Kampf den Hagelschäden




Wolkenimpfung – das »Cloud Seeding« ist ein »alter Hut«. Schon seit vielen Jahren bringt man ein  Silberiodid-Aceton-Gemisch mittels Hagelfliegern und Hagelraketen in gefährliche Wolkenformationen ein, damit die zu erwartenden Hagelschäden kleiner oder gar gänzlich ausfallen. Ein nicht ganz ungefährlicher Job für Leib und Leben der Piloten. Dr. Adam Watts vom »Desert Research Institute« würde dafür am liebsten Drohnen einsetzen.

 

Die Idee ist einfach: Bringe ein Silberiodid-Aceton-Gemisch in eine gefährliche Hagel-Wolken-Formation, und der Hagel hat keine Chance mehr. Tja, wenn das dieses Wörtchen »BRINGE« nicht wäre. Der Job ist für die Hagelflieger keine leichte Aufgabe und endet nicht selten mit einem tödlichen Absturz. Das ging Dr. Adam Watts vom »Desert Research Institute« mächtig an die Nieren. Er wollte etwas für die Frauen und Männer tun, die ihr Leben riskieren und zudem die Menschen vor den verheerenden wirtschaftlichen Schäden des Hagels schützen – und so ganz nebenbei auch noch das Wetter beeinflussen. Warum keine Drohnen für den gefährlichen Job einsetzen?

Hagelschäden nehmen zu

Hagelschäden nehmen weltweit zu, vor allem in der nördlichen Hemisphäre. Allein in Deutschland zahlten die Versicherer im Jahre 2015 knapp 2,6 Milliarden Euro für Sturm-, Hagel- und Starkregenschäden – Tendenz steigend. Beispiel »Niklas«: Diese Unwetterfront zog im Juli 2015 mit starkem Hagel über Westdeutschland und richtete einen Schaden von mehr als 300 Millionen Euro an. Im Vergleich zu 2014 ist die Gesamtzahl der Sturm- und Hagelschäden um 75 Prozent gestiegen.

Klimaforscher sind mittlerweile der festen Meinung, dass der Klimawandel uns auch in Zukunft vermehrt heftige Hagelunwetter bescheren wird. In Deutschland herrschen zunehmend beste Voraussetzungen für starke Hagelschauer, wenn im Sommer heiße und kalte Luftmassen in der Atmosphäre aufeinanderstoßen. Eine Studie des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe unterstützt diese These. Die Forscher fanden heraus, dass beispielsweise in Baden-Württemberg in den vergangenen dreißig Jahren die Anzahl der Hageltage um 16 gestiegen sind. Ähnlich sieht es in München aus – da sind es mittlerweile 14 Tage mehr, an denen es hagelt. Den Süden Deutschlands trifft es deswegen deutlich härter als den Norden, da hier die Luft in den Sommermonaten deutlich wärmer und vor allem feuchter ist.

Durch den Klimawandel bedingt gibt es immer öfter Feuchtigkeit in bodennahen Luftschichten. Höhere Temperaturen und dadurch mehr Verdunstung lassen die Energie anwachsen, die sich schließlich in heftigen Gewittern entladen kann.

Hagelabwehr – keine neue Idee

Schon im Altertum der Menschheit waren Menschen bemüht, den verursachten Schaden durch Hagelunwetter abzuwehren bzw. zu mindern. Bereits in der antiken griechischen Stadt Kleonai, eine südwestlich von Korinth gelegene Stadt, gab es sogenannte Hagelwächter. Diese sollten die Bewohner der Metropole vor anstehenden Hagelschauern warnen und riefen die Bevölkerung zu Tier- und Blutopfern auf, um das drohende Unheil abzuwenden. Auch die christliche Kirche kämpfte in ihrer Frühzeit gegen Hagel. Sie schrieb das Naturphänomen dem Wirken von Dämonen zu. Hilfe boten lediglich die Heilige Messe sowie jede Menge geweihtes Wasser. Später ging man dazu über Hagelkreuze aufzustellen und Hagelprozessionen und Palmstangen zu benutzen, um den Hagel abzuwehren.

Hagelschäden
Drohnen zur Wolkenimpfung einzusetzen bringt viele Vorteile mit sich. © Drohne America http://www.droneamerica.com

Besonders populär war das sogenannte Hagelschießen um 1900 mittels Kanonen und Raketen. So gab es um 1900 bereits in Frankreich, Italien und Österreich-Ungarn mehr als 15.000 Einrichtungen, wo auf Gewitterwolken mit Geschützen gefeuert wurde – natürlich ohne Auswirkungen auf die Gewitterfront. Die Kartuschen der Geschütze waren vor allem mit Rußpartikeln gefüllt.

Und heutzutage?

Heutzutage riskieren Hagelflieger Leib und Leben, um potentiell gefährliche Wolken mit einer mit Silberjodid versetzten Aceton-Lösung zu impfen. Dadurch werden wasseranziehende Salze frei, die wie Kondensationskeime funktionieren und sich mit den Wassertröpfchen der Wolke verbinden. Aus vielen kleinen Tröpfchen entstehen größere Tropfen, die durch ihr größeres Gewicht Richtung Erde sinken und als ganz normaler Regen niedergehen.

Dies ist gängige nationale und internationale Praxis. Auch hier in Deutschland. Besonders in den hiesigen Weinbauregionen in Baden-Württemberg und Bayern geht man auf Nummer sicher, um auf Basis des Wolkenimpfens die Weinregionen vor schweren Hagelschäden und sintflutartigen Regenfällen zu schützen. Die Bauern und Winzer müssen den Einsatz der Hagelflieger jedoch aus eigener Tasche bezahlen. Und: Man setzt den Eingriff in die Natur sehr selten ein. Im Ausland geht man jedoch mit der Möglichkeit des Wolkenimpfens sehr viel großzügiger um.

Wettermanipulation 

Während hierzulande das Wolkenimpfen hauptsächlich der Vermeidung schlimmer Unwetter dient, versucht man im Ausland, wie China oder Russland, künstlich für Sonnenschein zu sorgen. Warum? Ganz einfach: Für bestimmte Großereignisse macht sich Sonnenschein einfach besser. Beispiel China: Zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2008 impfte man die Wolken mit Silberjodid, weil schwere Regenfälle vorhergesagt waren. Man feuerte mehr als 1.000 Raketen in den Himmel, um die Wolken aufzulösen.

Zukünftig sollen Drohnen den gefährlichen Job der Hagelflieger übernehmen. © Drohne America http://www.droneamerica.com

Auch Russland mag keinen Regen, besonders nicht am Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland am 09. Mai. Also schickt man an diesem Feiertag regelmäßig  und rechtzeitig Flugzeuge in den Himmel, um die Wolken zu impfen. Das klappt mal besser und manchmal auch gar nicht. In 2017 regnete es trotz Wolkenimpfung.

Die Wissenschaft ist skeptisch 

Und da kommen wir auch zur Crux des Wolkenimpfens – es gibt nicht wirklich wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, dass das Ganze auch zuverlässig funktioniert. »Es gibt keine belastbaren statistischen Untersuchungen. Die Flieger impfen die Wolken und fliegen heim. Wenn es nicht hagelt, ist das schön, doch kann keiner nachweisen, dass es wirklich an der Impfung lag. Vielleicht wäre es auch ohne trocken geblieben. Ich glaube, hier kann der Wunsch der Vater des Gedankens sein«, dazu Professor Manfred Wendisch, Leiter der Arbeitsgruppe »Atmosphärische Strahlung« der Uni Leipzig im Rahmen eines Interviews mit dem Faktenfinder der Tagesschau.

Das Wetter ist eine immens komplexe Angelegenheit. Zudem steckt eine unvorstellbar große Menge Energie, die in paar Hagelflieger wohl kaum einfach in Luft bzw. Regen auflösen könnte. Wendisch macht hierzu eine beeindruckende Rechnung auf: »Wie viel Tonnen Wasser sind in einer Wolke? In einem Kubikmeter m³ Wolke sind ungefähr 1 Gramm flüssiges Wasser. Bei einer Wolke mit einem Volumen von 10 km x 10 km x 5 km (Höhe) habe man insgesamt 500 Tausend Tonnen flüssiges Wasser im angenommenen Wolkenvolumen. Um diese fette Wolke verdunsten zu lassen, braucht man eine Menge Energie. Zum Beispiel: Um ein Kilogramm Wasser verdunsten zu lassen, sind 2.5 Millionen Joule notwendig. Dementsprechend braucht es für 500 Tausend Tonnen Wasser eine ziemlich unvorstellbar hohe Energie: In etwa die von 14 Nagasaki Atombomben«, erklärt Wendisch weiterhin im Tagesschau-Interview.

Drohnen schützen Leben

All das interessiert Dr. Adam Watts vom »Desert Research Institute« nur am Rande. Ihm geht es vor allem darum, das Leben der Hagelpiloten zu schützen. Er setzt auf Drohnen, und für deren Einsatz spricht einiges. Flugzeug-Treibstoff ist teuer, Piloten sind teuer und außerdem muss man während eines Unwetters gleich mehrmals in die Luft gehen, um sich diesem entgegenzustellen. Im Vergleich zu Flugzeugen sind Drohnen preiswerter, kleiner und leichter. Sie verbrauchen sehr viel weniger Treibstoff. Und doch müssen sie ihre Leistungsfähigkeit erst einmal unter Beweis stellen. Watts ist jedoch frohen Mutes, dass sie perfekt funktionieren werden.

Die UN schiebt den Riegel davor

Der Kampf gegen Unwetter mittels Silberjodid wird hauptsächlich seit den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts angewandt. Und zwar sooft in dieser Periode, dass sich die UN veranlasst sah, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Eine Konvention mit der Bezeichnung »Enmond Warefare« wurde beschlossen. Die verbietet es strikt, die Umwelt gezielt zu schädigen bzw. zu beeinflussen. Man untersagte darin strengstens jede Form der Wettermanipulation, insbesondere im Rahmen militärischer Anwendungen und zur Kriegsführung. Die UN-Konvention wurde am 18. Mai 1977 unterzeichnet und trat am 5. Oktober 1978 in Kraft. Sie ist bis heute gültig und 77 Länder haben Sie unterzeichnet, darunter die USA, Russland und Deutschland.

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