Gefahr durch Blindgänger wächst

BlindgängerFrankfurt steht vor der größten Evakuierung der Nachkriegsgeschichte. Der Grund ist die Entschärfung einer britischen Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg. Bis zu 70.000 Menschen müssen ihr Heim verlassen, wenn die Sprengstoffexperten des Kampfmittelräumdienstes das 1,4-Tonnen-Ungetüm am Sonntag entschärfen. Die Aktion soll den gesamten Tag über dauern. Generell hat man den Eindruck, dass in letzter Zeit zunehmend Blindgänger gefunden und entschärft werden. Und der Eindruck täuscht nicht, denn unter deutschen Böden lauern tickende Zeitbomben.

Rund 1,4 Millionen Tonnen Bomben warfen die Alliierten während des Zweiten Weltkrieges über Deutschland ab. Experten halten es für höchst wahrscheinlich, dass 10 bis 15 Prozent der abgeworfenen Bomben dabei nicht explodiert sind und seither als Blindgänger im Boden schlummern. Die Profis vom Kampfmittelräumdienst müssen mittlerweile bundesweit Woche für Woche ausrücken, um die gefährlichen Altlasten zu entschärfen. Und die Arbeit wird immer gefährlicher. Der Grund hierfür: Je länger die Blindgänger im Boden verharren, desto intensiver sind sie Verrottungsprozessen ausgesetzt. Das Risiko einer ungewollten Explosion steigt rapide an. Der Sprengstoff bleibt dabei meist chemisch stabil, die mechanischen Teile jedoch verrosten.

Gefahr durch Säurezünder

Die größte Sorge bereitet des Sprengstoffexperten eine ganz besondere heimtückische Waffe, nämlich Fliegerbomben mit einem chemisch-mechanischen Langzeitzünder, auch Säurezünder genannt. Nach Abwurf sollte diese perfide Bombenart verspätet – spätestens jedoch nach sechs Tagen – explodieren. Damit wollten die Alliierten eine schnelle Reparatur von Industrieanlagen verhindern. Allerdings setzte man diese Bomben auch als Terrorwaffe ein, um nach einer Bombardierung ziviler Gegenden Löschtrupps und Rettungskräfte fernzuhalten. Und die Zeitzünder dieser Bomben »ticken« bis heute.

Blindgänger
In Deutschland »schlummern« noch tausende Blindgänger. Besonders die Exemplare mit Säurezünder sind eine tickende Zeitbombe.

Säurezünder besitzen eine tödliche Mechanik: Einmal abgeworfen setzt die Bombe ein Lösungsmittel frei, das langsam eine Kunststoff-Sicherung zerfrisst. Diese Sicherung hält einen Schlagbolzen, der dann nach einer gewissen zeit durch mechanische Spannkraft auf einen Zünder schlägt. Die Bombe explodiert. Einfache Mechanik, tödliche Wirkung!

Damit eine derartige Bombe jedoch ihre tödliche Gewalt entfesseln kann, muss sie mit dem Kopf nach unten in der Erde stecken oder zumindest flach auf der Erde liegen. Doch sehr oft landeten die Bomben in weichen und morastigen Böden oder mit dem Kopf nach oben. Das Lösungsmittel ist dann nicht mehr in der Lage, die Kunststoffsicherung zu zerfressen. Gefahr gebannt? Keineswegs! Der Säurezünder arbeitet nach wie vor – nur eben sehr viel langsamer, als eigentlich geplant. Und genau hier liegt das Problem: Die Vielzahl der Säurezünder sind jetzt kurz davor auszulösen. Durchschnittlich ein- bis zweimal pro Jahr detonieren solche Blindgänger ohne eine äußere Einwirkung. »Spontandetonation« nennen die Sprengprofis so ein Ereignis.

Und in Frankfurt?

Die Bombe, welche in Frankfurt gefunden wurde, ist eine 1,8 Tonnen schwere Luftmine – Modell HC 4000. Die Alliierten warfen während des Zweiten Weltkriegs derartige Luftminen über Deutschland ab. Ziel war es mittels einer enormen Sprengkraft eine tödliche Druckwelle zu erzeugen, um größtmögliche Zerstörungen zu verursachen. Hätte die Luftmine erst einmal Fenster, Türen und Dächer von Wohngebäuden zerstört, hätten nachfolgende Bomber Brandbomben geworfen, um in den bereits beschädigten Häusern eine noch größere Zerstörung zu verursachen.

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