Antarktis: Bohrung zum »Lake Mercer« – dem verlorenen See




Die Antarktis hat ein neues Loch, und zwar ein sehr tiefes Loch. Es ist mehr als 1000 Meter tief, nicht sehr breit vom Durchmesser und endet im unterirdischen See »Lake Mercer«. Der ist ein sogenannter verlorener See, der tief unter einen dicken Eisschicht liegt und für Wissenschaftler von immensem Interesse ist. Antarktis: Bohrung zum »Lake Mercer« – dem verlorenen See.

Antarktis: Bohrung zum »Lake Mercer« - dem verlorenen See
© Subglacial Antarctic Lakes Scientific Access (SALSA)

Dank der neuen Bohrung, die den See anzapft, können Forscher nun den verlorenen See erforschen und unterschiedlichste Experimente durchführen. Die sollen vor allem Fragen im Bereich der Geologie und Hydrologie des Sees und seiner subglazialen unberührten Welt beantworten. Zudem hofft man, neue Arten der Flora und Fauna im See zu entdecken.

Antarktis: Bohrung zum »Lake Mercer« – dem verlorenen See

Am 23. Dezember begann das Projekt »Subglacial Antarctic Lakes Scientific Access« (SALSA) damit die Bohrungen zum unter dem Eis liegenden See zu beginnen. Nur drei Tage später erreichten die Forscher ihr Ziel in einer Tiefe von 1.084 Metern. Alles hatte reibungslos und perfekt geklappt. Lake Mercer ist nicht der erste unterirdische See, den Wissenschaftler angezapft haben. 2013 beispielsweise bohrten russische Wissenschaftler ein Loch zum rund 4.000 Meter tiefenden »Wostok-See« und kratzten damit an seinem eisigen Oberflächenwasser. Dann ließen die Russen wieder das Bohrloch zufrieren. Seinerzeit kursierten viele Befürchtungen, dass man mit dem Bohrloch unbekannte und längst ausgestorbene Bakterien auf unsere Zivilisation loslassen würde.

Antarktis: Bohrung zum »Lake Mercer« - dem verlorenen See
© Subglacial Antarctic Lakes Scientific Access (SALSA)

Lake Mercer ist zwar demnach nicht das erste Bohrloch dieser Art, aber trotzdem ist es für die Wissenschaft von starker Bedeutung. Unter anderem versprechen sich die Forscher darüber Klarheit zu erlangen, wie sich das Wasser der Antarktis unter einer so dicken Eiskruste bewegt, ganz zu schweigen vom organischen Kreislauf im See selbst sowie anderen biologischen Prozessen. Zudem möchte man Kenntnisse über die unterirdische Struktur unterhalb des Eispanzers gewinnen. Schon lange vermuten Wissenschaftler, dass es unter dem Eis große Flussströme und kleine Bäche gibt, die eine Vielzahl unterirdischer Seen miteinander verbinden. Sehr viel weiß die Wissenschaft noch nicht über die unterirdischen »Wasserautobahnen« der Antarktis.

Ein Hightech-Bohrer soll für Klarheit sorgen

Okay, sicherlich kann man sich vorstellen, dass es kein leichtes Unterfangen ist, ein so tiefes Loch zu bohren. Der »Bohrer« selbst besteht aus einer stiftgroßen Düse, die erwärmtes Wasser mit der Kraft einer Lokomotive ins Eis spritzt. Ein derartiges Hightech-Gerät verlangt nach Ausrüstung. Tatsächlich wurden mehr als 500 Tonnen Ausrüstung in die Antarktis verschifft. Dazu gehören auch die Unterkünfte bis hin zu den Lebensmitteln der Forscher. Ein Großteil der Geräte hat die Aufgabe das Bohrloch vor Verunreinigungen zu schützen. Klar ist, dass es wenig sinnvoll ist, ein Loch in ein reines Biotop zu bohren, um es dann mit dem Bohrer selbst zu verunreinigen. Das Wasser für die Bohrerdüse gewannen die Wissenschaftler aus dem Eis vor Ort. Es wurde in einem zweiten nahegelegenen Loch gespeichert und zusätzlich mit UV-Licht sterilisiert, bevor es in das Rohr des Bohrers geleitet wurde. Zudem fand eine umfangreiche und sehr aufwendige Filterung statt, um 99,9 Prozent der Partikel aus dem Eis-Gebrauchswasser zu entfernen. Derzeit sind die Forscher damit beschäftigt, ein Gravitationsbohrgerät zu testen. Dabei soll ein sechs Meter langer Metallzylinder aus großer Höhe in das Bohrloch fallen, um sich in den Boden des Sees zu bohren. Anschließend zieht man den Zylinder wieder heraus, um das Sediment zu erforschen. Man darf gespannt sein, was die Wissenschaftler im See und im Boden des Sees entdecken werden.

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