Wie ein Pelzhändler die Tiefkühlkost erfand

Pelzhändler, Tiefkühlkost»Käpt´n Iglo«, der smarte und graubärtige Seebär mit stets tadellos gebürsteter Uniform, ist hierzulande genauso bekannt, wie der Weihnachtsmann oder die Nationalmannschaft. Eine perfekt platzierte und gut in den Markt eingeführte Marke! Und dennoch: Die Tiefkühlkost hat nicht Iglo, sondern ein gewisser Clarence Birdseye erfunden. Vor 85 Jahren kam der Pelzhändler, Meeresbiologe und Naturforscher auf die geniale Idee Lebensmittel tiefzukühlen, um diese haltbar zu machen. Eine entsprechende Maschine, die sogenannte »Gefriermaschine«, brachte der Tausendsassa bereits 1921 auf den Markt. Es war die Geburtsstunde einer genialen Wirtschaftsidee.

Es brauchte nur mit sieben Dollar, Eis, Salz sowie einem Ventilator mit Elektroantrieb und schon war eine Erfindung geboren, ohne die unser modernes Leben nur sehr schwer vorstellbar wäre. Die Rede ist von Tiefkühlkost und die dafür notwendigen Tiefkühltruhen. Und wer hat´s erfunden? Es war Clarence Birdseye, seines Zeichens US-amerikanischer Pelzhändler, Naturwissenschaftler, Erfinder, Tüftler, Tausendsassa und schräger Zeitgenosse in Personalunion. Aber der Reihe nach und von Anfang an!

Alles begann mit den Forschungsreisen des amerikanischen Meeresbiologen in den Jahren zwischen 1915 und 1922 in die kanadische Wildnis nach Labrador in Neufundland zu den dort ansässigen Inuit. Birdseye war fasziniert davon, wie die Inuit ihren eisigen Lebensraum nutzten, um ihr Hauptnahrungsmittel – den Fisch – zu konservieren. Sie froren ihn einfach ein! Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist, war für Birdseye eine Offenbarung und der Grundstein für eine Idee, die ihn ihm langsam reifte.

Die Inuit hängten ihren frischen Fischfang bzw. die erlegte Beute einfach in den eisigen Wind. Bei bis zu minus 50 Grad gefroren der Fisch und das Fleisch innerhalb kürzester Zeit. Mit dieser Methode kamen die Inuit über den gesamten Winter und das Erstaunliche war, dass die gefrorene Jagdbeute nach dem Auftauen so frisch schmeckte, als wäre sie gerade erst erlegt worden. Und das nach Wochen und Monaten. Birdseye war begeistert und wollte diese Art der Konservierung für seine amerikanischen Landsleute nutzbar machen. Zurück in der Heimat galt es nun eine Möglichkeit zu finden, künstliche Kälte zu erzeugen, die Lebensmittel schnell tiefkühlt. Und zwar ohne jeglichen Geschmacks- und Qualitätsverlust. Eine wahre Aufgabe für einen Tüftler und Erfinder.

Birdseye fand bei diversen Versuchen und Experimenten heraus, dass sich Lebensmittel perfekt bei einer Temperatur von 0 Grad Fahrenheit (minus 17,7 Grad Celsius) haltbar machen ließen. Bei dieser Temperatur kamen die Zellaktivitäten zum kompletten Stillstand, die ansonsten zum Verderb der Lebensmittel geführt hätten. So groß die Vision des Forschers, so gering war sein finanzielles Budget vom zur Verfügung stehenden Equipment einmal ganz abgesehen. Sein »Startup«-Kapital bestand aus sieben Dollar, Eis, Salz sowie einem Ventilator mit Elektroantrieb. Kein Grund für den Erfinder Birdseye die Flinte ins Korn zu schmeißen – aus dem Bestehenden bastelte er die weltweit erste Schockgefrieranlage mit der er Fische, Fleisch, Gemüse und viele andere Lebensmittel in sehr kurzer Zeit einfrieren und konservieren konnte. Im Jahre 1924 entwickelte Birdseye eine professionelle Maschine zum Gefrieren von Lebensmitteln – Kapital hatte er in der Zwischenzeit beschafft.

Tiefkühlkost
Clarence Birdseye – seines Zeichens Forscher, Erfinder und genialer Tüftler. © Birdseye

Glücklicherweise war Birdseye nicht nur ein begnadeter Erfinder, sondern auch ein gewiefter Geschäftsmann. Die Anlage musste vermarktet und der amerikanischen Öffentlichkeit vorgestellt werden. Am 6. März 1930 war es dann soweit: Unter dem Markennamen »Birds Eye Frosted Foods« stellet er der Öffentlichkeit der Kleinstadt Springfield im US-amerikanischen Bundesstaat Massachusetts erstmals tiefgefrorene Lebensmittel vor. Birdseye hatte seine Tiefkühlmaschinen perfektioniert. Die Kundschaft und Industrie waren gleichermaßen begeistert! Dem Siegeszug tiefgefrorener Lebensmittel stand nichts mehr im Wege.

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