Die Sonnensäule von Paris

SonnensäuleGlück gehabt, Herr Eiffel! Anstelle des weltbekannten Eiffelturms hätte Paris beinahe einen überdimensionierten Leuchtturm zur Weltausstellung im Jahre 1889 bekommen. Die gigantische, 300 Meter hohe, »Sonnensäule« sollte ganz Paris erleuchten. Das Projekt scheiterte jedoch an den gigantischen Ausmaßen der Konstruktion und den damit einhergehenden Schwierigkeiten. Dennoch ein faszinierender Plan!

 

Im 19. Jahrhundert waren Türme extrem in Mode – je höher und gewaltiger, desto besser. Die Ingenieure dieser Epoche wollten zeigen, zu was sie theoretisch imstande waren. Bereits 1833 kam der Brite Richard Trevithick auf den wahnwitzigen Plan, einen tausend Fuß hohen Turm aus durchbrochenen Gusseisen zu bauen. Daraus wurde jedoch nichts, da der Brite vorzeitig starb und die Pläne in den Schubladen der Geschichte verschwanden. Zur Weltausstellung 1876 in Philadelphia dann der nächste Paukenschlag – die Ingenieure Clarke und Reeves planen einen 304 Meter hohen Turm. Auch dieses Projekt wird niemals ausgeführt. Gigantische Türme bauen zu wollen, scheint ein schlechtes Karma zu haben. Dennoch, 1889 stellt der Ingenieur Gustav Eiffel einen 300 Metern hohen Metallturm vor. Doch der stößt zunächst auf Unverständnis und vor allem auf konkurrierende Projekte wie das der Sonnensäule von Paris. Und obwohl wir ja wissen, wer das Rennen letztendlich gemacht hat, war es zeitweise ein knappes Rennen um das Pariser Wahrzeichen, wie wir es heute kennen.

Das Rennen um den besten Entwurf

1889 wollte die französische Regierung das Jubiläum der Französischen Revolution mit einem gewaltigen Prestigebau krönen. Der damalige Präsident Jules Ferry wünschte sich ein Wahrzeichen, das die französischen Großmachtansprüche mehr als verdeutlichen sollte – ein quasi architektonisches Statement. Paris als Welthauptstadt!

Im Rahmen einer Ausschreibung wurden insgesamt 107 Vorschläge eingereicht – einer phantastischer als der andere. Darunter auch die spektakuläre Idee eines Mannes, der schon damals sehr bekannt war für seine Brücken aus Eisen – Gustav Eiffel. Er hatte die Nase vorn bei dem Ideenwettbewerb. Sein Vorschlag war der Bau eines 300 Meter hohen Turmes komplett aus genietetem Eisen, der auf vier Beinen stehen sollte.

Sonnensäule
Der Eiffelturm, das heutige Wahrzeichen Paris.

Das imposante Projekt stieß jedoch nicht nur auf Liebhaber. So protestierte ein damals namhaftes Kollektiv aus Künstlern, dass ein solcher Turm aussehen würde, wie »gigantischer Fabrikschlot mit einer barbarischen Masse«, der die historischen Wahrzeichen Paris erdrücken werde. Zudem sei der vorgestellte Turm »schwindelerregend lächerlich« und sein »hässlicher Schatten ein Tintenfleck«.

Der Sonnenturm – ein wahrer Gigant

Eiffels härtester Konkurrent war ein Entwurf des Pariser Ingenieurs Amédée Sébillot in Zusammenarbeit mit dem Architekten Jules Bourdais. Die beiden wollten nichts anderes als einen gigantischen Leuchtturm mitten in Paris bauen – den »Colonne Soleil«. Ihr Ziel war es, eine künstliche, elektrische Sonne zu schaffen, um die Nacht im urbanen Stadtraum Paris abzuschaffen. Ein wahnwitziger Plan! Der Turm beherbergte vier Aufzüge, die zweitausend Besucher in die Höhe des 300-Meter-Turms befördern sollten. Die Spitze des Leuchtturms sollte aus einer 55 Meter hohen »Sonnen-Laterne« bestehen. Zudem ersann Bourdais ein System aus Parabolspiegel auf den Dächern diverser Häuser in Paris, die dazu dienten, dass Licht in jeden noch so entlegenen Winkel der Hauptstadt zu reflektieren. Allein der dreieckige Sockel des Steinmonsters, der ein Elektrizitätsmuseum enthalten sollte, war höher als die Türme von Notre-Dame. Den hohlen Kern des Turms wollte Sébillot für wissenschaftliche Experimente nutzen. Und die Krone der Sonnensäule soll ein Ring aus Sternen sowie einer geflügelten Statue, die der Wissenschaft gewidmet ist, krönen.

Sonnensäule
Die Sonnensäule von Paris.
© Paris, musée d’Orsay/ RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski

Leider hatten Konstrukteur und Architekt das enorme Gewicht der Sonnen-Säule, die mangelnde Statik und natürlich die kolossalen Kosten unterschätzt bzw. nicht berücksichtigt. Das Projekt landete schließlich im Vergessen der Pariser Stadtgeschichte. Eiffel machte mit seinem Turm das Rennen.

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