Hyperloop – ab durch die Röhre!




HyperloopWenn Elon Musk visioniert, dann tut man das nicht als Spinnerei ab, sondern schenkt ihm ernsthaft Gehör. Schließlich hat der mehrfache Milliardär in der Vergangenheit bewiesen, dass er seine Visionen durchaus in die Realität umzusetzen in der Lage war! Der geschäftstüchtige Amerikaner mit südafrikanischen Wurzeln hat das erste kommerzielle Elektroauto »Tesla«, Paypal und SpaceX entwickelt und erfolgreich zur Marktreife gebracht. Nun hat es der geschäftstüchtige Unternehmer auf die Zukunft des Personenverkehrs abgesehen – Projekt »Hyperloop«.

Elon Musk ist ein Unikum, schillernde Erfinderpersönlichkeit, brillanter Geschäftsmann, Genie und Träumer dessen Vita sich wie ein Auszug aus Lehrbuch für Visionäre liest. Musk ist rätselhaft und ähnelt nicht zufällig dem exzentrischen Milliardär Tony Stark aus den “Iron Man”-Filmen. Er diente Regisseur Jon Favreau und Schauspieler Robert Downey Jr. als Vorlage. Geboren am 28. Juni 1971 in Pretoria, Südafrika begann er schon im zarten Alter von 12 mit der Entwicklung und Vermarktung seines ersten Videospiels, das er an eine Computerzeitschrift verkaufte. Mit 16 beantragte er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder bei der kanadischen Botschaft Reisepässe, um dem südafrikanischen Wehrdienst bei der Armee zu entgehen. Und tatsächlich bekamen die Jungs ihre Reisepässe und wanderten Richtung Kanada aus. Hier schrieb er sich an der Queens University in Kingston, Ontario, ein, wechselte aber sehr schnell in die USA an die University of Pennsylvania. Dort machte er seinen Bachelor-Abschluss in Wirtschaft und Physik. 1995 zog Musk nach Palo Alto in Kalifornien, um an der renommierten Stanford University Physik zu studieren. Nach zwei Tagen jedoch beschloss er, das Studium sein zu lassen und stattdessen ein Internet-Unternehmen zu gründen – eine weise Entscheidung!

Die Firma hieß »Zip2« und bot Medieninhalte für Unternehmen an. Als Startkapital hatten die beiden Brüder nichts weiter als ein Auto, einen Computer und 2.000 Dollar Startkapital. Das war im Jahre 1995. Nur vier Jahre später, im Jahre 1999, kaufte der amerikanische Computerriese Compaq das Unternehmen für 307 Millionen auf. Das war der bis dahin höchste Preis, der für ein Dotcom-Unternehmen bezahlt wurde. Wer meint, dass sich Musk nun auf den vielen Millionen Dollar ausruhte und sich ein schönes Leben gönnen würde, der irrt. Direkt im Anschluss an den Verkauf seines Unternehmens an Compaq gründete Musk die Firma »X.com«. Man entwickelte ein Online-Bezahlsystem und fusionierte im Jahr 2000 mit dem Konkurrenten Confinity, der ein ähnliches Produkt in petto hatte – es trug die Bezeichnung »Paypal«. In den folgenden Monaten entwickelte Musk und sein Team dieses Produkt zur Marktreife und es entstand ein Quasi-Standard im Bereich der Online-Bezahlsysteme. Im Jahre 2002 kaufte eBay das Online-Bezahlsystem Paypal für 1,5 Milliarden US-Dollar. Als größter Anteilseigener mit mehr als zehn Prozent der Firmenanteile war der Geldregen gewaltig, der auf Musk herniederging.
In den folgenden Jahren wandelten sich Musks unternehmerische Aktivitäten, er hatte neue Ziele. Vor allem gingen seine Visionen dahin, teure und technologisch sehr anspruchsvolle Dinge zur Massenfertigung hinzuführen. Seine neuen Ideen mündeten schließlich im Jahr 2002 in der Gründung einer neuen Firma – »SpaceX«. Ganz der alte Visionär, wollte Musk mit der neuen Firma unbemannte Raumflüge verkaufen, um beispielsweise Satelliten für Unternehmen in den Orbit zu bringen oder die internationale Raumstation ISS mit diversen Dingen zu versorgen. Später sollten dann auch bemannte Raumflüge das Produktportfolio von SpaceX ergänzen. Am 28. September 2008 war es dann soweit – die »Falcon 1« startete erfolgreich und erreichte als erste vollständig privat finanzierte Flüssigtreibstoffrakete den Orbit – ein sensationeller Erfolg für Musk und seine Mitstreiter. Und abermals hatte er es den Zweiflern und Skeptikern bewiesen: Die Kosten für den Start der Falcon 1 beliefen sich auf nur etwa ein Drittel der Kosten bei vergleichbaren staatlich finanzierten Raumflügen.

Zu den weiteren erfolgreichen Startups von Elon Musk zählte die sehr erfolgreiche Investition und das persönliche Engagement in den amerikanischen Autohersteller Tesla, der sich sehr früh und sehr erfolgreich auf die Produktion eines Elektrosportwagens spezialisierte, sowie eine Unternehmensgründung mit der Bezeichnung »SolarCity«, die Solaranlagen produziert und Installiert. Musks Vita beweist es aufs eindrucksvollste – der Mann hat Visionen, die er auch mit wirtschaftlichem Sachverstand und unternehmerische Raffinesse in die Tat umsetzt. So verwundert es auch nicht, dass Chefetagen der Wirtschaft und Technologie gespannt aufhorchten, als Musk eine Ankündigung der besonderen Art machte – eine neues, revolutionäres Transportsystem.

Der Hyperloop – Mischung aus Concorde und Railgun

Elon Musk wäre nicht Elon Musk, wenn seine Ankündigungen nicht spektakulär und verwegen wären. Dennoch, man nimmt den Visionär, der schon als würdiger Nachfolger des verschrobenen Nikola Tesla gehandelt wird, sehr ernst. Sein neuestes Projekt möchte neben Flugzeugen, Zügen, Schiffen und Autos ein fünftes Transportelement auf unserem Planeten etablieren, das sehr schnell und zudem sehr umweltfreundlich sein soll – der Hyperloop.

Musk sieht seinen Hyperloop in direkter Konkurrenz zum Flugzeug, es soll jedoch erheblich schneller zugleich sehr viel billiger im Unterhalt sein. Zudem soll der Hyperloop unfallsicher und wetterunabhängig sein. Der Hyperloop, so prognostiziert Musk, bewältig die Entfernung vom Stadtzentrum Los Angeles in die City San Franciscos in weniger als einer halben Stunde. Zum Vergleich: mit dem Auto ist man ungefähr sechs Stunden und mit dem Flugzeug immerhin eine Stunde unterwegs (vom Check-In und den Sicherheitskontrollen einmal ganz abgesehen). Benötigt man also für die Strecke von ungefähr 610 Kilometern eine halbe Stunde, so wäre der Hyperloop mit sagenhaften 1.220 Kilometern pro Stunde unterwegs – und das auch noch billig und vor allem umweltfreundlich, da der Hyperloop seine Energie aus Sonnenenergie beziehen will.
Doch was soll der Hyperloop nun genau sein? Da will sich Elon Musk derzeit noch nicht allzu detailliert in die Karten schauen lassen. Nur soviel äußerte er kürzlich: Der Hyperloop soll eine gewissen Ähnlichkeit mit den Transporttunneln der Zeichentrickserie „Jetsons“ haben und ebenfalls gewisse Parallelen zu pneumatisch betriebenen Transportsystem »Aeromovel« aufweisen. Zudem soll das Transportsystem sehr flexibel in dem Sinne sein, dass es losfährt, wenn es benötigt wird. Das lässt Rückschlüsse darauf zu, dass es sich wohl eher um kleine Transporteinheiten handeln würde und nicht um große Züge. Und außerdem wird sich der Hyperloop in Röhren fortbewegen, um vor Wettereinflüssen geschützt zu sein und um größerer Geschwindigkeiten zu erreichen. Und noch ein technologischer Aspekt scheint sicher (das lässt die Verwendung des Terminus »Railgun« zu) – das Gefährt wird sicher aller Wahrscheinlichkeit elektromagnetisch fortbewegen.

Unter einer Railgun versteht man eigentlich eine elektromagnetische Waffe, die Projektile mittels eines stromführenden Schlittens entlang zweier paralleler Schienen auf sagenhafte Geschwindigkeiten beschleunigen kann. Die Entwicklung dieser Technologie hat vor allem das Militär in der Vergangenheit vorangetrieben, da man auf Basis dieser Technik Kanonen mit ungeheurer Durchschlagskraft und Geschwindigkeit bauen wollte. Und die Experimente waren vielversprechend: Man erreichte bei Experimentalaufbauten Mündungsgeschwindigkeiten von mehr als 35 Km/s (traditionelle Rohrwaffen erreichen hier lediglich die »geringe« Geschwindigkeit von etwa 2 Km/s)
Die ungeheure Geschwindigkeit und Kraftentfaltung lässt sich mit der Lenzschen Regel erklären: Ein Projektil (das natürlich auch eine entsprechende Fahrgastkabine sein kann) wirkt durch seine Bewegung verringernd auf den treibenden Strom. Hinter dem Projektil entstehen dabei Magnetfelder, welche das Bedürfnis haben zu expandieren. Dies geht natürlich in Flugrichtung, da die die stromdurchflossenen Schienen sehr fest parallel miteinander verbunden sind. Die dabei entstehende Kraft auf das Geschoss ist proportional zum Strom. Das bedeutet, dass die Beschleunigung des Geschosses – anders als bei Treibladungen – bis zur Mündung nahezu konstant ist. Als Energiespeicher bzw. Stromquellen kommen derzeit Kondensatoren oder Schwungrad-Generatoren zum Einsatz. Das militärische Projekt einer Railgun hat jedoch ein ganz massives Problem: die hohen Ströme verschleißen die Schienen, so dass sie nur einmal verwendet werden können.

Nichts desto trotz, Musk möchte diese Technologie verwenden bzw. für die zivile Nutzung weiterentwickeln. Ein Aspekt – nämlich jener der Unfallsicherheit – würde für diesen Antrieb sprechen. Denn eines ist sicher, Fahrzeuge, die von einer eigenen Magnetwelle getragen werden, zählen zu den sichersten Verkehrsmitteln überhaupt. Auch wenn der deutsche Transrapid eine schweren Unfall auf der Teststrecke im Emsland hatte. Schuld war hier nicht die Technologie, sondern Schlamperei, was die Streckenfreigabe betraf.

Hat Elon Musk nur heiße Luft von sich gegeben, um sich wieder in die Medien und ins Gespräch zu bringen? Die Gemeinde der Wissenschaftler ist sich in dieser Beziehung eher uneins. Noch gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass wir bald erfahren werden, um was es sich beim Hyperloop wirklich handelt, geschweige denn irgendwelche Bauarbeiten zwischen Los Angeles und San Francisco zu verzeichnen sind. Doch die Vergangenheit hat gezeigt dass Elon Musk einer der faszinierendsten Köpfe unserer Zeit ist und das er niemals etwas tut, ohne dafür eine feste Handhabe zu haben. Seine mehr als erfolgreichen Projekte der Vergangenheit haben selbst viele Zweifler an der Person Musk überzeugt – wir dürfen gespannt sein, wann es heißt »Bitte einsteigen, wir werden unser Ziel in 30 Minuten erreichen!«

Kurzinfo: Der Tesla S
Das kalifornische Team um Elon Musk hat es geschafft – die Tesla Limousine Model S wird in Serie produziert. Während das Vorgängermodell, der Tesla Roadster, lediglich 2.500mal verkauft wurde, gehen vom Tesla S wöchentlich 500 Stück über die Ladentheke. Und der Bedarf ist bei weitem sehr viel höher. Der schmucke Sportwagen gibt umgerechnet 435 PS an die Hinterachse ab und das bei einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern. All das hat seinen Preis: Die Luxuslimousine kostet rund 100.000 Euro.

Kurzinfo: Railgun-Technologie als Satelliten-Startrampe
Die Railgun-Technologie hat nicht nur das Militär und Genies wie Elon Musk auf den Plan gerufen, sondern auch die Weltraumorganisationen dieser Welt. Sie haben die Idee eines sogenannten »Slingatrons«, das auf Basis der Railgun-Technologie Satelliten einfach mit ungeheurer Geschwindigkeit ins All schleudert. Die dazu notwendige Riesenspirale müsste 45 Kilometer lang sein, würde insgesamt 10.500 Tonnen wiegen und könnte eine Nutzlast von einer Tonne auf 8 Kilometer pro Sekunde beschleunigen. Genug, um die Umlaufbahn der Erde zu erreichen. Für den gewaltigen Vortrieb der Masse sorgen die von den Magneten in der Röhre erzeugten Magnetfelder, welche die Satelliten in der Röhre schwebend halten und dabei gleichzeitig beschleunigen. Großer Vorteil dieser Schleudermethode: es würden sehr viel weniger Kosten anfallen, als bei einem herkömmlichen Trägerraketenstart, um die Satelliten in die Umlaufbahn zu befördern.

Lust auf mehr Wissenschaft, Technik und Geschichte im Krimi- und Thriller-Format? Dann werfen Sie doch einen Blick auf Meine Thriller oder Über mich, den Thriller-Autor.




1 Trackback / Pingback

  1. Autonome Taxi-Drohnen - lamundus

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*