Dieser Eiweißbaustein hemmt normalerweise den Muskelaufbau ab einer bestimmten Grenze. Ohne dieses Gen würden alle Muskeln des Menschen theoretisch immer weiter wachsen. Dass dies keine Horror-Spinnerei ist, haben kürzlich Forscher der John Hopkins Universität in Baltimore demonstriert. Sie schalteten genau dieses Gen bei einer Maus aus, die daraufhin viermal so viel Muskelmasse entwickelte, wie ein normales Tier.

Wir stehen noch am Anfang

Erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Gen-Doping, als ein Leichtathletiktrainer sich bei einem spanischen Sportarzt nach Repoxygen erkundigte und dies publik gemacht wurde. Normalerweise wurde diese Substanz für Patienten entwickelt, die unter Blutarmut (Anämie) leiden. Bei Verabreichung von Repoxygen soll die Produktion des körpereigenen Hormons Erythropoietin (EPO) gesteuert werden. EPO dient dazu, die Gesamtzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) nach oben zu treiben, um so eine größere Menge Sauerstoff im Blut transportieren zu können. Das ist für Spitzensportler äußerst interessant, da mit steigender Anzahl der roten Blutkörperchen die Ausdauerleistung des Athleten gesteigert wird. Das Ganze funktioniert allerdings nur, wenn die Information, wie EPO synthetisiert wird, in den Kern von Muskelzellen eingeschleust wird und im Körper des Athleten ein bestimmtes Gen aktiviert ist. Erst dann tritt eine selbstregulierende und aktive Wirkung ein, sobald der Körper eine Sauerstoffunterversorgung im Blut feststellt. Glück für die Doping-Fahnder und potentiell interessierten Athleten: Die Substanz kam nie über den Tierversuch hinaus. Ob es ab er bereits konkrete Fälle von Gen-Doping gibt, ist schwer zu sagen. »Man kann nicht ausschließen, dass bereits heute Genmanipulation im Sport stattfindet. Die biotechnologischen Möglichkeiten sind gegeben und bei hinreichend großen finanziellen Mitteln und gleichzeitig niedrigen Hemmschwellen ist es nicht nur theoretisch möglich, auf genetischer Ebene die Leistungsfähigkeit eines Sportlers zu beeinflussen. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich gentherapeutische Verfahren der ersten Generation auch in klinischen Bereichen nur sehr beschränkt als einsetzbar beweisen konnten, so dass deren Missbrauch inzwischen als besonders unwahrscheinlich gelten könnte. Dagegen muss man der RNA-Interferenz große Aufmerksamkeit widmen, da hier mehr und mehr Erfolge in Therapien verbucht werden«, erläutert Thevis.

Unkalkulierbare Risiken

Gen-Doping gefährdet das Leben der Sportler auf unkalkulierbare Art und Weise. Nebenwirkungen sind bis dato nicht bekannt, da Gen-Doping noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen steckt. Dennoch: Da Myostatin das Wachstum aller Zellen im Körper regelt, ist zu vermuten, dass nicht nur Muskeln unkontrolliert wachsen. Aller Wahrscheinlichkeit könnte es zu Krebserkrankungen, Deformierungen und einem kompletten Organversagen kommen. Und: Der Doping-Effekt und die damit einhergehenden Nebenwirkungen können nicht einfach mal eben so gestoppt werden, da ja das Erbgut des Sportlers verändert wurde. Gen-Doping ist nicht nur für den Sportler ein unkalkulierbares Risiko – es könnte sogar die biologische Sicherheit unserer Gesellschaft gefährden.

Gen-Doping ist ansteckend!

Gefährden EPO, Anabolika, Wachstumshormone und Eigenblutbehandlungen lediglich das Leben und die Gesundheit des entsprechenden Athleten, der diese verbotenen Substanzen und Methoden anwendet, könnte Gen-Doping auch Unbeteiligte massiv in Gefahr bringen. Schuld daran sind die sogenannten Genfähren, die nichts anderes sind als Viren. Sie haben lediglich eine Aufgabe – den Transport des modifizierten Erbmaterials in den menschlichen Organismus. Um einen derartigen Transfer erfolgreich zu gestalten, sind 100 Milliarden bis 100 Trilliarden Viren notwendig, die aber trotz ihrer Menge, bequem in eine Spritze passen. Ansich eine »saubere« Sache, da die Viren vor dem Gen-Transport unschädlich gemacht werden, sich also nicht mehr vermehren können. Klappt das jedoch nicht bzw. ist es skrupellosen Dopern egal, die im Verborgenen, fernab jeglicher medizinischer Kontrolle agieren, gibt es ein massives Problem für unbeteiligte Personen. War ein Mensch schon einmal mit den entsprechenden Virusvarianten infiziert, die als Gen-Fähren benutzt werden, trägt er immer noch dessen Vermehrungselemente in sich. Die Viren mit der Fährenfunktion und neuen Erbinformation könnten sich dann auch in diesem Körper ansiedeln und vermehren – es würde ein neues, scharfes Virus entstehen. Im Extremfall holt man sich die neuen Erbinformationen, wie einen Schnupfen! Ein wahrer Albtraum auch für Doping-Jäger und Juristen. Kein Mensch könnte mehr auseinanderhalten, wer gedopt oder sich nur infiziert hat. Experten vermuten, dass der Einbau modifizierter Gene in das Erbgut von Sportlern noch in weiter Ferne liegt. Dennoch, die Gefahr besteht und wird die Sportwelt früher als befürchtet erreichen.

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