Die tödliche Sirup-Flut von Boston




Am 15. Januar 1919 sterben in Boston 21 Menschen auf eine schreckliche Art und Weise, 150 Menschen werden verletzt. Der Grund ist die Explosion eines riesigen Sirup-Tankes. Durch die Straßen Bostons bahnt sich eine gigantische Welle von 40 Fuß Höhe (umgerechnet 12 Meter) aus Sirup ihren Weg und hinterlässt eine tödliche Spur der Verwüstung. Die einzige Spur, die dieses Ereignis bis heute hinterlassen hat, ist eine kleine Gedenktafel, die in eine Wand in der Nähe des Boston Harbor eingelassen ist. Die tödliche Sirup-Flut von Boston.

Die tödliche Sirup-Flut von Boston
Die tödliche Sirup-Flut von Boston am 15. Januar 1919. © Library of Congress/LC-DIG-anrc-14968

Die tödliche Sirup-Flut von Boston ist eine Tragödie, und zwar auf ganz vielen Ebenen. Sie lehrt uns auch heute noch viele Dinge über unternehmerische Verantwortung und Fahrlässigkeit, über Einwanderungspolitik und Entrechtung sowie über menschliche Tapferkeit und unendliches Leiden. Boston als Stadt möchte diesen Schandfleck ihrer Geschichte am liebsten ausmerzen, aber es gibt viele Menschen, die versuchen, die Katastrophe wieder an ihren rechtmäßigen Platz in der Geschichte Bostons zurückzuführen.

Die tödliche Sirup-Flut von Boston

In den 1910er Jahren wurden Millionen von Gallonen Melasse (Sirup) aus Puerto Rico, Kuba und Westindien Richtung Boston verschifft. Der Sirup war Eigentum der Firma »United States Industrial Alcohol (USIA)«. Das Geschäft lief prächtig und erreichte nie dagewesene Umsätze und Gewinne, als der Erste Weltkrieg in Europa begann. Melasse wurde als Grundstoff für Alkohol verwendet, der wiederum für die Herstellung von Dynamit und Munition jeglicher Art benötigt wurde. Die USIA brauchte einen Ort, an dem sie die extrem klebrige Melasse lagern konnte, bevor diese in die entsprechenden Destillerien in Cambridge, Massachusetts, transportiert wurde. Also beschloss man, einen gigantischen vierstöckigen Stahltank zu bauen. Und dieser wurde mitten in der City Bostons, und zwar im »North End« errichtet – ein Viertel, das vorwiegend aus italienischen und irischen Einwanderern bewohnt wurde und zu einem der am dichtesten besiedelten Stadtviertel Bostons zählte. Um Kosten zu sparen, baute man den Tank in aller Eile aus minderwertigem Material. Zudem war die Konstruktion eine einzige Katastrophe. Ständig musste der Tank gekittet werden, da er undicht war. Die USIA lackierte daraufhin den Tank mit brauner Farbe, um die heraustretenden Tropfen Melasse zu tarnen.

Die tödliche Sirup-Flut von Boston
Der riesige Sirup-Tank mitten in einem der Bostoner City. © Stephen Puleo and the Bostonian Society/Old State House

Am 15. Januar 1919 nahm die Katastrophe ihren Lauf. Ein paar Tage zuvor war eine sehr große Lieferung Melasse eingetroffen. Der Tank war bereits zur Hälfte gefüllt und die neue Charge wurde einfach darüber geschüttet. Ein katastrophaler Fehler! Die neue Lieferung Sirup hatte sich durch die lange Reise entlang des Golfstroms erwärmt. Die Mischung aus warmem und kaltem Sirup im Tank beschleunigte den normalerweise langsamen Gärungsprozess mit dem Resultat, dass sich der Gasdruck immens erhöhte. Gegen Mittag explodierte der Tank. Millionen von Gallonen Melasse ergossen sich mit rund 50 Stundenkilometern aus dem Tank und verschlangen das gesamte Viertel. »In seiner klebrigen Flut verfangen sich mehr als 100 Männer, Frauen und Kinder; Gebäude, Autos und Straßenbahnen zerstört die schwarze, stinkende Masse«, schrieb die Post. »Große Stahlwagen-Güterwagen wurden wie Eierschalen zerquetscht, und ihre aufgestapelte Ladung aus Kisten und Waren wurde wie Sandwichfleisch zerkleinert.« Die Flut kostete 21 Menschen das Leben. 150 Menschen wurden schwer verletzt. Es dauerte Wochen, bis die Straßen von der Melasse befreit waren und Monate, bis der Hafen seine braune Färbung verlor. Die rechtlichen Konsequenzen jedoch sollten noch Jahre dauern. Richter Hugh W. Ogden hielt die USIA im Rahmen eines langen Prozessen schließlich für schuldig, die Katastrophe verursacht zu haben.

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