Milliardengeschäft Aloe vera

Aloe veraDas Geschäft brummt. Mit Aloe vera lässt sich seit Jahren gutes Geld verdienen. Man findet es in Cremes, Shampoos, Spül- und Waschmitteln, Seifen und im Essen sowie in vermeintlichen Gesundheitsdrinks. Es gibt sogar Bettdecken und Kopfkissen mit Aloe vera. Das Label »Mit Aloe vera« scheint Verbraucher magisch anzuziehen. Doch was kann die angebliche Wunderpflanze? Was ist wirklich dran am Aloe vera-Hype?

 

Aloe vera ist eine Pflanze mit Geschichte: Schon Kleopatra soll die Pflanze als Gesichtsmaske benutzt haben und Kolumbus schwor auf seinen Seereisen auf den »Arzt im Blumentopf« – ebenfalls einer Aloe vera-Pflanze.

Die zur Familie der Sukkulenten aus der Familie der Aloen gehörende Pflanze enthält ein Gel, das vor allem die Haut beruhigen soll. Zudem ist Aloe vera reich an Vitaminen und Mineralien. Anwendung findet sie beispielsweise bei Hautverletzungen oder Sonnenbränden. Aloe vera kultiviert man mittlerweile in allen subtropischen und tropischen Regionen des Erdballs. Ursprünglich stammt die heilsame Pflanze von der Arabischen Halbinsel.

Soviel zur Theorie! Zwar gibt es diverse Studien zur medizinischen Wirkung der Pflanze, wie etwa bei Neurodermitis, Schuppenflechte und chronischen Wunden, doch leider sind die Ergebnisse nicht sonderlich euphorisch, um es einmal positiv auszudrücken.

Aloe vera
Aloe vera – überschätzte Heilpflanze?

Dazu Bernd Kerschner, Projektleiter der Plattform Medizin-Transparent.at gegenüber dem ORF in einem Interview: »Die bisher vorliegenden Studien sind von schlechter Qualität und nicht aussagekräftig. Es gibt bisher keine medizinische Wirkung der Aloe, die nachgewiesen werden konnte.«

Okay, aber wie schaut es in Sachen Aloe vera und Nahrungsergänzung aus? Da gibt es ja die unterschiedlichsten Produkte, wie beispielsweise Aloe-vera-Joghurts, Aloe-vera-Nektar bis hin zu Aloe-Kapseln, die dem menschlichen Organismus allesamt gut tun sollen. Und auch hier kein belegbarer Nutzen! Generell gilt, dass Nahrungsergänzungsmittel nur eingenommen werden sollen, wenn eine entsprechende Unterversorgung an Vitaminen und Mineralien besteht. Und diesen Mangel sollte unbedingt ein Arzt attestieren.

Was die Industrie uns anbietet

Der Industrie scheint das alles relativ egal zu sein. Sie bietet uns Verbrauchern mittlerweile eine Vielzahl von Aloe vera-Produkten an und das für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche. Weltweit werden pro Jahr schätzungsweise 13 Milliarden Euro mit Aloe vera-Produkten umgesetzt. Letzter Schrei – Trinkgels mit einem angeblich hohen Anteil an Aloe vera. Und genau diesen hohen Anteil lassen sich die Hersteller immens teuer bezahlen. So zahlen Kunden 10 bis 15 Euro pro Liter, für einen Pflanzendrink, der zu 99 Prozent aus Wasser besteht.

Apropos Anteil: Auf fast allen Aloe vera-Produkten prangt eine groß dargestellte Pflanze. Aber wie viel Pflanzenstoff ist in den Produkten eigentlich enthalten? Und da wundert man sich dann schon. Die Verbraucherzentrale untersuchte jüngst verschiedene Produkte. »Die ganze Aufmachung mutet nach Naturkosmetik an, Sie finden hier eine große Abbildung eines Blattes«, analysiert Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale gegenüber dem SWR eine Palmolive-Seife. »Tatsächlich sind nur 2,5 Prozent Aloe vera enthalten – also da wird man als Verbraucher schon über den Tisch gezogen.«

Und warum darf das Produkt dennoch mit Aloe vera werben? Dazu Silke Schwartau weiter zu einer genutzten Gesetzeslücke: »Bei Wasch- und Reinigungsmitteln muss der prozentuale Anteil nicht angegeben werden, da dürfen auch verschiedene Stoffe unter ‘weitere Inhaltsstoffe’ deklariert werden, so dass man da noch weniger Durchblick hat.«

Übrigens, der neueste Schrei in Sachen Aloe vera sind Schuheinlagen und Kissen. Der Hersteller behauptet, dass man mit derlei Produkten die Abwehrkräfte über die Haut sowie den Stoffwechsel anregen könnte. Ein Werbegag!

Und was bleibt? Aloe vera kann beruhigend auf die Haut wirken. Dazu muss in dem entsprechenden Mittel allerdings eine entsprechend hohe Konzentration enthalten sein. Zwei bis drei Prozent genügen da auf gar keinen Fall!

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