»Singles´ Day« – Amazons Albtraum

Singles´ DayVergessen Sie den »Black Friday« oder »Cyber Monday« – alles lasche »Umsatzenten«. Was am chinesischen Singles´ Day abgeht, bricht alle Verkaufsrekorde, und zwar locker. Alibaba beispielsweise machte in den ersten beiden Minuten des Shopping-Events einen Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar. Der Online-Händler setzte binnen 24 Stunden insgesamt 25,3 Milliarden US-Dollar um und stellt damit die einkaufsstärksten Tage in den USA mal ganz locker in den Schatten. Und das ist nicht alles!

Was geht denn da in China ab? Es gibt einen Tag pro Jahr, an dem Chinesen – natürlich nur jene, die es sich leisten können – in einen regelrechten Einkaufswahn verfallen. Es ist der »Singles´ Day« oder auch »Guanggun Jie«, wie die Chinesen dazu sagen. Ursprünglich war der 11.11. ein Tag für Alleinstehende, an dem diese gefeiert werden sollten. Das Datum wurde deswegen gewählt, weil die Zahl 1 einen Single symbolisierten sollten. Der Single-Tag wurde und wird von chinesischen Jugendlichen dankbar angenommen. Man organisiert Partys und Blind-Date- und Karaoke-Veranstaltungen, um Freundschaften zu schließen oder/und bestenfalls sich zu verlieben. Seit der 1990er-Jahre feierte man diesen Tag an verschiedenen Universitäten in Nanjing. Studenten, die die Universität verließen, haben den Brauch mittlerweile landesweit etabliert. Das Internet erwischt sich auch hier einmal mehr als Katalysator, die Tradition weltweit bekannt zu machen.

Chinas Wirtschaft mit dem richtigen Riecher

Chinesische Unternehmen sahen in dem Feiertag ihre Chance. Sie nutzten den Partytag dazu, die jungen Leuten in den verschiedensten Party-Locations mittels Werbung anzusprechen. Das Konzept ging auf – der Singles’ Day ist inzwischen der größte Onlineshopping-Tag weltweit. Am meisten profitierte davon Alibaba.com. Die Alibaba Group Holding Limited ist ein Unternehmen mit Sitz in Hangzhou, betreibt eine gigantische Online-Shopping-Plattform sowie das Online-Auktionshaus Taobao. Am Unternehmen beteiligt sind unter anderem Yahoo und Softbank. Bereits am 11.11.2014 setzte man an einem einzigen Tag Waren im Wert von umgerechnet 7,4 Milliarden US-Dollar um. Im darauffolgenden Jahr brach man bereits zur Mittagszeit die Marke von 10 Milliarden US-Dollar. Insgesamt erzielte man an diesem Tag 14,3 Milliarden US-Dollar Umsatz. Interessant und ein Indiz für die Bedeutung des mobilen Internets in China ist die Tatsache, dass davon 9,8 Milliarden Dollar über mobile Geräte generiert wurden.

Singles´ Day
Am Singles´ Day shoppt der Chinese, was das Zeug hält!

Am Singles´ Day 2016 wurde der alte Rekord erneut eingestellt. Der Umsatz an diesem einzigen tag betrug 17,8 Milliarden US-Dollar. Selbst der Gesamtumsatz von Cyber Monday 2016, Black Friday 2016, Thanksgiving 2016 und Amazon Prime Day 2016 zusammengerechnet macht gerade einmal 47 % des Alibaba-Umsatzes am Singles’ Day 2016 aus. Zu Spitzenzeiten gingen pro Sekunde 174.000 Bestellungen ein. Insgesamt verkauften die beteiligten Unternehmen mehr als 710 Millionen Produkte.

174.000 Bestellungen pro Sekunde. Klick um zu Tweeten

Singles´ Day 2017 ein neuer Rekord

Und dieses Jahr? Wie sollte es anders sein, brach man wiederum alle Rekorde. Alibaba.com beispielsweise machte in den ersten beiden Minuten des Shopping-Events einen Umsatz von zwei Milliarden Dollar. Der Online-Händler setzte binnen 24 Stunden insgesamt 25,3 Milliarden Dollar um und stellt damit die einkaufsstärksten Tage in den USA mal ganz locker in den Schatten. Alibabas elektronisches Bezahlsystem Alipay wickelte bereits fünf Minuten nach Mitternacht 256.000 Transaktionen pro Sekunde ab. Alibaba feierte den Shopping-Rausch mit einer gigantischen Party in Shanghai. Auf einer riesigen Leinwand präsentierte man stolz den Umsatz in Echtzeit. Untermalt wurde das Ganze bereits am Vorabend im Rahmen einer Fernsehgala mit Star-Gästen wie etwa Sänger Pharrell Williams, Hollywood-Star Nicole Kidman und die chinesische Schauspielerin Fan Bingbing. Die traten mit Alibaba-Chef Jack Ma – einem ehemaligen Lehrer – auf, um die Werbetrommel für den kommenden Shopping-Tag zu rühren.

Schnaps bis ans Lebensende

Auch ein anderer chinesischer Internet-Händler räumte kräftig ab. JD.com verkaufte allein in den ersten 30 Minuten nach Mitternacht beispielsweise Klimaanlagen im Wert von 65 Millionen Euro. 150.000 Rasierer und 100.000 Mikrowellen wanderten innerhalb einer Stunde über die virtuelle Ladentheke.

150.000 Rasierer und 100.000 Mikrowellen in einer Stunde verkauft. Klick um zu Tweeten

Aber nicht nur Elektronik ging über den Verkaufstresen: 16 Tonnen Frischwaren, darunter zwei Millionen Krabben, verschickte der Konzern nach eigenen Angaben am Samstag an seine Kunden. Mehr als sechs Millionen Pakete waren bis zum Nachmittag auf dem Weg. Eine logistische Meisterleistung! Für weltweite Aufmerksamkeit in den sozialen Medien sorgte das Angebot eines chinesischen Schnapsherstellers. Der versprach seinen Kunden für 11.111 Yuan (umgerechnet ca. 1.500 Euro) einen lebenslangen Schnapsvorrat.

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