Die Zombies der CIA




MK-ULTRA Zombie Am 13. April 1953 startete eines der größten, geheimsten und desaströsesten Projekte der CIA. »MK-ULTRA«, so die geheime Projektbezeichnung, sollte Erkenntnisse sammeln, wie die Kontrolle über das Bewusstsein eines Menschen erlangt werden könnte. Die Geheimdienste waren ganz erpicht darauf, Personen zu absolut willenlosen und steuerbaren Individuen umzuprogrammieren, die dann als Agenten eingesetzt werden könnten. Es wurden Versuche an ahnungslosen US-Bürgern durchgeführt. So verabreichte man beispielsweise farbigen Patienten in Krankenhäusern täglich hohe Dosen an Meskalin, Marihuana, LSD und anderen Drogen – viele »Patienten« verstarben.

Es ist der Traum von Militärs, Geheimdiensten oder Terrororganisation – die Kontrolle des Bewusstseins von ausgewählten Individuen, um diese ihren Zielen entsprechend zu lenken und aus ihnen perfekte und bedingungslose Soldaten, Agenten, Schläfer oder Killer zu machen. Wer meint, dies sei eine Ausgeburt unseres Jahrtausends, der irrt. Zu allen Zeiten haben Politiker, Militärs, Priester und Fanatiker versucht, Menschen von ihren meist abstrusen Ideen zu überzeugen bzw. so zu manipulieren, dass diese ihnen bedingungslos folgten. Doch erst im 20. Jahrhundert nahmen die Versuche der Militärs und Geheimdienste, das Verhalten, Denken und die Empfindungen von Menschen zu beeinflussen und zu steuern, konkrete Formen an.

Systematisch wurde »Mind Control«, wie sich diese Bestrebungen nennen, in den menschlichen Geist einzudringen, erstmals unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland in den Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführt. In den Konzentrationslagern der Nazis führten Ärzte und Wissenschaftler Versuche durch, die Psyche eines Menschen zu manipulieren und Einfluss auf das Denken und Verhalten der Opfer zu nehmen. Genaue Aufzeichnungen gibt es nicht mehr oder unterliegen immer noch der Geheimhaltung amerikanischer Geheimdienste. Der Grund hierfür ist schnell erklärt: Bei Kriegsende fielen viele Nazi-Wissenschaftler, die an den geheimen Experimenten in den Konzentrationslagern beteiligt waren, in die Hände der Alliierten und verschwanden auf geheimnisvolle Weise Richtung USA. Im Rahmen des CIA-Projektes »Paperclip« entkamen tausende Wissenschaftler in die USA und somit einem Prozess wegen Beteiligung an Kriegsverbrechen Nazi-Deutschlands. Unter den gefangenen Nazi-Wissenschaftlern waren auch jene »Experten« des Konzentrationslagers Dachau, die Gefangene tödlichen Krankheitserregern (Malaria, Pest und Fleckfieber), Drogen und Chemikalien aussetzten, um deren Bewusstsein zu beeinflussen. Diese Kriegsverbrecher wurden niemals angeklagt bzw. bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen und amerikanischen Militärgerichtstribunalen freigesprochen und verschwanden allesamt unter dem Schutz der CIA in die USA.

Projekt »Artischocke«

In den USA angekommen, verloren die deutschen Wissenschaftler kaum Zeit. Unter dem Schutz der CIA und mit erheblichem Budget ausgestattet, wurden die Mind Control-Forschung massiv vorangetrieben. Die Bestrebungen mündeten schließlich im Geheimprojekt »Artischocke«, das vom 20. August 1951 bis zum 20. April 1953 andauerte und in dessen Rahmen die CIA in der Bundesrepublik Deutschland, Japan sowie auf einem Marinestützpunkt in der Panamakanalzone, Geheimgefängnisse errichtete. Die Dependance der CIA in Deutschland war für die CIA von besonderer strategische Bedeutung, da die Besatzungszone der damaligen Sowjetunion direkt an jene der USA grenzte und somit einige Überläufer und Spione zu erwarten waren. Das Geheimgefängnis der CIA in Deutschland war ein verborgenes Verhörzentrum am Rand des Taunus mit der Bezeichnung »Camp King«, in dem deutsche und russische Spione und Überläufer inhaftiert waren. Und genau hier beginnen die ersten Menschenversuche der CIA im Bereich der Gehirnwäsche und neue Verhörmethoden unter Zuhilfenahme verschiedener Drogen, Elektroschocks und Folter. Geheimprojekt Artischocke hatte zum Ziel, den menschlichen Verstand zu manipulieren, um so den Gefangenen Geheimnisse zu entlocken. Anschließend wollte man das Gedächtnis der Opfer löschen, damit sie sich an das Geschehene nicht erinnern konnten. Viele der Inhaftierten sterben bei den Experimenten oder begehen anschließend Selbstmord. Das Projekt Artischocke endete laut offiziellen Angaben der CIA am 20. April 1953, die Forschung ging jedoch weiter und mündete schließlich in einem Geheimprojekt, dass traurige Berühmtheit erlangte und lange Zeit das Maß aller Dinge in Sachen Bewusstseinskontrolle war.

MK-ULTRA

Die Ergebnisse von Projekt Artischocke stimmten die Verantwortlichen bei der CIA, trotz der vielen Sterbefälle und Selbstmordversuche, durchaus hoffnungsvoll, sodass ein Nachfolgeprojekt initiiert wurde – »MK-ULTRA«. Der damalige CIA-Direktor Allen Dulles reagierte damit auf die von der Sowjetunion, China und Nordkorea gegen US-Kriegsgefangene angewandte Gedankenkontrolltechniken. Diese Techniken führten zu öffentlichen Schauprozessen, bei den amerikanische Soldaten ihre »Schandtaten« zugaben und das vor der Weltöffentlichkeit, ohne diese wirklich begangen zu haben – ein unhaltbarer Zustand. Doch Dulles hatte noch weit mehr vor: Natürlich sollten ähnliche Methoden auf gefangene KGB-Agenten und nordkoreanische Gefangene Soldaten angewandt werden, um es der kommunistischen Propagandamaschine in ähnlicher Art heimzuzahlen. Das größere Ziel von MK-ULTRA sollte es jedoch sein, unbequeme Machthaber in kommunistischen Ländern bzw. Schwellenländern mit derartigen Techniken zu manipulieren. Nachdem das Geheimprojekt MK-ULTRA in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts schließlich parlamentarisch durchleuchtet wurde fand man beispielsweise Pläne, den kubanischen Staatschef Fidel Castro mit Mind Control-Techniken zu beeinflussen.

MK-ULTRA Zombie

MK-ULTRA wurde mit immensen Aufwand und gigantischen finanziellen Mitteln betrieben. Das Projekt hatte mehr als 149 spezialisierte Unterprogramme. Das Verwerfliche an diesem ohnehin kruden und verurteilungswürdigen Geheimprojekt war, dass an vielen tausenden amerikanischen Bürgern und Bürgerinnen geforscht wurde, ohne das diese auch nur die geringste Ahnung hatten. Die CIA beschränkte sich bei ihren Menschenversuchen jedoch nicht nur auf das Territorium der Vereinigten Staaten – betroffen waren auch Kanadier und Europäer. So gab es in Dänemark 500 Betroffene oder etwa 500 Kinder, an denen in Norwegen experimentiert wurde. Zudem wurden Experimente in den USA an Gefängnisinsassen ohne deren Einwilligung durchgeführt. Aber vor allem »bedienten« sich die CIA-Ärzte in ganz normalen Krankenhäusern an deren unwissenden Patienten. An ihnen wurden beispielsweise Drogenexperimente durchgeführt. Man verabreichten den Patienten hochdosierte Substanzen, wie etwa Meskalin oder LSD und setzte sie zusätzlich Elektroschocks, Hypnose und sensorischer Deprivation aus. Ebenfalls kamen starke Barbiturate zum Einsatz, mit deren Hilfe Patienten teilweise wochenlang narkotisiert wurde. Das Ergebnis konnte »sich sehen lassen« – die Patienten erlitten einen kompletten Gedächtnisverlust. Für den amerikanischen Geheimdienst perfekte neue Hüllen, die nur darauf warteten mit neuen, zweifelhaften Aufgaben gefüllt zu werden. Viele Patienten überlebten diese Torturen nicht und verstarben, obwohl sie nur wegen leichter Krankheiten ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Andere erlitten irreparable Hirnschäden. Und viele von denen, die die Versuche überlebt hatten, begingen anschließend Selbstmord. Ken Kesey verarbeitete seine Erfahrungen als Testperson in dem Bestseller »Einer flog über das Kuckucksnest«. Der Roman »Shutter Island« von Dennis Lehane und vor allem die gleichnamige Verfilmung von Martin Scorsese aus dem Jahr 2010, thematisieren ebenfalls die Menschenversuche der USA aus dieser Zeit.

Das eigentlich Erschreckende an MK-ULTRA ist die Tatsache, dass derartige Projekt jenseits von öffentlicher Aufmerksamkeit möglich sind, ohne irgendeiner staatlichen Kontrolle zu unterliegen. Und obwohl die Opferzahlen von MK-ULTRA in die Tausende gingen, dauerte es mehr als dreißig Jahre, bis die geheimen Menschenversuche der CIA ans Licht der Öffentlichkeit kamen und das Projekt unverzüglich eingestellt wurde. Doch die Forschung geht weiter und zwar mit Mitteln, von denen die Geheimdienst-Oberen vor vielen Jahrzehnten nie zu träumen gewagt hätten – Stichwort Nanotechnologie und Computertechnik. Dank der elektronischen Miniaturisierung ist es möglich, Implantate zu schaffen, die mikroskopisch klein sind und die von der Ferne aus steuerbar sind. Gehirnwellen des Menschen lassen sich mit Computern auslesen, modifizieren und an bestimmte Regionen des Gehirns zurücksenden. Somit ist es möglich Einfluss zu nehmen auf das Fühlen und Denken von Menschen. Und wer glaubt, dass dies alles nur Science Fiction ist, der irrt. Es existieren unzählige Patente auf Technologien weltweit, mit denen es möglich sein soll, direkten Einfluss auf Gehirnfunktionen des Menschen auszuüben. Die Gefahr des Missbrauchs hierbei liegt auf der Hand und die Politik täte gut daran, Forschungen in diesem Bereich strengstens zu reglementieren und zu überwachen, so dass nicht wieder viele unschuldige Menschen zu Versuchskaninchen werden.

Schnellinfo: Dr. Blome und seine Menschenversuche

Der bekannteste Nazi-Wissenschaftler, der letztendlich die Grundlagen für die CIA-Programme Artischocke und MK-ULTRA legte und für den Tod unzähliger Konzentrationsinsassen in Dachau war, war der nationalsozialistische Arzt und Wissenschaftler sowie bekennender Nazi Kurt Blome. Trotz erdrückender Beweislast seiner Menschenversuche wurde er durch den 1. Amerikanischen Militärgerichtshof am 20. August 1947 und durch Intervention der CIA freigesprochen. Ab 1951 arbeitete er dann als Arzt beim US-Geheimdienst in einem amerikanischen Militärkrankenhaus beim »European Intelligence Center«. Am 10. August 1951 verpflichtete sich Blome an einem amerikanischen Geheimdienstprogramm für den Army Chemical Corps im Project 63 teilzunehmen. Offiziell kam es jedoch nie zu einer Mitarbeit, da der amerikanische Konsul in Frankfurt am Main die Einreise Blomes in die USA verweigert, man kann jedoch davon ausgehen, dass ein umfangreicher Wissenstransfer stattfand.

Schnellinfo: Wie funktioniert Gehirnwäsche?

Um einen Menschen einer Gehirnwäsche zu unterziehen, wurde dieser zuerst einmal schwer gefoltert, um ihn zu brechen. Anschließend wurde sein Erinnerungsvermögen an die Folter gelöscht, um ihn für das Aufspielen der neuen Persönlichkeit vorzubereiten. Um den betroffenen Menschen zu einem leeren Gefäß zu machen, kamen oft Tonbänder zum Einsatz und zwar mit endlosen Schleifen von vorgesprochenen Befehlen, welche das Opfer wochenlang anhören musste. War der Geist auf diese Weise irgendwann einmal gebrochen, ist die betreffende Person bereit für die Aufnahme neuer Inhalten bzw. einer neuen Persönlichkeit. Vom alten Ich ist dann nichts mehr übrig.

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