Super-Erreger auf dem Vormarsch – Antibiotika machtlos

AntibiotikaEin neues E-Coli-Bakterium ist gegen jede Antibiotika-Variante resistent. Es ist der Albtraum, den Wissenschaftler schon seit langer Zeit vorhersagen. Das Bakterium verfügt über ein spezielles Gen, »MCR-1« genannt, das den Keim gegen alle bekannten Antibiotika-Behandlungsmethoden immun macht. Die Alarmglocken schrillen weltweit. Pessimisten befürchten eine »postantibiotische Ära« – also eine Zeit in der Antibiotika bei Blutvergiftungen und Entzündungen nicht mehr wirken. Ein Landwirtschaftsschädling könnte Abhilfe schaffen, den Super-Erreger zu bekämpfen.

Der Super-GAU ist eingetreten: In den Vereinigten Staaten starb eine 70 Jahre alte Patientin an einem superresistenten Bakterium. Die ältere Dame hatte eine Infektion mit Klebsiella pneumoniae, einem Keim, den sie aus Indien eingeschleppt hatte. Dort lag die Amerikanerin mit einer schweren Entzündung nach einem Oberschenkelbruch längere Zeit im Krankenhaus. Als sie im August 2016 nach Reno verlegt wurde, war es bereits zu spät. Keines der 26 in den USA zugelassenen Antibiotika zeigte noch eine Wirkung. Sie starb schließlich an der Infektion, nachdem selbst das Reserveantibiotikum Colistin nicht helfen konnte. Auch Antibiotika aus der Klasse der Carbapeneme erwiesen sich als völlig wirkungslos. Beim US-Seuchenzentrum CDC schrillten die Alarmglocken.

Es ist der Fall der Fälle, vor dem Wissenschaftler seit geraumer Zeit warnen. Schon viele Jahre ist bekannt, dass unterschiedliche Bakterienstämme zunehmend resistent gegen unterschiedliche Antibiotika geworden sind. Manche Bakterien geben ihre Abwehrstrategie leicht an andere Keime weiter. Auch in Deutschland gibt es hierzu erste alarmierende Hinweise. Und die Schuldigen sind auch schon gefunden: Die einst hochwirksamen Medikamente wurden und werden verstärkt in der Landwirtschaft und Medizin sehr häufig unbedacht und vor allem zu oft eingesetzt. Das Ergebnis ist, dass Bakterien zunehmend Resistenzen aufbauen.

Und wer erst einmal solche resistenten Bakterien trägt, der hat ein sehr hohes Risiko, dass selbst bei einer leichten Wunde, diese Bakterien ins menschliche Gewebe gelangen und Entzündungen sowie Blutvergiftungen auslösen können. Der Super-GAU für jeden behandelnden Mediziner! Normale Antibiotika versagen dann und man muss auf sogenannte Reserveantibiotika zurückgreifen. Ihr Einsatz ist nur im absoluten Notfall erlaubt. Aber auch diese Reserveantibiotika wirken heutzutage immer seltener gegen resistente Bakterien.

Der Übeltäter trägt die Bezeichnung MCR-1

Wissenschaftler arbeiten fieberhaft daran abzuklären, warum Colistin bei der verstorbenen US-Patientin unwirksam war. Und ein Schuldiger scheint identifiziert – es ist das »MCR-1-Gen«. Dieses Gen macht Bakterien unempfindlich gegen das Reserveantibiotika Colistin. Das Gen sitzt auf den Plasmiden der Bakterien, die als frei bewegliche DNA-Moleküle äußerst mobil sind. Als ob das für sich allein nicht schon schlimm genug wäre, kann das MCR-1-Gen von einem Bakterienstamm zum nächsten weitergegeben werden. Somit besteht die reale Gefahr, dass viele Bakterienstämme gegen das Antibiotikum resistent werden. In Deutschland wurde bereits im Jahre 2010 eine Resistenz von Schweinen und Rindern gegenüber Colistin nachgewiesen. Alle Tiere hatten gemein, dass man sie im Vorfeld massiv mit Colistin behandelt hatte.

Antibiotika
Das Escheria coli-Bakterium, in welchem MCR-1 erstmals identifiziert wurde. © Rocky Mountain Laboratories

Der afrikanische Baumwollwurm aus Ausweg?

Der afrikanische Baumwollwurm (Spodoptera littoralis) ist ein besonders im Mittelmeerraum weit verbreiteter Landwirtschaftsschädling erster Güte. Und ausgerechnet auf diesen gefürchteten Zeitgenossen setzen Forscher ihre Hoffnungen als Alternative zu den unwirksamen Antibiotikastämmen. Im Darm des Baumwollwurms findet sich ein sehr interessantes Bakterium – Enterococcus mundtii. Dieses Bakterium sondert eine chemische Substanz ab, die konkurrierende Bakterien tötet. Die Substanz haben Forscher vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung in Jena identifiziert. Es ist das Peptid Mundticin KS und gehört zur Familie der Bacteriocinen – ein körpereigener Stoff, der im Darm des afrikanischen Baumwollwurms produziert wird. Forscher hoffen hier die Basis für eine neue Form von Antibiotika für Menschen auf natürlicher Basis gefunden zu haben.

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