Die verschwundenen Erfindungen des Nikola Tesla

tesla3Er war visionäres Genie, begnadeter Ingenieur, Wissenschaftler, Tüftler und Erfinder in einer Person vereint, dessen Ideen und Phantasien bis in unsere Zeit nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Zeit seines Lebens umgab den gebürtigen Kroaten die Aura des Mysteriösen und Geheimnisvollen. Auch der Tod Teslas im Jahre 1943 änderte daran nichts, ganz im Gegenteil. Viele seiner Patente und Ideen sind bis heute nicht auffindbar bzw. Geheimsache und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nur wenige Menschen wissen heutzutage etwas über den Menschen, der den Wechselstrom »erfand« und mehr als 100 Patente im Laufe seines Lebens anmeldete.

Nikola Tesla wurde am 28. Juni 1856 im kroatischen als Viertes von fünf Kindern geboren. Die Verhältnisse waren einfach, aber keineswegs ärmlich, so dass der junge Tesla die Möglichkeit hatte, eine solide Schulbildung zu erfahren. Nikola Tesla besuchte die Grundschule und von 1870 an das Gymnasium in Karlovac. Bereits 1875 nahm er sein »Studium Generale« an der Technischen Hochschule in Graz auf und fiel seinen Kommilitonen dadurch auf, dass er bereits im ersten Jahr überdurchschnittlich viele Vorlesungen belegte. Am 21. Juli 1876 erhielt er die Zugangsberechtigung zum Hauptstudium in Maschinenbau. Doch mit seiner Euphorie in Sachen Studium ging es stetig bergab; im dritten Studienjahr nahm er an keiner Prüfung mehr teil und wurde schließlich im Studienjahr 1877/78 wegen Nichtbezahlung des Unterrichtgeldes exmatrikuliert. Schuld daran war wohl seine Obsession für das Kartenspiel und seine Leidenschaft für Billard. Schließlich zog er nach Maribor, wo er eine Anstellung als Maschinenbauer fand. 1880 rappelte sich Tesla mit finanzieller Unterstützung seines Onkels noch einmal auf und ging nach Prag, um an der dortigen, bereits damals sehr renommierten Karls-Universität, sein Studium abzuschließen. Ob er dort erfolgreich abgeschlossen hat, ist jedoch bis heute umstritten. 1882 zog Tesla nach Paris zu Charles Batchelor, der dort eine der führenden Edison-Firmen in Frankreich betrieb, wo Tesla die neu installierte elektrische Beleuchtung am Straßburger Bahnhof betreute.

Am 6. Juni 1884 packte Nikola Tesla seine Sachen und ging nach New York, und zwar ohne jegliche finanzielle Mittel. Keine zwei Tage in New York hatte Tesla bereits einen Job in der Firma von Thomas Alva Edison. Eigentlich hätte alles perfekt laufen können, doch es kam zwischen den beiden zu Differenzen bei den Gehaltsvorstellungen, sodass Tesla das Dienstverhältnis nach weniger als sechs Monaten löste. Doch Tesla gab nicht auf: Im März des Folgejahres gründete Tesla gemeinsam mit zwei Geschäftsleuten die Firma Tesla Electric Light and Manufacturing Company mit Sitz in Rahway. Und von jetzt an ging es stetig bergauf: Bereits 1885 werden die ersten Patente, wie Teslas Bogenlampe und ein neuartiger Kommutator, beantragt und in die Firma eingebracht. Trotzdem musste die Firma Ende 1886 Konkurs anmelden, da sich die Mitinvestoren zurückzogen. Für Tesla kein Problem – zufällig lernte er den Superintendenten der Western Union Alfred S. Brown und den Anwalt Charles F. Peck kennen, die von Tesla Ideen begeistert waren und im April 1887 als Teilhaber in seine zweite Firma Tesla Electric Company einstiegen. Hier entstanden die ersten Arbeiten und Patente zum Zweiphasenwechselstrom, auf den das Unternehmen bis zum Mai 1888 sieben Patente anmeldete – unter anderem den ersten Wechselstromgenerator. Es begann Tesla kometenhafter Aufstieg in den Olymp der besten Ingenieure und Erfinder.

Tesla das Multitalent

Bekannt Tesla ist vor allem für die Erfindung des Wechsel- und Drehstroms bekannt. Tesla kann mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, der Erfinder unserer elektrotechnischen Zukunft zu sein. Ohne seinen Wechselstrom, der es erst möglich machte, elektrischen Strom über viele hunderte von Kilometern zu übertragen, gäbe es unseren Wohlstand, der auf die stete Verfügbarkeit von Energie zu jeder Tages- und Nachtzeit zurückzuführen ist, nicht.

Tesla jedoch nur auf die Erfindung des Wechselstroms zu reduzieren, wäre ein Fehler. Er, das Multitalent und verrückte Genie, ersann im Laufe seines Lebens eine Vielzahl von Erfindungen und hielt über hundert Patente, die unser Leben bis heute prägen. Tesla präsentierte bereits vor mehr als hundert Jahren mit Gas gefüllte Leuchtstoffröhren, er entwickelte Induktionsbirnen, die kein Stromkabel benötigten und dennoch leuchteten. 1898 präsentierte Tesla der Öffentlichkeit im New Yorker Madison Square Garden die zwei ersten Roboterschiffe, welche er per Funk steuerte, wovon eines sogar tauchen konnte. Nikola Tesla war ein Visionär der ersten Stunde. Er nahm die Erfindung des Raster-Elektronen-Mikroskops ebenso vorweg, wie die Entwicklung der Computertechnologie. Selbst in unserer Zeit stoßen Ingenieure, Wissenschaftler und Forscher bei ihrer Arbeit immer wieder auf Patente Teslas. 1906 entwickelte Tesla seine schaufellose Tesla-Turbine, die auf Verwirbelungstechnik aufbaut und immer noch effektiver arbeitet, als jede heutzutage gebräuchliche Turbine. 1917 ersann das Multitalent die theoretischen Grundlagen für das Radar. Keine zwanzig Jahre später wurde es vom Engländer Robert Watson-Watt in die tat umgesetzt, weshalb man diesem 1935 fälschlicherweise die Erfindung des Radars zusprach. 1928 erteilte man Tesla ein Patent auf ein Fluggerät, das den heutigen Senkrechtstartern sehr nahe kommt. Zwar sah sein »fliegender Ofen« sehr abenteuerlich aus, aber in den Grundzügen entsprach er den heutigen Hightech-Fluggeräten. Aber vor allem war Tesla auch der Erfinder des Radios. Heute liest man zwar sehr oft, dass ein gewisser italienischer Guglielmo Marconi der Erfinder sei, die ist jedoch nicht richtig. Der hinterlistige Italiener hatte sich bei Tesla eingeschlichen und wenig später einen Apparat als Patent angemeldet, der als erstes Radio in die Geschichte einging. Bereits 1893 hatte Tesla in St. Louis zum ersten Mal eine kabellose Informationsübertragung über eine Distanz von neun Metern vorgeführt. Marconi war jedoch der Erste, der das Radio kommerziell erfolgreich nutzte. Erstaunlicherweise entschied erst am 21. Juni 1943, nur wenige Monate nach Teslas Tod, der Oberste Gerichtshof der USA zugunsten von Nikola Tesla.

Teslas mysteriöses Erbe

Nikola Tesla hatte viele Ideen und Visionen, von denen die meisten nur sehr spärlich zu Papier gebracht wurden oder die auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Es sind vor allem jene Ideen und Patente, die sich mit Kriegstechnik und neuen Energieformen beschäftigen. 1935 bot der bekennende Pazifist Tesla der amerikanischen Regierung bzw. dem Militär eine mysteriöse »Anti-Kriegsmaschine« an. Hinter dieser ominösen Bezeichnung verbarg sich ein Generator, der laut Tesla in der Lage sein sollte, eine Teilchenstrahlung mit einem Durchmesser von wenigen zehntausendstel Millimetern und einer Leistung von Tausenden PS zu erzeugen. Mit Hilfe vieler solcher Generatoren sollte ein Energiewall errichtet werden, der in der Lage sein sollte, Mensch und Maschine zu zerstören, die sich bis auf eine Entfernung von 300 Kilometern diesem näherten. Ein solcher Energiewall, visionierte Tesla, stelle ein unüberwindliches Hindernis für jedwede Art von Aggression dar und sollte somit die totale Sicherheit eines Landes garantieren. Mit dieser Art der Abschreckung hoffte Tesla den Krieg ein für alle Mal auszurotten, da ein Angriff von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. Alles, was Tesla dafür benötigte war, Zeit und ein Budget von damals gewaltigen zwei Millionen US-Dollar. Die zuständigen Behörden lehnten skeptisch, da er keinerlei Details seiner Generatoren im Vorfeld preisgeben wollte – so ganz traute Tesla wohl den Militärs nicht.

Nikola Tesla in seinem Labor in Colorado Spring im Jahre 1899. ©images@wellcome.ac.uk;http://wellcomeimages.org
Nikola Tesla in seinem Labor in Colorado Spring im Jahre 1899.
©images@wellcome.ac.uk;http://wellcomeimages.org

Auch auf einen weiteren Aspekt von Tesla Ideenreichtum waren Militärs ganz erpicht – seine Forschungen zum Thema Oszillator. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts experimentierte Tesla mit mechanischen Oszillationen. Er entwickelte dabei Geräte, mit denen er langfristige und stabile Schwingungen einer bestimmten Frequenz erzeugen konnte. Eines seiner Oszillations-Experimente im Jahre 1887 hatte drastische Folgen: Tesla justierte ungewollt einen Generator auf die Eigenfrequenz seines Hauses. Nach kurzer Zeit der Inbetriebnahme fingen Wände und Gebälk an, krachende und ächzende Geräusche von sich zu geben. Als erste Gegenstände seines Labors durch die Luft flogen, beendete Tesla fasziniert sein Experiment und hatte sofort die Vision einer Ultraschallwaffe. Später äußerte er, dass er in der Lage wäre, mit einem gewaltigen Oszillator Erdbeben erzeugen, aber auch umgekehrt den Druck in tektonischen Platten zu minimieren, um dadurch Erdbeben verhindern, könnte. Auch hier heuchelten Regierung und Militärs vordergründiges Desinteresse, was sich mit dem Tode Tesla im Jahre 1943 schlagartig änderte. Jene Behörden, die sich zu Lebzeiten nicht für Tesla zu interessieren schienen, schwärmten nun im Auftrag der US-Regierung aus und beschlagnahmten alles, was auch nur ansatzweise mit Tesla zu tun hatte und hielten die Unterlagen und Geräte mehr als fünf Jahre unter Verschluss. Genug Zeit um Tesla Werk zu erforschen und zu katalogisieren. Offiziell behauptete man nach dieser Zeit, nichts von Bedeutung gefunden zu haben. 1945 schaltete sich das Luftfahrttechnische Dienstkommando in Wright Field, Ohio ein und forderte einen Großteil von Teslas Unterlagen an. Im Fokus des Interesses der forschenden Militärs standen besonders die Aspekte zum Thema Strahlenwaffen, da man hier ebenfalls an dieser Thematik forschte. Man studierte die Unterlagen akribisch und lies sie in der Versenkung verschwinden – angeblich seien die Unterlagen niemals angekommen. Seitdem sind die Papiere verschollen und keine Behörde besitzt angeblich Kopien davon. Und so oder ähnlich erging dem gesamten technologischen Erbe Teslas. Vieles aus seinem Nachlass ist bis heute verschwunden – insgesamt sollen es 87 gigantische Schiffscontainer, vollgestopft mit Material über Turbinen, Pumpen, Generatoren, Modelle und Pläne gewesen sein. Das sind Tonnen von wissenschaftlichen Material, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben und einfach, wie vom Erdboden verschwunden sind. Der klägliche Rest wurde nach Belgrad verschifft, wo man es dem Nikola Tesla-Museum stiftete. Auch aus den ehemals geheimen Regierungsdokumenten zu Nikola Tesla ist nicht viel zu erfahren. Es existieren zwar mehr als 600 Aktenseiten erstaunlicherweise ist jedoch das meiste darin geschwärzt. Wovor man solche Angst hat und was die nationale Sicherheit auch viele Jahrzehnte immer noch gefährden könnte, ist völlig unklar.

Tesla wurde am Morgen des 8. Januar 1943 im Alter von 86 Jahren im Hotel New Yorker – seinen Alterswohnsitz – tot aufgefunden. Er starb als einsamer und völlig verarmter Mann. Nikola ist bis heute so sehr in der Versenkung verschwunden, dass kaum mehr jemand seinen Namen kennt, bzw. sein Genie und Ideenreichtum in Schulbüchern Erwähnung findet.

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