Saubere Luft dank »Photoment«

_mg_9273Großstädte haben ein gewaltiges Problem: Der Stickstoffdioxid-Ausstoß nimmt erschreckende Ausmaße an. Neben zukunftsträchtigen Lösungen, wie etwa gigantischen Luftfilteranlagen, trägt die Materialforschung vielleicht zur Lösung des Problems der »schlechten« Luft bei. Der neuartige Betonzusatzstoff »Photoment«, in Pflastersteine und Häuserfassaden verbaut, soll dank der photokatalytischen Aktivität gesundheitsschädliche Stickoxide direkt aus der Luft herausfiltern. Ein Schritt näher zur »gesunden grünen Großstadt«?! Immerhin überzeugte der Zusatzstoff die Jury »GreenTec Awards« im letzten Jahr, die ihn mit einem Award auszeichnete, und zwar in der Kategorie »Urbanisierung«.

2015 bekam die Bundesrepublik bzw. Bundesregierung einen Denkzettel aus Richtung Brüssel: Die EU-Kommission leitete gegen Deutschland ein Vertragverletzungsverfahren, wegen der seit Jahren anhaltenden Überschreitung des Grenzwertes von 40 μg pro Kubikmeter für den Luftschadstoff Stickstoffdioxid (NO2), ein. Insgesamt war die Stickstoffbelastung in mehr als 29 Regionen Deutschlands deutlich zu hoch – dazu zählten die meisten Großstädte wie etwa Berlin, Hamburg, Stuttgart, München, Köln, Frankfurt und Dortmund. Bisher gab es aber nur ein Mahnschreiben, jedoch keine weiteren formellen Schritte. Aber dies scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Setzt die EU das Vertragverletzungsverfahren in Kraft, könnten auf einzelne Städte und Kommunen Strafen von bis zu 50.000 Euro pro Tag und Ort zukommen. In Zeiten knapper kommunaler Kassen ein Fiasko! Das Bundesumweltministerium schreibt den zu hohen Feinstaub- und Stickstoffdioxidwerten mehr als 45.000 Todesfälle in Deutschland pro Jahr zu. Insbesondere der Autoverkehr ist Verursacher des Schadgases und demzufolge der zu hohen Luftbelastung in insgesamt 33 der bundesweit untersuchten Stadtbereiche.

Das Bundesumweltministerium sieht in der Ausweitung der Umweltzonen die Lösung des Problems. Doch ist es das wirklich? Wohl kaum! Vergrößerte Umweltzonen, Verkehrsverlangsamungen oder gar Fahrverbote sind bei der Bevölkerung unpopuläre Maßnahmen mit nur geringen Erfolgsquoten von. Und besonders in Wahljahren, wie 2017, ist wohl kaum mit einer massiven Ausweitung von Umweltzonen zu rechnen. Also, wo liegt der Ausweg aus der Stickoxid-Misere? Vielleicht in neuen Technologien bzw. Baustoffen, wie den Betonpflastersteinen mit dem Zusatzstoff Photoment, der in der Lage sein könnte, die Schadstoffbelastung in den Ballungsräumen bzw. Hotspots merklich zu verbessern.

Der Hightech-Betonzusatzstoff, den die STEAG Power Minerals in Kooperation mit KRONOS – einem der weltweit größten Hersteller von Titandioxid – entwickelt hat, kann jedem handelsüblichen Betonpflasterstein zugesetzt werden. Das Licht löst in dem neuen Baustoff photokatalytische Prozesse aus und das ohne zusätzlichen Energieaufwand. Zum Vergleich: Eine Fläche mit Photoment-Steinen von der Größe eines FIFA-Fußballfeldes ist in der Lage, pro Stunde 17 Gramm Stickoxide aus der Atemluft zu entfernen und diese völlig unschädlich zu machen. Dabei kann Photoment lokal an den besonders belasteten Innenstadtbereichen verlegt werden und so die Luftbelastung direkt an besonders NO2-kritischen Stellen reduzieren. Photoment wandelt mit Hilfe der UV-Strahlung Stickoxide, aus denen sich Ozon und damit der gefürchtete Smog bilden kann, in Nitrate um. Diese wiederum werden dann mit dem nächsten Regen aus dem Beton in den Boden gespült. Die Mengen sollen so gering sein, dass sie keine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Zudem weisen photokatalytische Oberflächen einen weiteren Effekt auf: Die photokatalytische Reaktion generiert auf den Pflastersteinen eine sogenannte superhydrophile Oberfläche. Diese Oberfläche erschwert den Bewuchs mit organischen Substanzen sowie Verschmutzungen. Der Stein bleibt länger sauber und reinigt sich selbst. Die TU Berlin hat die Entwicklung wissenschaftlich begleitet, der TÜV-Nord bestätigte die photokatalytische Wirkung des Zusatzes.

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Photoment stellt für die deutschen Kommunen eine direkte Möglichkeit dar, um auf den zunehmenden Druck aus Brüssel zu reagieren. Denn jede Kommune hat es selbst in der Hand, die Stickstoffdioxid-Belastung zu senken: Die Gehwege, Straßen und Plätze in den Städten zu Luftfiltern umzubauen, ist schon heute möglich. Und trotzdem ist Photoment nur ein Tropfen auf den heißen Stein und befreit uns keinesfalls davon weiterhin den Ausstoß von Stickstoffdioxid massiv zu vermindern. Denn schließlich ist es mit Sicherheit keine Lösung Städte mit den neuen Steinen zuzupflastern und dann weiter so zu machen, wie bisher. Also kein Freifahrtschein!

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1 Kommentar

  1. apropos saubere luft:
    unsere massentierhaltung ist für mehr als die hälfte aller globalen co2 emissionen verantwortlich, somit ist unser fleischkonsum hauptverursacher des durch den menschen verursachten klimawandels. die industrielle tierhaltung schadet der erde mehr als jede andere industrie.

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