Fliegende Windkraftwerke

Windkraftwerke

Es sieht aus, wie das Ding aus einer anderen Welt – eine Mischung aus Schwimmreifen und Zeppelin, dessen Sinn sich nicht unbedingt sofort ergibt. Der Aha-Effekt stellt sich erst ein, wenn man den Propeller erkennt, der in der Mitte des Gebildes hängt. Es ist eine fliegende Windturbine, eine neuartige Form von Windkraftwerk, das in naher Zukunft einmal in einer Höhe von 600 Metern fliegen und dabei soviel Energie erzeugen soll, um eine durchschnittliche Kleinstadt mit Energie zu versorgen.

Auch wenn es uns die stürmische Großwetterlage der letzten Wochen anders gezeigt hat – der Wind in Bodennähe ist im Jahresmittel gesehen relativ schwach im Vergleich zu höheren Lagen. Herkömmliche Windanlagen, fest am Boden verankert, sind lediglich in der Lage, nur die stark schwankenden Bodenwinde zu nutzen. Zudem sind herkömmliche Windkraftanlagen bei den benachbarten Anwohnern nicht sonderlich beliebt. Die »Airbourne Wind Turbine« des amerikanischen Unternehmens »Altaeros Energies« soll diese Limitierungen auf einen Schlag beheben, indem die Windkraftanlage einfach in luftige Höhen verlagert wurde. Und es schaut nicht schlecht aus: Der Prototyp lieferte im Probebetrieb bereits jetzt schon mehr als doppelt soviel, wie eine herkömmliche Windkraft-Turmkonstruktion. Die in Lisetten im amerikanischen Bundesstaat Maine befindliche Pilotanlage erreichte eine Höhe von rund 100 Metern und konnte dort deutlich stärkere und vor allem konstantere Winde als in Bodennähe nutzen. Doch das Ende der Fahnenstange ist für die Techniker von Altaeros Energies noch lange nicht erreicht. Ihr Ziel ist es, die fliegende Windturbine auf eine Höhe von 600 Metern zu befördern, um die dort vorherrschenden stärkeren Winde zur weiteren Steigerung der Stromerzeugung zu nutzen. Selbst stattlichen Hurricanes soll die Airbourne Wind Turbine trotzen. Und sollte der Wind doch einmal zu stark auffrischen, greift ein Notfallmechanismus, der die Turbine kontrolliert Richtung Erdboden zurückgleiten lässt.

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Der Prototyp der fliegenden Windturbine bei einem Test in Alaska. © Altaeros Energies

Neben der einfachen Handhabung der fliegenden Windturbine liegt ein weiterer Vorteil der Konstruktion in seiner Einfachheit. Das Gefährt ist relativ simpel aufgebaut und besteht in der Hauptsache aus einem ringförmigen Ballon mit einem Durchmesser von rund zehn Metern, der wiederum in einem leichten Gerüst fixiert ist. In der Mitte, der mit Helium gefüllten Ballonröhre, befindet sich ein Windrad, durch das der Wind fegt und dabei den Strom erzeugt. Stabile Trossen sorgen dafür, dass die Windturbine kein Spielball der Winde wird und davonfliegt. Zudem dienen die Kabel dazu, den gewonnen Strom Richtung Erde zu transportieren.

Gedacht sind die fliegenden Windturbinen in erster Linie für entlegene Gegenden dieser Erde, in denen keine stationären Windkraftanlagen aufgestellt werden können. Aber auch Krisengebiete und Militärbasen sind potentielle Kaufinteressenten der mobilen Windkraftanlage. Das gesamte System läuft weitgehend autark, ohne dass im laufenden Betrieb Bodenpersonal notwendig wäre. Dies liegt hauptsächlich in der Tatsache begründet, dass die Airbourne Wind Turbine über eine, wenn auch nicht sehr ausgeprägte, »Eigenintelligenz« verfügt. Diese zeichnet sich vor allem dafür verantwortlich, automatische Höhenkorrekturen durchzuführen, um selbständig Wind-intensivere Lagen oder ruhigere Gefilde zu finden.

Die Idee der Airbourne Wind Turbine fasziniert durch ihre Einfachheit bei bestem Wirkungsgrad. Genau aus diesem Grund verwundert es nicht, das sich eine Vielzahl von Unternehmen derzeit mit dieser Art der Energieerzeugung beschäftigen – darunter auch die NASA, die seit 2010 an einem »Flugkraftwerk« forscht.

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