Der beste Schrottplatz überhaupt




Der beste SchrottplatzRudi Klein einen Schrotthändler zu nennen wäre zu wenig – viel zu wenig. Der gebürtige Hamburger war ein besessener Autosammler und er nannte eine der größten Sammlungen attraktiver Oldtimer sein eigen. Soweit so gut, wäre da nicht die Tatsache, dass er seine »Schätzchen« nicht hegte und pflegte, sondern die wertvollen Karossen, darunter auch jene diverser Hollywood-Stars, der Sonne Kaliforniens und Taubendreck überließ, bis nur noch ein Haufen rostiger Schrott übrig war. Klein unterhielt wohl den verrücktesten Schrottplatz auf diesem Planeten – den »Junk Yard Hollywood«.

Der Stadtteil Florence in Los Angeles ist nicht gerade das, was man einen Touristen-Hotspot nennen würde. Hier gibt es jede Menge düstere Ecken, eine hohe Kriminalität und »merkwürdige« Typen. Und genau hier eröffnete der deutsche Auswanderer und ausgebildete Metzger Rudi Klein im Jahre 1971 einen Schrottplatz mit der hübschen Bezeichnung »Porche Foreign Auto Car Dismantling«. Und nein, dass fehlende »S« im Wort Porsche war kein Schreibfehler. Klein wollte keinen Ärger mit der deutschen Edelautobauer-Schmiede bekommen, denn Porsche sah es gar nicht gerne, wenn der Name außerhalb der eigentlichen Bestimmung verwendet wurde. Und bei einem Schrottplatz wäre das wohl zweifelsfrei der Fall gewesen.

Der beste Schrottplatz

Mitten in Los Angeles der Siebziger Jahre begann Klein, sein Schrott-Imperium aufzubauen. Über viele Jahre hinweg sammelte er Luxuswagen, die nur noch Schrottwert hatten. Sein Fokus lag dabei auf Traumautos aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Darunter Schätzchen von Rolls-Royce, Mercedes (SL-Pagoden, 300 SL, 190 usw.), alte BMWs und natürlich Ferrari, Lamborghini und Porsche. Und: Die »toten« Autos sahen schrecklich aus – sie waren ausgebrannt, verbogen und eingedellt. Bemitleidenswert! Aber das störte Rudi Klein nur wenig. Genauso wollte er es!

Der beste Schrottplatz
©Dieter Rebmann

Rudi Klein erwarb seinen ersten Schrott-Luxuswagen im Jahre 1968. Dabei handelte es sich um einen Mercedes Benz 300 SL. Und der gebürtige Hamburger achtete peinlichst darauf, dass es sich tatsächlich um Edelschrott handelte – am besten noch von prominenten Besitzern. So landete beispielsweise der 280er-Mercedes von Burt Lancaster, das Rolls-Royce-Cabrio von Tony Curtis oder der Ferrari 250 LM von Sonny & Cher auf seiner blechernen Halde. Die Stunde des Schrotthändlers schlug während der Ölkrise im Jahre 1974 – Klein kaufte ramponierte Edelkarossen en masse. Allein zwanzig der schon damals in Europa heiß begehrten Mercedes 300 SL hortete er und schickte sie mit satten Gewinnen nach Deutschland zurück. Die Oldtimer-Gemeinde war entzückt. Der Zustand spielte keine Rolle.

Selbst Autohersteller hatten keine Chance

Der Erfolg des Schrottplatzes der Edelautos hielt nicht nur an – er boomte in den achtziger Jahren. Oldtimer-Freunde rannten dem Deutschen die Bude ein. Doch eigentlich wollte Klein nicht verkaufen. Er hatte nicht die geringste Lust Kapital aus seinen zerbeulten Schätzchen zu schlagen. Entweder rief er immens horrende Summen auf, die meist anstandslos gezahlt wurden oder er wimmelte die potentiellen Käufer schlichtweg mit der Begründung an, dass er die Autos selbst restaurieren wollte. Eine absurde Behauptung in Anbetracht der Menge des Schrotts. Selbst BMW, Audi, Porsche und Mercedes Benz bissen bei dem eigenwilligen Autosammler auf Granit. Nur bei Audi machte Klein eine Ausnahme – er hatte wohl an Piëch einen Narren gefressen. »Nur der Piëch, der kriegt was von mir. Der Piëch ist der Einzige, der was von Automobilen und Technik versteht«, soll er einmal gesagt haben. Und in der Tat überließ er Piëch einen Horch 780 (jenes Auto, das wohl die Hitler-Geliebte Eva Braun gefahren haben soll sowie einen Horch 855). Beide Autos stehen heute im Audi-Museum Ingolstadt.

der beste Schrottplatz
©Dieter Rebmann

Als Klein 2001 starb war sein Schrottplatz auf 16.000 Quadratmeter angewachsen. Auf der ungeheuer großen Fläche gammelten Schätze der Auto-Geschichte unter einer zentimeterdicken Schicht von Taubenkot und Großstadtdreck vor sich hin. Der Autoschatz war unfassbar wertvoll. Klein soll allein 200 Porsche 356 besessen haben sowie unbezahlbare Kostbarkeiten wie die 1935er-Mercedes-Benz 500K Roadster-Limousine von Rudolf Caracciola. Seine Söhne haben nach dem Tod einen Großteil der Schrottsammlung verkauft.

Wer noch tiefer in die interessante und faszinierende Welt des Rudi Klein eintauchen möchte, dem sei das außergewöhnliche Buch »Junk Yard: Traumautos auf dem Edelschrottplatz« der Autoren und Fotografen Dieter Rebmann und Roland Löwisch ans Herz gelegt.

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