Hightech-Straßen mit Solarmodulen




Hightech-Straßen mit Solarmodulen

Ende letzten Jahres weihte die französische Umweltministerin Ségolène Royal eine Straße der besonderen Art ein. Im beschaulichen Dörfchen Touruvre-au-Perche in der Normandie rollen zukünftig Autos über die weltweit erste Straße, die mit Solarzellen gepflastert ist. Auf der rund einen Kilometer langen Teststrecke, die aus 2800 Quadratmetern Solarmodulen besteht, möchte man Erfahrungen mit dieser neuen Art von Straße sammeln. Prinzipiell eine revolutionäre Idee, wäre da nicht der immens hohe finanzielle Aufwand.

Die sehr stabilen Solarpanels der angelegten Teststrecke sollen mehr als ausreichend Strom für die Straßenbeleuchtung des 5000-Einwohner-Seelendorfs liefern. Der Staat hat die Teststrecke mit rund 5 Millionen Euro gefördert. Und dies soll erst der Anfang sein: Royal kündigte an, den Bau von Solarstraßen in anderen Landesteilen ebenfalls fördern zu wollen. »Das ist ein Prototyp, der auch international Interesse weckt«, äußerte sich die Ministerin. »Das ist eine geniale Idee: Man nutzt Platz, der schon für etwas anderes verwendet wird, und nimmt in sehr dicht bevölkerten Ländern keine landwirtschaftlichen Flächen in Beschlag.« Im März letzten Jahres hat die Umweltministerin in Abstimmung mit der französischen Regierung den Bau von Straßen aus über 1000 Kilometer Solarmodulen innerhalb der nächsten fünf Jahre beschlossen. Eine stramme Vorgabe bedenkt man die Einwände der Kritiker von Solarstraßen.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Die Idee an sich klingt toll und warum nicht Straßen als Stromlieferanten benutzen. Colas – der Hersteller der Straßensolarmodule rechnet vor, dass die Straßen nur 20 Prozent der Zeit befahren werden und die Sonne damit ausreichend lang auf die Panels scheinen können. Das gilt für das kleine Dörfchen in der Normandie. Auf stark befahrenen Straßen dürfte der Wirkungsgrad jedoch schnell kippen. Zudem meinen die Kritiker derartiger innovativer Lösungsansätze, dass die Solarpanels zu flach auf dem Boden angebracht wären und nicht schräg, wie etwa auf den Dächern unzähliger Häuser. Das liegt natürlich in der Natur der Sache – eine Straße muss halt flach sein, sonst wäre sie nicht befahrbar. Zudem gebe es in Frankreich mehr als genügend freie Flächen auf Dächern, um Solarenergie zu gewinnen. Das sei preiswerter, als teure Solarstraßen. Und da wäre auch schon der »Hinkefuß« an der ganzen Sache – der Preis. Nach Angaben des französischen Interessenverbandes für Erneuerbare Energien (SER) ist aus Solarstraßen gewonnener Strom derzeit rund 13 Mal teurer als Strom aus herkömmlichen Solaranlagen.

Die Niederländer machen´s vor

Amsterdam hat bereits 2014 einen 70 Meter langen Fahrradweg mit Solarzellen eingeweiht. »SolaRoad«, so der Name der Fahrradteststrecke und des beteiligten Unternehmens, war und ist ein voller Erfolg. Die Erwartungen wurden übertroffen: Bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung lieferte der Radweg in den ersten sechs Monaten 3.000 Kilowattstunden (das ist ungefähr so viel, wie ein Einfamilienhaus in einem Jahr verbraucht). In den zwölf Monaten seines Bestehens waren es dann schon 9.800 Kilowattstunden.

Hightech-Straßen mit Solarmodulen
In Amsterdam gibt es seit 2014 einen Fahrradweg, der aus befahrbaren Solarpaneln besteht. © SolaRoad Netherlands

Vom Erfolg des Radwegs in Amsterdam angespornt berechnete die Solar- und Radwegprofis die Kapazität des niederländischen Gesamtwegradnetzes. Die ergab, dass rund ein Fünftel des 140.000 Kilometer langen Radwegenetzes für die Erzeugung des Ökostroms genutzt werden könnte. Der vom Radweg erzeugte Sonnenstrom soll in die Straßenbeleuchtung, Verkehrsleitsysteme und angrenzende Haushalte eingespeist werden.

Auch die Amerikaner sind dabei

Das US-Unternehmen »Solar Roadways« möchte ebenfalls im zukünftigen Markt der Solarstraße mitmischen. Die Unternehmer Julie und Scott Brusaw haben Großes vor: Ihr gläserner Solar-Fahrbahnbelag soll sogar Schwerlasttransporter aushalten, sich selbst beleuchten, eisfrei halten und natürlich Strom liefern. Das ehrgeizige Vorhaben nennen sie »Prototyp Phase II«. Derzeit sammeln die Jungunternehmer per Crowdfunding Geld ein, um demnächst mit der Serienproduktion beginnen zu können. Die erste Fläche mit gläsernem Straßenbelag gibt es bereits auf einem Parkplatz, der mit sechseckigen Scheiben belegt ist, die wiederum mit Solarzellen und LED-Leuchten bestückt sind.

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Solar Roadways möchte den Markt der Solarstrassen mit neuen Konzepten revolutionieren. © Solar Roadways

Die Glaskacheln bieten sehr viel Raum für »Spielereien«. So überlegt man bereits – im Zusammenarbeit mit der US-Straßenbehörde – Warnhinweise oder Tempolimits in den Kacheln erscheinen zu lassen. Große Hoffnungen setzt Solar Roadways in die Verbreitung von Elektroautos. Die könnten dann ihre Batterie auf Solarparkplätzen laden und sogar während der Fahrt über die Solarkacheln sollen per Induktionstechnik Elektroautos geladen werden. Eine wahrhaft interessante technologische Perspektive.

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2 Kommentare

    • Mit Sicherheit. Allerdings sind die Solar-Module im Moment jedoch noch sehr teuer, was einer massenhaften Anwendung entgegensteht.

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