»The Hidden« – die versteckten Frauen der NASA

Katherine Johnson
© NASA; restored by Adam Cuerden

20. Februar 1962, Cape Canaveral Air Force Station, Florida. Kurz bevor der amerikanische Astronaut John Glenn einen Fuß in die Mercury Atlas 6 setzte, um mit seiner Mission »Friendship 7« als erster Amerikaner die Erde zu umkreisen, hatte er eine Bedingung: »Lasst das Mädchen die Zahlen checken. Und wenn das Mädchen sagt, sie sind gut, bin ich bereit.« Und die Zahlen waren gut – Glenn umkreiste die Erde drei Mal. Die Mission dauerte vier Stunden, 55 Minuten und 23 Sekunden.

 

Mit »Mädchen« war keine andere gemeint als Katherine Johnson – eine 43jährige, hochtalentierte Mathematikerin in Diensten der NASA. Im Jahre 1962 war das eine extreme Ausnahme, auf welche die NASA keinesfalls Stolz war. Frauen hatten in der Männer-dominierten Welt der Raumfahrt nichts zu suchen und schon mal gar keine farbigen Frauen. Und dennoch, verzichten konnte man auf den kleinen Kreis von Wissenschaftlerinnen nicht, die für die NASA arbeiteten. Sie führten immens komplexe Berechnungen für Flugkurven durch – und das lediglich mit Papier, Bleistift und einfachsten Rechenmaschinen.

»Lasst das Mädchen die Zahlen checken. Und wenn das Mädchen sagt, sie sind gut, bin ich bereit.«… Klick um zu Tweeten

Seit den dreißiger Jahren beschäftigte die NASA-Vorgängerbehörde NACA (National Advisory Committee for Aeronautics) mehrere Dutzend Frauen, die Daten aus Windkanalversuchen auswerteten, um das Flugverhalten diverser Flugzeuge zu optimieren. Im Jahre 1941 dann der unvorstellbare Paukenschlag: Der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt verdonnerte die Luftfahrt- und Kriegsindustrie dazu, die Benachteiligung Schwarzer in der Produktion und Forschung aufzuheben. Maßgeblich für den Gesinnungswandel war wohl Roosevelts Gattin Eleanor Roosevelt, die sich massiv für die Gleichberechtigung in den USA engagierte (siehe hierzu auch »Tuskegee Airmen – die vergessenen Helden«). Da es nun einmal nicht mehr anders ging holte sich das Langley Forschungslabor der NACA in Hampton eine kleine Gruppe afroamerikanischer Frauen von »schwarzen« Universitäten. Darunter auch Katherine Johnson.

Katherine Johnson
»Lasst das Mädchen die Zahlen checken. Und wenn das Mädchen sagt, sie sind gut, bin ich bereit.« © NASA

Die heute 99jährige arbeitete bis dato als Mathematiklehrerin, hatte aber lebenslang den Wusch gehabt, in die Forschung zu gehen. Sie war besessen von Zahlen und der Mathematik. »Schon als kleines Kind hab ich alles gezählt, die Schritte zur Schule, die Stufen zur Kirche, die Teller und das Besteck, das ich abwusch. Und Johnson war eines jener Wunderkinder, die nur alle Jubeljahre das Licht der Welt erblickten. Mit 14 Jahren machte sie ihren Highschool-Abschluss und mit 18 konnte sie das erste Mathematik-Diplom vorweisen.

Hochbegabt und trotzdem ungeliebt

Und dann kam das Angebot vom Langley-Labor. Für Johnson ging ein Traum in Erfüllung. Natürlich griff das junge Mädchen zu – es war die Chance ihres Lebens, trotz widriger Arbeitsumstände. Die neuen schwarzen Kolleginnen mussten im Verborgenen arbeiten, separate Toiletten und Aufenthaltsräume nutzen – trotz offizieller Aufhebung der Trennung nach Rassen durch Roosevelt. Erstaunlich war auch die Tatsache, dass die weißen Forscherinnen über ein Jahrzehnt nichts von ihren farbigen Kolleginnen gewusst haben. Angeblich! Erst in den 50er-Jahren wurden die ethnisch getrennten Forschergruppen vereint.

Katherine Johnson arbeitet bis in die Achtziger Jahre hinein für die NASA. Und trotz des schweren Starts für die farbigen Wissenschaftlerinnen war es für sie der beste Job auf Erden. Sie selbst sagte einmal, dass es nicht einen einzige Tag gab, an dem sie nicht gerne zu Arbeit fuhr. Johnson war erfolgreich: So berechnete sie beispielsweise viele Apollo-Missionen, auch jene in deren Rahmen Neil Armstrong den ersten Schritt auf den Mond setzte. Für sie ein unvergessliches Ereignis.

Späte Ehrung 

Trotz aller berufliche Erfolge vergaß Johnson niemals ihre Wurzeln. Sie engagierte sich in Gemeinden und Organisationen, die sich für Bürgerrechte und gesellschaftliche Veränderungen einsetzten. Das würdigte Ende 2015 auch US-Präsident Barack Obama. Er verlieh der taffen Wissenschaftlerin die Nationale Freiheitsmedaille. Dabei betonte er im Besonderen die Verdienste Johnson für mehr Geschlechtergleichstellung in der männlich dominierten Luft- und Raumfahrt sowie Gleichberechtigung der Ethnien.

Zudem wurde ihr im Rahmen des US-Films »The Hidden« ein Denkmal gesetzt!

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