Wahl-O-Mat – Apparat mit Nebenwirkungen

Wahl-O-MatDer Wahl-O-Mat, im Jahre 2002 aus den Niederlanden übernommen, um Jungwählern auch hierzulande Lust auf Politik zu machen, ist nicht gänzlich kritiklos zu betrachten. Immer mehr Menschen nutzen die Software im Web, um die jeweilige Wahlentscheidung rational auf Basis von vorkonfektionierten Inhalten zu treffen. An sich eine feine Sache, aber es lauern Fallstricke.

Am 24. September 2017 ist es soweit – die Bundestagswahl zum 19. Deutschen Bundestag findet statt. Glaubt man den Statistiken diverser Umfrageinstitute, weiß die Hälfte aller Deutschen noch nicht, wen sie wählen sollen. Mit 46 Prozent ist der Anteil der unentschiedenen Wähler so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das ergab eine Umfrage des Allensbach-Instituts. Eine Orientierungs- und Entscheidungshilfe bietet seit 2002 der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier ist es politisch interessierten Menschen möglich, den eigenen Standpunkt mit den Wahlprogrammen der Parteien abzugleichen. Am Ende teilt das System dem potentiellen Wähler mit, mit welcher Partei der Wähler die größte Übereinstimmung hat. Soweit, so gut.

Allerdings kann das Ergebnis mehr als ernüchternd sein! Nicht selten stellt man bestürzt fest, dass es im Endergebnis Übereinstimmungen mit politischen Strömungen gibt, die man normalerweise aus vollster Überzeugung ablehnt. Und der Abstand zur angestammten Lieblingspartei hat sich sukzessive vergrößert. Was nun? Ganz einfach: Einfach erneut antworten, aber diesmal mit des Parteiprogramms der Partei, die man präferiert. Man beantwortet die Fragen einfach so lange an, bis das Ergebnis stimmt. Das sollte nicht im Sinne des Erfinders sein.

Wahl-O-Mat

Ein Problem des Wahl-O-Mat ist, dass sich die Parteien ihre Meinung bzw. Aussagen mit dem Ziel stark zurechtbiegen, um näher am Wahl-Mainstream zu liegen. Viele Wähler fassen die Aussagen des Wahl-O-Mat im Endergebnis als Wahlempfehlung auf – besonders jene Wähler, die sich ansonsten nur wenig mit Politik und Parteiaussagen auseinandersetzen, geschweige denn das politische Geschehen regelmäßig verfolgen. Zudem sollte man bedenken, dass ein Parteiprogramm bei weitem nicht alles ist. Schließlich wählt man eine Partei bzw. eine Regierung nicht nur in der Hoffnung, dass das Wahlprogramm umgesetzt wird. Vielmehr erwartet der Wähler einer bestimmten Partei ebenfalls, dass diese flexibel genug ist, sich neuen Gegebenheiten erfolgreich entgegenzustellen.

Bei Benutzung des Wahl-O-Mat sollte der Wähler sich immer vergegenwärtigen, dass die Software keine Wahlempfehlung gibt, sondern zum Nachdenken anregen soll! Wiegen Sie sich nicht in der falschen Gewissheit, dass Sie sich an harten Fakten orientiert und daraufhin eine fundamentierte Entscheidung getroffen hätten! Machen Sie sich ihr eigenes Bild!

Apropos Wahlversprechen und Realität

Wahlversprechen diverser Parteien, Kanzlern und Parteikandidaten sind keine Versprechen im klassischen Sinne zivilrechtlicher Vereinbarungen. Derlei Aussagen dienen hauptsächlich der Befriedung eigener Parteimitglieder und Parteisympathisanten. Wahlversprechen sind nichts weiter als ein Instrument des Wahlkampfes von vielen. Im besten Fall sind Wahlversprechen ein Statement sich – meist nach der Wahl – für eine Problematik einzusetzen. Mehr auch nicht!

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