Giftige Vögel?!

giftige VögelOkay, giftige Pflanzen gibt es wie Sand am Meer – selbst in heimischen Gefilden. Und giftige Tiere? Die auch, wenn auch in hiesigen Breiten nicht so oft. Giftschlangen, Spinnen, Skorpione, diverse Meeresbewohner usw. gibt es in den unterschiedlichsten giftigen Ausprägungen. Nicht immer sind die toxischen Zeitgenossen der Flora und Fauna tödlich, aber einigen von ihnen sollte man tunlichst aus dem Weg gehen. Aber giftige Vögel? Gibt´s nicht? Gibt´s doch! Und die schön anzusehenden Piepmätze sind nicht ohne.

Da staunte Dr. Jack Dumbacher von der »California Academy of Sciences« nicht schlecht. Im Rahmen einer Außenmission des Biologen hatte er im Regenwald Neuguineas einige Netze aufgestellt, um darin Vögel zu zu fangen. Ziel der Mission war es, neue Arten zu finden. So weit, so gut. Zur Enttäuschung Dumbachers verfingen sich jedoch nur einige wenige Exemplare, der im Regenwald recht häufig vorkommenden Zweifarbenpitohuis. Diese nett anzuschauenden gefiederten Gesellen sind ungefähr so groß wie ein Eichelhäher und eigentlich nichts Besonderes. Man kennt sie. Als der Biologe die gefangenen Vögel befreien wollte, verletzte eines der Exemplare ihn mit dem Schnabel. Nichts Schlimmes, aber instinktiv führte Dumbacher seine kleine blutende Wunde zum Mund, um diese abzulecken. Und da passierte es: Nur kurze Zeit später bemerkte er ein starkes Brennen an Lippen und im Mundbereich. Dann stellte sich ein taubes Gefühl ein, was Dumbacher beschreibt, wie die Wirkung einer Narkosespritze beim Zahnarzt. Er war absolut verblüfft! Und dann, kurze Zeit später, tat er etwas, was nur Wissenschaftler tun würden – er leckte an der Feder eines Zweifarbenpitohuis und empfand prompt erneut dieselbe Wirkung wie nach dem Schnabelhieb. Das Interesse des Biologen war geweckt. Noch nie hatte er von Vögeln gehört, die giftig waren. Eine Sensation!

Eines der stärksten Gifte – Homobatrachotoxin

Um dem Geheimnis des Giftes auf die Spur zu kommen, begann Dumbacher die Innereien sowie das Gefieder einige Exemplare des Vogels außergewöhnlichen Vogels zu untersuchen. Und dabei kam Erstaunliches zu Tage: Im Muskelfleisch sowie im Gefieder des Vogels fand sich das Alkaloid Homobatrachotoxin. Das zählt zu den stärksten Giften, welches die Natur zu bieten hat. Seine Wirkung beruht auf der Zerstörung der Natriumkanäle der äußeren Zellmembran. Dies hat zu Folge, dass Nervenzellen nicht mehr in der Lage sind, Impulse weiterzuleiten. Muskelzellen können nicht mehr entspannen und die Opfer des starken Giftes sterben an inneren Lähmungen.

giftige Vögel
Der Zweifarbenpitohui benutzt eines der stärksten Gifte, das die Natur zu bieten hat, um sich zu wehren. © By Hooded_Pitohui.jpg: markaharper1 derivative work: Berichard (Hooded_Pitohui.jpg) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
Glücklicherweise ist die Dosis, die der Vogel abgibt, für den Menschen nicht lebensgefährlich. Man vermutet, dass der Pitohuis (so die Oberbezeichnung der Gattung) das Gift benutzt, um Schlangen abzuwehren.

Eine Frage stellt sich den Forschern rund um den Biologen Dr. Jack Dumbacher. Giftige Tiere besitzen meist Giftdrüsen, in den das Gift produziert wird. Nicht aber so beim Pitohuis. Der muss folglich auf anderem Weg an das Gift herankommen. Man vermutet, dass der Vogel das Gift über seine Nahrung aufnimmt in Form von giftigen Insekten. Ein Indiz hierfür ist die Beobachtung, dass in manchen Gebieten Neuguineas der Pitohuis über keinerlei Gift verfügt, er also völlig harmlos ist. Dort gibt es keinerlei Giftkäfer.

Und noch eine Überraschung brachte der Biologe zu Tage: Die in Südamerika lebenden und sehr giftigen Pfeilgiftfrösche verfügen über das gleiche Gift wie der buntgefiederte Kollege aus dem Dschungel Neuguineas. Ein Rätsel gilt es allerdings noch zu lesen – wie wurden der Pitohuis und auch die Pfeilgiftfrösche immun gegen das sehr starke eigene Gift?

Und bei uns?

Ok, die Urwälder Neuguineas und Südamerikas sind ja nun doch sehr weit weg – also Entwarnung in Sachen giftiger Vögel. Im Prinzip schon, aber so ganz vielleicht doch nicht! Stichwort Wildwachtel. Wachteln werden besonders in Südfrankreich und dem Balkan wegen deren zarten Fleisches geschätzt. Doch Vorsicht: Während des Zuges nach Süden verzehren die Wachteln Früchte von Giftpflanzen, ohne daran zu verenden. Es macht ihnen absolut nichts aus. Vor allem die Samen des gefleckten Schierlings, des Bilsenkrauts und des Wasserfenchels haben es den Wachteln angetan.

Brät man einen solchen Vogel und verzehrt ihn, kann es zu Symptomen wie Übelkeit, Erbrehen, Fieber, Schüttelfrost und den bereits erwähnten Lähmungen kommen. Die Bezeichnung der Vergiftung durch Wildwachtel bezeichnet man als Coturnismus und ist sehr, sehr selten. Also doch Entwarnung. Die Piepmätze in unseren bleiben bis auf weiteres ungiftig.

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