Hedy Lamarr – Hollywood-Ikone und geniale Erfinderin

Hedy LamarrSie war neben Marlene Dietrich und Greta Garbo der Inbegriff einer Leinwandschönheit, machte mehr als dreißig Kinofilme und galt als überirdisch schöne Leinwand-Göttin. Exotisch, schwarzhaarig, mit verführerischen Augenbrauen, schwülstigen Lippen und sündigem Mittelscheitel, war die Lamarr die Inkarnation betörender Weiblichkeit und das Gegenbild zu all den Platinblondinen, die das Hollywood jener Jahre prägten. Doch die Lamarr war weit mehr – sie war eine geniale Erfinderin mit erstaunlicher naturwissenschaftlicher und technischer Begabung. Ihr verdanken wir beispielsweise das Mobiltelefon und Bluetooth.

Am 12. März 1997 geschah in Washington etwas sehr verblüffendes: Das Gremium der renommierten amerikanischen »Electronic Frontier Foundation« – einer Gesellschaft, die sich den Bürgerrechten im Internet verschrieben hat – verlieh ihren heiß begehrten EFF Pioneer Award. Der diesjährige Preis sollte an eine Person gehen, die das Frequenzsprungverfahren erfunden hatte. Erst diese Erfindung ermöglicht den abhörsicheren Mobilfunk, drahtlose Netzwerkverbindungen sowie das mobile Internet, wie wir es heutzutage kennen. Der Preisträger jedoch wollte nicht zur Ehrung erscheinen und schickte stattdessen einen Stellvertreter – Anthony Loder, ein Telefonverkäufer aus Los Angeles. Der bestieg das Podium und startete eine Tonbandaufnahme mit der Dankesrede des Erfinders. Und die war keine Geringere als seine Mutter und berühmte Hollywood-Diva Hedy Kiesler.

Hedy Kiesler wurde am 9. November 1914 in Wien als Tochter eines Bankdirektors und einer Konzertpianistin geboren. Obwohl sie schon in jungen Jahren die Schauspielschule besuchte, fiel sie dort nicht unbedingt durch Talent auf. Vielmehr begeisterte sie die Männerwelt vor allem durch ihr Aussehen und ungeheure Ausstrahlung. Und so bekam sie schon als 17-jährige 1931 ihre erste Filmrolle. Der Streifen »Man braucht kein Geld« an der Seite Heinz Rühmanns verhalf dem jungen Mädchen zu Popularität. Der Durchbruch kam jedoch erst zwei Jahre später mit dem für seine Zeit sehr freizügigen Streifen »Ekstase«. Selbst Papst Pius XI. strafte den Film öffentlich ab. Kein Problem für Hedy – der Film machte sie zum Sexsymbol!

Hedy Lamarr
Hedy Lamarr war weit mehr als eine Hollywood-Schönheit. © hedylamarr.org

1933 verheirateten Hedys Eltern sie mit dem 14 Jahre älteren Fritz Mandl, einem der größten Waffenproduzenten seiner Zeit, der unter anderem gute Geschäfte mit Adolf Hitler und Benito Mussolini machte. Für Hedy ein absoluter Albtraum, da der Gatte sich als ein Kontrollfetischist entpuppte, der die junge Frau rund um die Uhr kontrollierte. Zu diesem Zweck stellte er eigens eine Haushälterin an. Nach vier Jahren Ehe war Schluss – Hedy betäubte die Haushälterin mit einem Schlafmittel und flüchtete nach London. Von London nach Hollywood war es nur ein Katzensprung. Die mittlerweile den Künstlernamen benutzende Hedy Lamarr begriff schon frühzeitig, wie die Hollywood-Scheinwelt tickte, und machte sich über ihre vergängliche Schönheit nur wenig Illusionen. Zudem ertrug sie schon bald nicht mehr die scheinheilige Welt Hollywoods und wandte sich anderen Aufgaben zu.

Vom Hollywood-Star zur Wissenschaftlerin

Während des Zweiten Weltkrieges begann sie, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Dazu zählten jene Dinge, von denen sie bei ihrem Mann Mandl in Wien viel erfahren hatte – Waffentechnik! Er hatte ihr die Schauspielerei verbieten wollen, und nahm sie stattdessen mit zu Treffen mit Technikern und Geschäftspartnern: Die hochintelligente, mathematisch besonders begabte Frau saß nicht nur mit am Tisch als attraktives Anhängsel – sie hörte auch mit Interesse zu. Das kam ihr jetzt zu Gute.

1941 erfand sie gemeinsam mit dem Komponisten und Gelegenheitsjournalisten Georges Antheil ein System zur fortwährenden Frequenzveränderung, mit dem man im Krieg Funkverbindungen verschlüsselte und Torpedo-Leitsysteme aufeinander abstimmte. Diese Grundidee wird bis heute in allen Systemen moderner Telekommunikation benutzt.

1942 meldeten die beiden ihr System zum Patent an. Das US-Patent Nr. 2.292.387 für ein »Geheimes Kommunikationssystem«, das zwischen 88 Funkfrequenzen (die den 88 Tasten auf einem Klavier entsprachen) wechselte, wurde ausgestellt. Lamarr und Antheil waren Patrioten und stellten das System der US-Marine kostenlos zur Verfügung. Aber wie sooft zeigten die keinerlei Interesse. Sie trauten dem Braten nicht: Es konnte nicht sein, dass eine Hollywood-Schauspielerin und er verschrobener Komponist ein derartiges System entwickelten. Zudem lag es außerhalb ihrer Vorstellungskraft, eine Klaviatur zur Waffensteuerung zu verwenden. Erst 1957 nahm das US-Militär die Forschung auf und entdeckte dabei das Patent der Lamarr und Anteils erneut. Und so kam das Verfahren der innovativen Funktechnologie 1962 schließlich zu ersten Mal im Rahmen der Kuba-Krise zum Einsatz. Das Patent war zu diesem Zeitpunkt bereits längst abgelaufen.

Den späten Ruhm in den 80er Jahren, als der Mobilfunk die Welt eroberte, und zwar auf Basis des Frequenzsprungverfahrens, konnte die Lamarr nicht mehr genießen. Ende der fünfziger Jahre zog sich die Schauspielerin völlig aus der Öffentlichkeit zurück, verfiel einem Schönheitswahn und ließ sich mehrfach plastisch operieren. Doch die Jugend war für immer verloren! Am 19. Januar 2000 fand man die Lamarr tot in ihrem Haus in Florida. Kein Mensch kannte mehr den Namen der einst berühmten Diva und Erfinderin, der wir so viel zu verdanken haben.

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