Das Maschinengewehr Gottes

Trumps spirituelle Beraterin




Paula WhiteKennen Sie Paula White? Nein? Dann wird es aber höchste Zeit. Die blonde Mid-Agerin, von Beruf bzw. Berufung Pastorin und Multi-Millionärin mit dem gepflegten Colgate-Lächeln, ist nämlich Donald Trumps Beraterin in spirituellen Dingen. Sie selbst bezeichnet sich als internationale Evangelistin, beliebte TV-Persönlichkeit mit eigener Fernsehshow und Frau Gottes. Soweit, so nicht gut. Ihr Credo für Trump – und man ahnt, dass nun nichts Gutes kommt – lautet: »Donald Trumps ökonomischer Erfolg ist der beste Beweis dafür, dass Gott ihn segnet.« Ah, ja! Dies bedeutet, dass nur die Erfolgreichen eine warme Stelle an Gottes Herz haben. Eine gewagte These für eine Pastorin. Doch die Gute setzt noch einen drauf.

Paula White ist erst einmal Pastorin einer Kirche in Florida, was an sich ja nichts Verwerfliches ist. Man kennt die geliftete 51-jährige Blondine als sogenannte »Televangelistin«. Damit ist eine »Berufsgruppe« von Predigern gemeint, die per TV ihre ganz persönlichen Moralvorstellungen und Himmelsbotschaften verkünden – meist mit dem Ziel, kräftig Spenden einzusammeln. Und genau damit ist Paula immens reich geworden. Zudem hat die geschäftstüchtige Frau Gottes ein ganzes Imperium an Unternehmen und Internet-Startups ins Leben gerufen. Ach ja, die obligatorischen Buchveröffentlichungen darf man an dieser Stelle auch nicht vergessen. Und als wenn das alles noch nicht reichen würde, bemüht sich die »Gute« auch als Motivationstrainerin. In Sachen Glauben hängt sie der Lehre der Pfingstler an. Ihren größten Auftritt hatte Paula White während der Inauguration Donald Trumps. Hier hatte der zukünftige US-Präsident zur Amtseinführung die sechs religiösen Führer unterschiedlicher Glaubensrichtungen eingeladen, darunter auch Paula White. Und woher die gegenseitige Sympathie? Ganz einfach gesagt sind Trump und White Kinder im Geiste. Der Milliardär und US-Präsident kannte White aus dem TV. Er war wohl sehr angetan von ihren Ansichten und ließ sie dies auch wissen. Daraufhin zog die Predigerin vor 15 Jahren von Florida nach New York und kaufte erst einmal eine 3,5 Millionen US-Dollar teure Wohnung im Trump Tower. Und seither betet sie mit und für ihn (laut eigenen Angaben mehrere Stunden pro Tag). Wunderbar!

Paula White
Paula White ist Trumps spirituelle Beraterin und nicht unumstritten. © Wikimedia Commons/ Kamau360

Kohle machen mit Gott

Paula White weist eine ganz typische »Born Again«-Biografie auf. Die ist voller Brüche und endet schließlich in göttlichen Gnadenerweisen. Geboren wurde White in Mississippi. Im Alter von fünf Jahren nahm sich ihr Vater das Leben. Laut eigenen Aussagen folgten viele Jahre der »Armut, Verlassenheit, Verwirrung und Verrat«. Sie wurde von verschiedenen Männern missbraucht und fristete ein Dasein in sozialer Armut und Gefühlskälte. Und dann im Alter von 18 Jahren kam das Wunder. White wurde bekehrt, entdeckte das Christentum für sich und sie änderte ihr Leben, und zwar radikal. Nun gab es nur noch ein Ziel in ihrem Leben – das Predigen des Evangeliums. So hatte Gott es ihr mitgeteilt. Das sollte nun ihre neue Aufgabe sein. Und als fromme Christin gehorchte Paula White. Sie gründete die »Paula White Media Ministry«. Ziel dieser Organisation sollte es sein »Leben zu verändern, Herzen zu heilen und Seelen zu gewinnen«. Und das klappt ganz hervorragend. Ihre TV-Show »Paula Today« erreicht mittlerweile 2,3 Milliarden Menschen weltweit – was für eine Quote!

White und das Wohlstandsevangelium

Doch Paula White ist nicht unumstritten – wie sollte es auch anders sein. Dies betrifft besonders die »Lehre«, welche sie multimedial verbreitet. Es ist die christliche Lehre der Erfolgstheologie, auch »Wohlstandsevangelium« genannt. Dieses Evangelium lehnen jedoch fast alle christlichen Konfessionen strikt ab. Denn was Paula White und ihr Evangelium betrifft, ist alles andere als christlich. Sie und ihre christliche »Lehre« vertreten die Auffassung, dass irdischer Wohlstand, Vermögen und Erfolg im Leben im Leben ein Beweis für die Gunst Gottes ist. Und wie erlangt man die Gunst des Herrn? Ganz einfach: Ein gläubiges Leben, viele Gebete sowie ein unerschütterliches Gottvertrauen. Derlei profane Dinge, wie Armut, Arbeitslosigkeit oder Krankheit haben sich die Menschen demnach selbst zuzuschreiben. Die Betroffenen haben dann wohl im Rahmen ihrer Spiritualität etwas massiv falsch gemacht.

Die Ketzerin

Beachtlich: Obwohl in den USA eine religiöse Vielfalt zu den Grundfesten des Lebens gehört, hat man White, die in dritter Ehe mit dem Musiker Jonathan Cain von »Journey« verheiratet ist, mehrfach öffentlich als »Ketzerin« an den Pranger gestellt. Bei »wahren und echten« Christen ist besonders die Scheidungslandschaft von Paula White ein Dorn im Auge. Sogar der US-Senat leitete 2007 ein Verfahren gegen die smarte Pastorin und Televangelistin ein, jedoch ohne Erfolg – man konnte ihr nichts nachweisen. Wie könnte es anders sein – Paula White ist strikt gegen Abtreibung und Homo-Ehe. Geschätzt folgen rund 17 Prozent der amerikanischen Christen ihrer Lehre vom Wohlstandsevangelium. Viele evangelikale Kirchenführer verurteilen sie als häretisch. So beschimpfte der in den Staaten sehr bekannte christliche Bestseller-Autor Erik Erickson vor Paula Whites Auftritt an Trumps Amtseinführung: »Ich würde es vorziehen, dass an Trumps Inauguration ein Hindu betet, der nicht die Seelen der Menschen riskiert, und nicht eine Frau wie White, die den Menschen ein Leben in Luxus verspricht und sie damit in die ewige Verdammnis führt.« Dem wäre nichts hinzuzufügen.

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