Sport ist Mord – in diesem Fall sowieso!




High DivingHaben Sie schon mal etwas von »High Diving« gehört? Doch bevor Sie an dieser Stelle tiefer in die Materie eintauchen, eines vorab: NICHT NACHMACHEN! Es würde Sie mit Sicherheit ihr Leben kosten. Doch zurück zum Thema. Der Sprung vom Dreimeter-Brett im Freibad ist schon für so manch einen eine gewaltige Herausforderung. Für »High Diver« jedoch ist das gar nichts. Da zucken die noch nicht mal mit dem Auge.

San Diego, Sommer 1983 Es ist ein sonniger Tag in San Diego. Eine riesige Menschenmenge schart sich dicht an dicht um das Salzwasser-Schwertwalbecken des Freizeitparks »Seaworld«. Schwertwale gibt es heute keine zusehen, die mussten vorübergehend umziehen. Die Blicke des Publikums wandern gen Himmel, entlang einer schmalen, von Seilen gehaltenen Leiter, die bis in den strahlend blauen Himmel zu reichen scheint. Und ganz am Ende der wackeligen Konstruktion ist an der »Leiter« ein winziges Brett befestigt, nicht viel größer als eine Fußmatte. Das ist der Absprungpunkt für eine handverlesene Auswahl total Verrückter, die sich selbst »High Diver« nennen. Das Absprungbrett befindet sich in einer Höhe von knapp 52 Metern. Weltrekord! Und der soll heute unter Aufsicht von Guiness-Buch-Redakteuren bestätigt werden. Nur mal so zum Vergleich und zur Veranschaulichung der Höhe – der schiefe Turm von Pisa oder etwa das Mercedes-Benz-Hochhaus in Berlin sind niedriger, als der Absprungpunkt in San Diego. Und nur wer lebendig und aus eigener Kraft aus dem 15 Grad kalten Wasser steigt, der wird mit einem Eintrag ins Guinness-Buch belohnt. High Diving ist halt nichts für ängstliche Zeitgenossen. Im Vorjahr waren fünf Männer bereits aus einer Höhe von 51,8 Metern abgesprungen. Alle Teilnehmer wurden verletzt aus dem Becken gezogen.

High Diving

Dana Kunze – der Held der Stunde

Heute soll alles besser werden. Die Athleten sind sehr viel besser vorbereitet als noch vor einem Jahr und im Finale haben vier von ihnen bereits den Weltrekordsprung geschafft. Und dann kommt die Stunde des jungen Dana Kunze. Auf den ersten Blick wirkt der Junge wie die Figur aus einem Freak-Kabinett. Anders als seine Mitbewerber sieht er ein wenig moppelig aus, der Bauchansatz ist nicht zu übersehen, Knie und Unterschenkel sind komplett mit weißem Tape verklebt, mehrere Badehosen schützen seinen Genitalbereich und seine Nase ziert eine immens dicke Schicht Zinkoxid-Salbe.
Und trotzdem, Kunze ist mit seinen 22 Lenzen bereits Weltmeister und hat mehr Weltrekorde eingestellt, als jeder andere, der diesem Extremsport frönt.

Ein Sprung, der Geschichte schreibt

Kunze klettert die wackelige und fragile Leiter hoch – das allein wäre schon für Otto-Normalverbraucher eine schier unlösbare Aufgabe. Oben angekommen schließt er die Augen, atmete tief durch, schüttelte die getapten Beine. Dann plötzlich atmet er einige Male tief ein und aus und plötzlich hebt er ab. Er dreht einen dreifachen Rückwärtssalto, vorwärts abgesprungen. Eine immens hohe Schwierigkeitsstufe, die keiner seinen Konkurrenten auch nur annähernd in Erwägung gezogen hatte. Und Kunze landet sauber und taucht sauber ein. Das Publikum schaut bangend in das Becken. Und dann tauch der junge Mann auf und verlässt mit erhobener Faust das Becken. Das Tape an seinen Beinen ist völlig zerfleddert. Höchstnote der Kampfrichter!
Sein nachspringender Kollege Pat Picard hat weniger Glück. Er landet dermaßen unglücklich, dass er bewusstlos auf der Wasseroberfläche schwimmt. Eine Springerin aus der Frauenmannschaft springt kurzerhand ins Becken und rettet dem Kollegen das Leben.

Der Tod im Becken ist für High Diver ein ständiger Begleiter. Klick um zu Tweeten

High Diving ist nichts für Weicheier. »Ich habe über die Jahre zehn Freunde verloren«, sagte einmal Dana Kunze in einem Interview gegen über dem Spiegel. Und trotzdem würde er es immer wieder machen. Heute ist der wagemutige Springer ein Mann im gestandenem Mannesalter, aber sein Rekord hat immer noch Bestand.

High Diving – ohne Regelwerk kein Rekord

Viele High Diver haben im Laufe der Zeit versucht, den Rekordsprung Kunzes einzustellen – jedoch ohne Erfolg. So beispielsweise im Jahre 1987: Da versuchte Olivier Favre einen Sprung aus 53,9 Metern. Er überlebte den Sprung mit einem Bruch eines Rückenwirbels. Er konnte nicht aus eigenem Antrieb heraus das Becken verlassen. Zudem trug er – entgegen der High-Diving-Regeln – einen Neopren-Anzug und Schuhe. Also kein neuer Rekord.
2015 ein neuer Versuch. Der Schweizer Laso Schaller wagte einen Sprung aus 58,8 Metern Höhe, ebenfalls Schutzkleidung sowie einem Helm, von einer Felsenklippe. Auch er wurde mit mehreren Bänderverletzungen aus dem Wasser gezogen. Regelbruch in gleich mehreren Punkten!
1980 sprang der deutsche Stuntman Wolfgang Köpke von der Golden Gate Bridge aus einer wahnsinnigen Höhe von 75 Metern. Tragischerweise geriet der Deutsche in Schräglage und schlug unkontrolliert auf. Er starb sofort.

Die großen, medial wirksamen High Diver-Wettkämpfe waren Anfang der neunziger Jahre vorbei. ABC als übertragender Sender und Sponsor hatte sich aus dem Geschäft zurückgezogen.

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