Die Mistel – ein zauberhafter Zweig

MistelzweigJedes Jahr hängen weltweit unzählige Mistelzweige in der Vorweihnachtszeit über so mancher Tür. Darunter stehen Pärchen, die sich mal mehr, mal weniger inniglich küssen. Diversen Erzählungen nach bleiben Paare, die dies tun, ein Leben lang zusammen. Verweigert Frau den Kuss, so wird sie der Legende nach im kommenden Jahr nicht heiraten. Doch die weißbeerige Mistel kann noch sehr viel mehr. Und: Sie ist ein wahrlich schreckliches Monster, das den Laubbäumen Wasser und Nährstoffe stiehlt. Ein Parasit par excellence.

Woher der Brauch, sich Mistelzweige in den Türrahmen zu hängen, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Fakt ist jedoch, dass bereits im Mittelalter Mistelzweige aufgegangen wurden, um böse Geister zu vertreiben. Geschnitzte Anhänger der Mistel sollten vor Erkrankungen schützen und sich positiv auf die Fruchtbarkeit bei Männlein und Weiblein auswirken. Mancher vermutete, dass hier der Brauch herkommt, dass sich Pärchen unter einem Mistelzweig küssen. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

Die Legende

Und was sagt die Legende? Folgendes: Der Mistelzweig bzw. die Mistel war der heilige Zweig der germanischen Liebesgöttin Frigga. Die wiederum war die Mutter Baldurs, dem Gott der Sommersonne. Eines Tages war Frigga sehr besorgt, als ihr geliebter Sohn von seinem nahen Ende träumte. Das besorgte Frigga so sehr, dass sie zu Luft, Feuer, Wasser, Erde und zu jedem Tier und jeder Pflanze ging. Allen rang sie das Versprechen ab, dass sie ihrem Sohne nichts tun würden. Denn: Sollte Baldur sterben, fände alles Leben auf der Erde ein jähes Ende. Gedacht hatte Frigga dabei jedoch nicht an den verschlagenen Loki – den Gott des Bösen. Und dieser Loki ausgerechnet wusste von einer Pflanze, die weder auf noch unter der Erde wuchs. Und die hatte Frigga glatt übersehen. Ein verheerender Fehler! Es war der niedrige Mistelzweig, der auf Bäumen wuchs. Loki bastelte sich aus dem Mistelzweig eine tödliche Speerspitze her. Die tödliche Waffe übergab Loki dem Wintergott Hoder, mit dem Auftrag Baldur zu töten. Er tötete ihn und das Licht im Himmel erlosch. Überall herrschte Trauer über den Tod des Sonnengottes. Drei Tage lang bemühte sich jedes Lebewesen auf der Erde den toten Baldur ins Leben zurückzuholen. Vergebens! Letztendlich gelang es jedoch Frigga. Die hatte drei Tage lang Tränen vergossen, die sich wundersamerweise in perlenartige weiße Beeren verwandelten, nämlich in die des Mistelzweiges. Die Freude war groß. Und zwar so groß, dass sie jeden küsste, der an dem Baum des Mistelzweiges vorbeikam. Die erstaunten Menschen wurden von ihren Krankheiten geheilt und genossen ewiges Leben. Und die Quintessenz? Menschen, die unter einem Mistelzweig stehen, erleiden keinen Schaden. Sie werden ausschließlich geküsst, als Zeichen der Liebe.

Die Engländer haben es kultiviert

Im 18. Jahrhundert waren die Engländer regelrecht auf den Mistelzweig versessen. Sie nannten die weißen Früchte auch »Kuss-Kugeln«. Eine Frau, die unter einem Mistelzweig steht, darf einen Kuss nicht ablehnen. Und warum der Kuss in der Neuzeit? Er symbolisierte eine Romanze, beständige Freundschaft oder Wohlwollen. Meinte man es ganz ernst und wollte den geküssten Menschen heiraten, so musste der Zweig in der zwölften Nacht verbrannt werden. Übrigens ist dieser Brauch in weiten teilen Großbritanniens auch heute noch der Brauch. Eine Regel gibt es noch: Die Anzahl der Küsse bestimmt die Anzahl der Beeren des Mistelzweiges. Diese müssen vor dem Küssen gepflügt werden. Trägt der Zweig keine Beeren mehr, findet auch das Küssen darunter ein Ende. Im Übrigen: Nicht vorgegeben ist, dass der Junge die Initiative ergreifen muss!

Mistelzweig

Die Mistel fasziniert

Von der Folklore einmal abgesehen fasziniert die Mistel den Menschen seit unendlicher Zeit, wobei das Küssen bzw. der Brauch gar nicht im Vordergrund stand. Lange Zeit sprach man der wundersamen Pflanze, die in den Wipfel der Bäume wohnte und sich von diesen ernährte, magische und geheimnisvolle Kräfte zu. Gesundheit, Fruchtbarkeit, Mut und Glück – dafür stand das Gewächs mit den weißen Perlen. Schon die alten Griechen sahen in der Mistel ein Allheilmittel gegen jede Art von Vergiftung. Unsere Vorfahren, die Germanen, benutzten die Mistel als magischen Schutz gegen alles, was so des Weges daherkam. Gern trug man Armbänder aus Mistel oder befestigte die Zweige über der Tür seines Heims zum Schutz gegen Hexen oder Geister, Feuer oder Blitzschlag. Und auch die Römer waren mit der Mistel zugange. Sie überreichten sich zu Beginn eines neuen Jahres gegenseitig Palmen, Lorbeerlaub und ebenso Misteln, um sich Glück und Erfolg für das kommende Jahr zu wünschen.

Und sonst…

Die Mistel ist ein sogenannter Halbparasit, der in den Kronen von Laubbäumen lebt. Er raubt den Bäumen Wasser und Nährstoffe, indem er seine Wurzeln in die Wasserkanäle der Bäume schiebt. Die Wirkstoffe der Pflanze sind Lektine und an Zucker gebundene Eiweiße, die nur von der Mistel produziert werden. Tatsächlich sollen diese Eiweiße eine erhöhte Aktivierung des Immunsystems beim Menschen hervorrufen. Sie versetzen den Körper in eine Art erhöhte Alarmbereitschaft, um gegen anstehende Krankheiten gewappnet zu sein.

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