Köttbullar ohne Billy

IKEA steigt ins Food-Business ein

KöttbullarOkay, geahnt hat man es irgendwie schon immer: Statistisch erwiesen ist die Tatsache, dass jeder dritte IKEA-Kunde die Filiale besucht, nicht um etwa Möbel oder Krimskrams zu kaufen. Auch keine Teelichter. Nein, diese Herrschaften meiden SB-Markt, von der Ausstellung einmal ganz zu schweigen und navigieren direkt und ohne Umschweife Richtung Restaurant. Dort stürzen sie sich auf die kleinen Fleischbällchen, Fritten, Lachs, Törtchen und was es sonst noch so alles gibt. Man mag es kaum glauben, aber Köttbullar & Co. sind längst zu wichtige Umsatzbestandteile. IKEA rangiert deutschlandweit unter den Top-10 der größten Fast-Food-Ketten.

»Wir haben die Fleischbällchen immer als den besten Sofa-Verkäufer bezeichnet«, sagt Gerd Diewald, verantwortlich für die Lebensmittelgeschäfte von Ikea in den USA gegenüber dem Stern in einem Interview. »Es ist schwer, mit hungrigen Kunden Geschäfte zu machen. Wenn wir ihnen Essen servieren, bleiben sie länger, können über ihre potenziellen Einkäufe sprechen und eine Entscheidung treffen, ohne den Laden zu verlassen.« Und damit trifft er den Nagel genau den Kopf. Und Konsequenzen haben die Schweden ebenfalls aus dem Potenzial ihrer Lebensmittel in Sachen Mittagstisch gezogen – IKEA strebt danach, das Food-Geschäft vom Möbel-Geschäft zu entkoppeln, um separate Cafés und Restaurants in den Innenstädten zu etablieren.

Zudem bemüht sich IKEA, die hauseigenen Restaurants zu modernisieren – ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da der schwedische Möbelhersteller Klientel unterschiedlichster Art bedient – angefangen beim Studenten bis hin zu älteren Paaren, die auch gerne einmal etwas tiefer in die Tasche greifen. Ziel ist es, die Kundschaft auch im Restaurationsbereich entsprechend abzubilden bzw. zu bedienen. In den neuen Bereichen des IKEA-Restaurants gibt es demnächst weltweit lockere Tresen, gemütliche Sitzecken und natürlich ein Kinderspielbereich. Und das alles für 600 Gäste. Die Investition lohnt sich, denn IKEA setzt global mit dem Food-Bereich rund 1,8 Milliarden US-Dollar um. Weltweit gehen beispielsweise 80 Milliarden Hotdogs über die Theke.

Köttbullar
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Alles Masche

IKEA hat sich fest vorgenommen, das lohnende Geschäft mit Köttbullar & Co. zu straffen, massiv auszubauen und zu professionalisieren. In Paris, London und Oslo beispielsweise experimentiert man mit sogenannten Pop-up-Restaurants auf kleinen Flächen, mitten in den Metropolen und das ganze ohne Möbelverkauf. Das Ziel ist klar: IKEA möchte mit sehr preiswerten Mittags- oder Frühstücksmenüs die Kunden locken und somit für IKEA begeistern. Ob der Plan aufgeht, bleibt abzuwarten. Denn: Im Food-Bereich arbeitet IKEA keinesfalls kostendeckend. So kostet das Schwedenfrühstück (Wurst, Käse und Brötchen) lediglich zwei Euro, ein Croissant mit Marmelade einen Euro. Kaffee darf man beliebig und natürlich kostenlos nachfüllen. Ach ja, ein Drei-Gänge-Abendessen ab 18:00 Uhr schlägt mit 3,95 Euro zu Buche. Das lockt immens viele Kunde an. Und wenn die Preise auch in den Pop-up-Restaurants in den Innenstädten abgebildet werden, könnte dies funktionieren.

IKEA nutzt das Essen zu Spottpreisen, um das Billigpreis-Image auf die Möbel zu übertragen. Das heißt, dass IKEA es sich wünscht, dass die Kunden die Menü-Schnäppchen auf die Möbel übertragen. Ein IKEA-Insider und ehemaliger Mitarbeiter in einem Interview gegenüber dem Stern: »Sie haben keine Ahnung, wie teuer ein Sofa ist? Sie sehen ein Sofa für 599 Dollar. Ist das ein guter Preis? Sie haben keine Ahnung, weil Sie vorher noch nie ein Sofa gekauft haben.« Aber eines ist klar: Hat der Kunde zuvor ein leckeres Frühstück für zwei Euro »genossen« oder sich einen Ein-Euro-Hotdog gegönnt, der ist auf Sparmodus gepolt und glaubt, das IKEA das wahre Schnäppchen-Paradies ist. Das, dem nicht so ist, dürfte mittlerweile klar sein. Und IKEA? Na klar, sie machen ein Minus bei den Lebensmitteln, aber das Defizit holen sie mal locker wieder über ihre Möbel und den Kleinkram im SB-Markt herein.

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