Der 90. Geburtstag Martin Luther King´s




Martin Luther King ist bis heute die wichtigste Symbolfigur der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA. Seine unbeugsame Zielstrebigkeit, seine charismatische Persönlichkeit und nicht zuletzt seine bewegenden Reden haben maßgeblichen zum Ende der Rassentrennung in den USA beigetragen. Geboren wurde der Mann mit Grundsätzen am 15. Januar 1929 in Atlanta. Über Martin Luther King wurde wahrscheinlich bereits alles geschrieben und erzählt. Grund genug anlässlich seines Geburtstages einmal einen Blick zurückzuwerfen, wo sein leidenschaftliches Engagement begann – Stichwort »Montgomery Busboykott«. Der 90. Geburtstag Martin Luther King´s.

Der 90. Geburtstag Martin Luther King´s

Der Baptistenprediger und promovierte Soziologe engagiert sich nicht nur für ein Ende der Rassendiskriminierung: Soziale Gerechtigkeit für alle, Gewaltlosigkeit und insbesondere die Beendigung des Vietnamkrieges sind Anliegen, für die King international hoch geachtet und 1964 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Im eigenen Land aber macht er sich damit viele Feinde. Am 4. April 1968 wird Martin Luther King auf dem Balkon seines Hotels in Memphis erschossen. Um die Hintergründe des Attentats ranken sich bis heute zahlreiche Verschwörungstheorien. Anlässlich seines 90. Geburtstages werfen wir einmal einen Blick zurück zu seinen politischen und bürgerrechtlichen Wurzeln und eine seiner leidenschaftlichsten Begleiterinnen – Georgia Teresa Gilmore.

 

Der 90. Geburtstag Martin Luther King´s

Die »Montgomery Improvement Association« (MIA) wurde am 5. Dezember 1955 von schwarzen Politikern und Gemeindeführern in Montgomery, Alabama, gegründet. Unter der Leitung von Ralph Abernathy, Martin Luther King, Jr. und Edgar Nixon war die MIA maßgeblich an der Führung des »Montgomery-Busboykotts« beteiligt, einer erfolgreichen Kampagne, die die nationale Aufmerksamkeit auf die Rassentrennung im Süden richtete und Martin Luther King landesweit bekannt machte. Es war der Tropfen, der das Fass für viele Afroamerikaner im Dezember 1955 in Montgomery (Alabama) zum Überlaufen brachte – der Fall Rosa Louise Parks. Parks wurde am 1. Dezember 1955 verhaftet, weil sie sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Dieses Ereignis löste den »Busboykott von Montgomery« aus, der als Anfang der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der USA gilt. Der Busboykott von Montgomery richtete sich gegen die Politik der Segregation und Rassentrennung. Alles begann am 5. Dezember 1955, vier Tage nachdem Rosa Parks verhaftet wurde, mit einer Gemeindeversammlung in der »Holt Street Baptist Church«. Das Gotteshaus und der Garten davor waren zum Bersten gefüllt. Tausende Afroamerikaner lauschte gebannt den Plänen eines Busboykotts. Vor allem ein gewisser Dr. Martin Luther King begeisterte die Massen mit seiner mitreisenden Rede. Es war Kings erste Rede als Bürgerrechtsführer und er elektrisierte die Menge. Der Vorschlag eines Busboykotts wurde mit tosendem Applaus und Beifall quittiert. Nur einen Tag später begann die MIA ein riesiges Fahrgemeinschaftsnetz auf die Beine zu stellen, um Druck auf das Stadtbusunternehmen auszuüben. Und es gelang: Insgesamt 381 Tage lang transportierten Hunderte von Autos, Lastwagen und Waggons Demonstranten zwischen 42 Abhol- und Rückgabestellen in der ganzen Stadt. 

Die Unermüdliche – Georgia Teresa Gilmore

Sämtliche Fahrzeuge wurden gespendet, der Unterhaltung des Fahrdienstes jedoch war noch immer sehr teuer – von der Wartung und den Reparaturen einmal ganz zu schweigen. Und genau hier trat Georgia Teresa Gilmore, eine Cafeteria-Köchin, Hebamme und alleinerziehende Mutter von sechs Kindern auf den Plan. Auch sie hatte den Worten Kings in der Kirche gelauscht. »Ich habe mich nie zu sehr für Prediger interessiert«, erinnerte sich Gilmore später, »aber ich hörte ihn in dieser Nacht predigen. Und die Dinge, die er sagte, waren Dinge, an die ich glaubte.« Gilmore wollte unbedingt etwas tun, damit der Busboykott zu Erfolg werden würde. Und, sie hatte eine geniale Idee: Gilmore organisierte ein geheimes Netzwerk farbiger Frauen, die Pfannkuchen, Süßkartoffelkuchen und Teller mit gebratenem Fisch und gedünstetem Gemüse von Tür zu Tür verkauften. Mit dem Erlös aus den Essensverkäufen wollte »Gilmore’s Club«, wie sich die Damen nannten, bei der Bezahlung des Gases, der Versicherung und der Reparaturen, die das alternative Transportsystem am Laufen hielten, unterstützen. Gilmore war eine große, mutige Frau, die wenig Toleranz für Rassismus in der USA ihrer Zeit hatte. Auch Gilmore hatte bereits mehrfach mit Rassendiskriminierung gemacht. Zwei Monate vor Parks Verhaftung hatte ein weißer Busfahrer das Geld für einen Fahrschein zwar angenommen, sie aber nicht befördert, weil sie nicht die Bustür für Farbige genommen hatte. Er zwang sie daraufhin aus dem Bus und trat sie aus dem Bus. Georgia Teresa Gilmore fiel zu Boden. Der Bus fuhr einfach weg.

Der 90. Geburtstag Martin Luther King´s

Die unbesungene Heldin der Bürgerrechtsbewegung

»Georgia ist eine unbesungene Heldin der Bürgerrechtsbewegung«, sagt Thomas E. Jordan, Pastor der Lilly Baptist Church in Montgomery. »Sie arbeitete hinter den Kulissen, um gegen die Rassendiskriminierung in Montgomery zu kämpfen.« Um die Begeisterung der Community für den Boykott aufrechtzuerhalten, veranstaltete die MIA alle zwei Wochen am Montag- und Donnerstagabend Kundgebungen. Und Gilmore war zentraler Bestandteil der Kundgebungen. Sie war eindeutig ein Sympathieträger der Proteste. Und ihre Spenden-Bekanntgaben waren eine Attraktion für sich. Zweimal pro Woche schlenderte die imposante Erscheinung den Gang der Kirche zum Altar hin und sang innbrünstig »Shine on Me« oder »I Dreamt of a City Called Heaven«. Dann schüttete sie die Erlöse der Untergrundküchen der letzten Tage auf ein riesiges Tablett und gab bekannt, wie viel Geld der Club in dieser Woche gesammelt hatte. Daraufhin brach die überfüllte Kirche in ein jubelndes Getöse, Applaus, stampfende Füße und einem Chor von Stimmen aus, die »Amen« und »That’s right« riefen. Die Damen unter Gilmores Fittiche nahmen pro Woche zwischen 125 bis 200 Dollar ein (das entspricht 1.100 bis 1.800 Dollar heutzutage). Gilmore blieb für den Rest ihres Lebens in der Bürgerrechtsbewegung und betrieb eine kleine Küche, deren bester Kunde Martin Luther King Zeit seines Lebens war. Georgia Teresa Gilmore starb am 7. März 1990. 

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