Die geheime U-Bahn des Alfred E. Beach




geheime U-Bahn des Alfred E. BeachDer Mann hatte Visionen. 1870 versuchte Alfred Ely Beach eine U-Bahn in New York City unterhalb des Broadway zu bauen. Blöd nur, dass die Strecke genau unterhalb der City Hall verlief und kein einziger Regierungsbeamter von dem Bauvorhaben etwas mitbekommen hat, geschweige denn dies jemals genehmigt hätte. Und: Der pfiffige Erfinder hatte einen außergewöhnlichen Antrieb für seine U-Bahn vorgesehen.

 

Offiziell gilt das Jahr 1904 als Datum der U-Bahn-Eröffnung in New York. Doch ein Tausendsassa und Erfinder buddelte bereits 1870 im Verborgenen im New Yorker Untergrund herum, um den Traum einer unterirdischen Bahn in die Tat umzusetzen. Sein Name: Alfred E. Beach. Diesen Herren lediglich einen »schnöden« Hinterhof-Erfinder zu bezeichnen wäre maßlos untertrieben. 1846 kaufte Beach und ein Partner namens Munn die ein Jahr zuvor gegründete populärwissenschaftliche Zeitschrift »Scientific American«. Als Verleger verdiente Beach die »Brötchen«, um seiner Leidenschaft – dem Erfinden – nachzugehen. Zudem gründeten Munn und Beach eine sehr erfolgreiche Agentur für Patente. Hier ließ Alfred E. Beach eine Vielzahl seiner Erfindungen patentieren, darunter den Vorläufer der heute gängigen Blindenschreibmaschine. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg betrieb er zudem in Savannah das sogenannte »Beach Institute«, eine Schule für befreite Sklaven. Beach engagierte sich in vielen Bereichen, doch schon frühzeitig keimte in ihm eine Idee heran, die ihn nicht wieder loslassen sollte – die Vision einer U-Bahn unter dem Broadway in New York.

Der Broadway braucht eine U-Bahn

Schon im Jahre 1869 hatte New York mit Verkehrsproblemen zu kämpfen. Das Verkehrsaufkommen, speziell auf dem Broadway, stieg von Monat zu Monat an. Um der Situation Herr zu werden, schlug Beach den städtischen Politikern den Bau einer U-Bahn nach Londoner Vorbild vor. Beach war ein begeisterter Bewunderer der 1863 eröffneten »Metropolitan Railway« in der Hauptstadt des britischen Königreiches. Eines störte ihn jedoch – es waren die Dampflokomotiven, welche die U-Bahn antrieben. Beach setzte auf eine andere, eine sehr viel saubere Technik für seine U-Bahn. Der pfiffige Erfinder setzte auf Pneumatik, also Druckluft. Aus heutiger Sicht ein höchst innovativer und umweltfreundlicher Gedanke. Schon seit vielen jähren interessierte sich Beach für Rohrpostsysteme zur Beförderung von Briefen und Pakten. Und genau hierfür erhielt er vom Staat New York eine Konzession zum Bau einer 95 Meter langen Rohrpostleitung unterhalb des Broadways. Die Bauarbeiten begannen 1869.

geheime U-Bahn des Alfred E. Beach
© New York Historical Society, Bildnummer 70265

Wenn aus einer Rohrpost eine U-Bahn wird

Alfred E. Beach war ein Schlitzohr. Während der Bauarbeiten entschied er sich kurzerhand auf die Rohrpoststrecke zu verzichten und an deren Stelle eine Vorführstrecke für sein Traumprojekt einer pneumatisch betriebenen U-Bahn einzurichten, und zwar direkt unter dem Broadway zwischen der Warren Street und der Murray Street. Das Projekt bekam auch einen Namen – der »Beach Pneumatic Transit«. Beach wusste genau, dass er für dieses Vorhaben niemals eine Bauerlaubnis bekommen hätte, geschweige denn finanzielle Mittel. Also musste er das Projekt erst einmal selbst finanzieren. Kein Problem für den vermögenden Verleger und Erfinder. Er hoffte, sobald die Politiker sein Werk sahen, würden sie für die Subway stimmen und diese auch weiter ausbauen. Beach und seine Mannen ackerten 58 anstrengende Nächte an der Ecke Ecke Broadway und Murray Street im Keller des »Devlin’s Clothing Store«, den Beach angemietet hatte. Dann war der Tunnel fertig. Der Beach Pneumatic Transit wurde am 26. Februar 1870 eröffnet. Um eine positive Atmosphäre für die Öffentlichkeit und weiteren potentiellen Geldgebern sowie den städtischen Politikern zu schaffen, richtete er die Station mit Kronleuchtern, einem Klavier, Springbrunnen sowie einem Aquarium ein. Die knapp einhundert Meter lange Strecke der U-Bahn kostete Beach rund 350.000 US-Dollar.

geheime U-Bahn des Alfred E. Beach
© Museum of the City of New York. 42.314.142

Die Presse war begeistert. Der Andrang des neugierigen Publikums war immens. Jeder wollte für 25 Cent einmal mit der neuen U-Bahn fahren, wenn auch nur weniger Meter. Beach schien am Ziel und verkündete jedem, der es hören wollte, dass er die Bahn bis zum Central Park erweitern wolle, um täglich mehr als 20.000 Personen zu befördern. Doch nicht alle Gäste waren so euphorisch und wohlgesonnen.

Die Politiker sind sauer

Die Politiker New Yorks waren stinkesauer, da sie von der Untergrundbahn zu ihren Füßen nicht gewusst hatten bis zum Tag der Eröffnung. Und sie ließen das Beach deutlich spüren. Das hielt den Erfinder jedoch nicht davon ab, einen Gesetzesvorschlag einzureichen. Der sah vor, die U-Bahn zu einem Preis von 5 Millionen-US-Dollar zu erweitern. Die Summe würde privat finanziert aufgebracht werden. Eine waghalsige Aussage, den von potenten Geldgebern war weit und breit keine Spur auszumachen. Und: Beach hatte einen mächtigen Feind – Senator William Tweed. Der war höchstpersönlich beleidigt von Beachs geheimen Bauvorhaben und entschlossen den Erfinder und Verleger zu ruinieren. Tweed und seine Kumpanen aus der »Tammany Hall« unterzeichneten tatsächlich ein Gesetz. Für 80 Millionen US-Dollar plante man nun den Bau von Hochbahnen in New York City. Das Geld sollte aus der Staatskasse kommen. Beach war am Boden zerstört. Irgendwann keimte jedoch wieder etwas Hoffnung auf, als Senator Tweed wegen Korruption verhaftet wurde. Er reichte einen zweiten Gesetzesvorschlag ein. Der aber wurde wiederum von den Großgrundbesitzern  entlang des Broadway torpediert. Immobilienbesitzer wie Alexander Turney Stewart und John Jacob Astor III. Behaupteten, der Tunnelbau würde ihre Gebäude beschädigen sowie den Straßenverkehr beeinträchtigen. Beach war ruiniert und schloss seine geheime U-Bahn. Der Traum war ausgeträumt. Sein Beach Pneumatic Transit geriet in Vergessenheit. Die jetzige City Hall Station bei den Linien N und R enthält Teile des originalen Tunnels von Beach. Eine Gedenktafel, von der 1932 noch berichtet wurde und die Leistung von Alfred E. Beach erinnern sollte, existiert heute nicht mehr.

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