Sackgasse Elektroauto!?

Elektroauto Hieß es bis Juni letzten Jahres noch seitens der Bundesregierung, dass bis 2030 »der weit überwiegende Teil der neuzugelassenen PKW« elektrisch oder mit Öko-Kraftstoff fahren sollten, so hat man diese Aussage aktuell relativiert. Stattdessen heißt es nun aus dem Umweltministerium: »Bis 2030 strebt die Bundesregierung eine signifikante Absenkung der Emissionen von PKW an.« Die Elektrifizierung der Neuwagenflotte werde dabei einen »maßgeblichen Beitrag« leisten. Schwammiger geht es kaum noch. Und überhaupt: Elektromobilität und ein damit einhergehender Rückgang der Emissionen können nur funktionieren, wenn wir massiv auf regenerierbare Energien setzen. Doch davon sind wir meilenweit entfernt! Ansonsten findet lediglich eine Emissionsverlagerung statt. Das Aus für das Elektroauto?

Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bis 2030 sollen es dann sechs Millionen sein. Den Erfolg dieser ehrgeizigen Zielsetzung bezweifeln Experten schon lange. Elektroautos scheinen sich in Deutschland zum »Rohrkrepierer« zu entwickeln. Bis Ende Januar 2017 wurden hierzulande rund 10.835 Anträge auf eine Prämie gestellt. Davon entfielen exakt 6117 Anträge auf Elektroautos und 4716 auf Plug-in-Hybridmodelle. Nur 5105 Anträge stellten Privatpersonen, der Rest stammt vorwiegend von Unternehmen. Das liegt ganz weit unter den minimalen Erwartungen der Bundesregierung.

Der Blick über den Tellerrand

Wie sauber sind eigentlich Elektroautos? Um diese Frage zu beantworten, ist ein Blick lediglich auf die Abgaswerte mehr als unzureichend. Bereits die Herstellung des Elektrofahrzeugs ist schon das Problem. Im Vergleich zu PKWs mit Verbrennungsmotor fallen im Rahmen der Produktion des Elektromobils bis zu 60 Prozent mehr CO2-Emissionen an. Dieser Wert ist stark vom Fahrzeugmodell und der Klasse abhängig sowie der Dimensionierung und der Technologie des verwendeten Batteriesystems. Das ergibt eine Studie, die das Fraunhofer-Institut für Bauphysik im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums verfasst hat. Im Fokus der Studie stand hierbei die komplette Klimabilanz, die man möglichst vollständig – vom Abbau der Rohstoffe bis hin zum Recycling des abgewrackten Fahrzeugs – abbilden wollte. Besonders die Batterien kamen hierbei so gar nicht gut weg. Die in den Akkus verbauten Hightech-Materialien werden durch aufwendige und energieintensive Herstellungsprozesse gewonnen und zudem in Ländern abgebaut, die es mit dem Umweltschutz nicht so genau nehmen. Beispiel Neodym: Dieses Material aus der Familie der sogenannten Seltenen Erden macht – einfach gesprochen – Magnete noch sehr viel magnetischer. Verwendung findet das Material in den verwendeten Elektromotoren. Und abgebaut wird dieses seltene Material hauptsächlich in China. Beim Abbau entstehen hochgiftige, radioaktive Abfallprodukte.

Ein weiteres Manko im Bereich der Umweltbilanz von Elektroautos ist die meist angewandte Bauweise in Form von Leichtbau-Karosserien. Die bestehen in aller Regel aus Aluminium. Aluminium gewinnt man in einem hochenergetischen Prozess aus Bauxit. Zurück bleibt ein sogenannter Rotschlamm mit einer giftigen Mixtur aus unterschiedlichsten Schwermetallen und Natronlauge. Ein Großteil der Bauxit-Vorkommen befindet sich unglücklicherweise in den tropischen Regenwäldern unserer Erde – keine guten Voraussetzungen für eine in den Startlöchern stehende Industrie! Übrigens: Herkömmliche Autos haben die gleichen Umweltprobleme, wenn man diesen ein »Aluminium-Kleid« verpasst.

Kaum verringerter CO2-Ausstoß

Auch was die Umweltfreundlichkeit betrifft, sollte man einmal einen etwas globaleren Blick wagen. Zwei Drittel des Stroms, der die Batterien der Elektroautos weltweit laden soll, kommt aus fossilen Energiequellen. Genauer gesagt: 40 Prozent Kohle, 25 Prozent Gas, fünf Prozent Öl und nur 19 Prozent aus regenerativen Energiequellen. Und den Rest besorgen Atomkraftwerke! Und schon ist die sooft herbeizitierten null CO2-Emissionen futsch beziehungsweise nicht wirklich besser, als jene der benzin- oder dieselbetriebenen PKWs. In China ist die Lage sogar noch dramatischer, da hier die Energiegewinnung zu 85 Prozent aus Kohle kommt.

Elektroauto
Elektroautos sind nur dann sauber, wenn der Strom zum Laden der Batterien zu fast einhundert Prozent aus Ökostrom kommt.

Das lässt nur einen logischen Schluss zu: Sollen Elektroautos massiv zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes beitragen, muss der Strom auch zu nahezu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen.

Stärkt den öffentlichen Nahverkehr!

Es gibt nur einen sinnvollen Weg aus der CO2-Misere – öffentliche Verkehrsmittel! Die Bahn ist in Sachen CO2-Bilanz immer noch ungeschlagen, und zwar in positiver Hinsicht. Vor allem dann, wenn die Bahn dann auch noch mit Ökostrom betrieben werden sollte. Die Politik muss dringend dafür sorgen, das Schienennetz im Fern- und Nahverkehr auszubauen bzw. Massiv zu sanieren. Besonders ländliche Regionen müssen wieder an das Schienennetz angeschlossen werden. Leider ist der Trend derzeit eher umgekehrt!

»Viele Menschen denken, dass die Elektromobilität die konventionelle Mobilität auf lange Sicht ablösen wird. Dieser Meinung bin ich nicht«, erklärt Dr. Michael Held, seines Zeichens Leiter der Arbeitsgruppe Energie und Mobilität am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP. »Vielmehr muss sich eine stärkere Vernetzung der Verkehrsmittel ergeben, in deren Rahmen sich Elektro- sowie konventionelle Mobilität dort ergänzen, wo es Sinn macht.«

Download der Fraunhofer-Studie »abschlussbericht: bewertung der Praxistauglichkeit und umweltwirkungen von elektrofahrzeugen«

Pressemeldung des Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP.

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