Schaudern in kleinen Dosen – »Aktenzeichen XY ungelöst«

Aktenzeichen XY ungelöst feiert seinen fünfzigsten Geburtstag

Aktenzeichen XY ungelöst»Aktenzeichen XY ungelöst« kennt heutzutage fast jeder, ist fest in der Gesellschaft etabliert und generiert nur noch selten Aufreger. Das war in den 1970ern und 1980ern jedoch ganz anders: Den Linken war Eduard Zimmermann ein Dorn im Auge, und zwar immer dann, wenn sich die Sendung in die Terrorfahndung einschaltete und man den Mitgliedern der RAF auf der Spur war. Die spätere Terroristin Ulrike Meinhof bezeichnete das Format im Rahmen ihrer Arbeit als Journalistin im Magazin »Konkret« als faschistische Jagd auf Menschen. Das tat der steigenden Popularität der Sendung jedoch keinen Abbruch.

»Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen, das ist, meine Damen und Herren, der Sinn unserer neuen Sendereihe ,Aktenzeichen XY … ungelöst‘, die ich Ihnen heute vorstellen möchte«, so begrüßte Eduard Zimmermann am Abend des 20. Oktober 1967 noch in Schwarzweiß seine Fernsehzuschauer.

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Dieser Tage feierte Aktenzeichen XY ungelöst seinen mittlerweile fünfzigsten Geburtstag. Und es ist eine wahre Erfolgsgeschichte. In insgesamt 523 Sendungen wurden 4586 Fälle dem Zuschauer vorgestellt. Davon lösten die mit ihren unterstützenden Hinweisen 1853 Kriminalfälle. Bei den 1502 Kapitalverbrechen von Mord und Totschlag gab es insgesamt 623-mal einen Fahndungserfolg der ermittelnden Behörden. Die Aufklärungsquote liegt bei über 40 Prozent – eine stattliche Bilanz!

Aktenzeichen XY ungelöst

Seit der ersten Sendung 1967 haben die Macher von Aktenzeichen XY ungelöst immer an den Zielen der Sendung festgehalten. Kein Wunder, schließlich funktioniert das Sendekonzept aufs Beste. Auch wenn die Zuschauerquoten seit Beginn der Ausstrahlung gesunken sind, zählt Aktenzeichen XY ungelöst immer noch zu den Quotenkönigen der Öffentlich-Rechtlichen. Die Sendung startete zu einer Zeit, als es lediglich ARD und ZDF gab. Keine Konkurrenz weit und breit, was zu einer sensationellen Zuschauerquote von annähernd dreißig Millionen Zuschauern führte. Dieser Tage liegt Aktenzeichen XY ungelöst bei rund fünf Millionen Zuschauern – ein immer noch sehr stattlicher Wert.

Wo Licht ist …

Ganz kritiklos ist Aktenzeichen XY ungelöst allerdings auch nicht durch die Jahre gekommen – speziell zu Beginn des Sendestarts. Immer wieder unterstellte man den Machern, dass die Sendung zur Spitzelei und zum Denunziantentum anregte. Zudem sei die Sendung ein Paradies für Voyeuristen und motiviere nicht zuletzt zur Nachahmung der gezeigten Taten an. Aus heutiger Sicht ein sehr absurder Vorwurf.

Vor wenigen Jahren kam zudem »ans Licht« (er hatte es in seiner Biographie veröffentlicht), dass Eduard Zimmermann in jüngeren Jahren selbst eine bescheidene kriminelle Karriere hatte und vier Jahre im Gefängnis verbrachte. Was war geschehen? Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete der Fernsehermittler als Hilfsarbeiter bei einem Wanderzirkus. Dort beging er diverse Diebstähle und betrieb Schwarzhandel, wie so viele Menschen in dieser Zeit. Deshalb wurde er zu einer geringfügigen Gefängnisstrafe in Fuhlsbüttel verurteilt. Zudem war Zimmermann 1949 in Lohn und Brot bei dem schwedischen Nachrichtenmagazin »Dagens Nyheter«, und dafür in der damaligen sowjetischen Besatzungszone unterwegs. Dort wurde er wegen Spionage festgenommen und zu 25 Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt. Davon verbrachte er vier Jahre in Haft und ging dann in den Westen.

Der Gruselfaktor funktioniert immer noch

Was fasziniert die Menschen an Aktenzeichen XY ungelöst? Es ist vor allem der Grusel, den die Filme im Rahmen der Sendung hervorrufen. Zwar zeigen die Einspieler nur Ansätze von ungefilterter Gewalt, das Unheimliche wird dadurch hervorgerufen, dass die Straftaten real sind.

»Du kannst nicht sagen, das hat sich ein kreativer Drehbuchautor ausgedacht. Nein, es ist wirklich passiert«, so Rudi Cerne, der den TV-Klassiker seit 2002 moderiert in einem Interview gegenüber der Aachener Zeitung. »Ich dachte immer, der Täter wird schon irgendwann zu kriegen sein«, erinnert er sich. »Dann war es schon ein Stück weit unheimlich: Wieso bringen die das nicht zu Ende, wieso wird er nicht gefasst?«

Und in der Tat, der kriminelle Horror, den Aktenzeichen XY ungelöst meist trocken und emotionslos vorstellt, ist echt.

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