England: Weihnachtsfest? Verboten!




Man mag es kaum glauben, aber es gab eine Zeit, da war das Weihnachtsfest in England verboten. Und es waren ausgerechnet die strenggläubigen Puritaner, die 1647 das Feiern des Weihnachtsfestes untersagten. Erstaunlich! England: Weihnachtsfest? Verboten!

England: Weihnachtsfest? Verboten!

Die strenggläubigen Puritaner hatten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in England das Sagen; die Macht lag in ihren Händen. Doch wieso untersagten die Puritaner das Weihnachtsfest? Und wer waren überhaupt diese Puritaner bzw. der Puritanismus? Der Puritanismus hatte seine Blütezeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, war eine der einflussreichsten Bewegungen seiner Zeit, die sich in England, Schottland und später in Neu-England ausbreitete. Die Bewegung trat vor allem für eine umfassende Reformation der Kirche nach evangelisch-reformierten bzw. calvinistischen Grundsätzen ein. Die Mitglieder der Bewegung nannte man »Puritaner«, was zunächst eher als spöttische Bezeichnung verwendet wurde. Der Begriff leitete sich dabei von ihren Forderungen nach einer »Reinigung« (engl. purification) der Kirche von römisch-katholischen Lehren ab. Noch heute wird der Begriff Puritaner für einen Menschen benutzt, der vor allem als kleingeistig, heuchlerisch und nachtragend gilt.

England: Weihnachtsfest? Verboten!

Den Puritanern war das Weihnachtsfest, wie es die Menschen feierten, ein Dorn im Auge. Sie waren der Ansicht, dass Weihnachten in Wahrheit ein heidnisches Fest sei. Da sie das Sagen zu jener Zeit hatten, ließen sie die Kirchen zum Weihnachtsfest einfach schließen. Das tat dem Weihnachtsfestgedanken jedoch keinerlei Abbruch – die Menschen feierten einfach heimlich ihr Fest der Liebe und Familie. Die Puritaner erreichten mit dem Verbot des Weihnachtsfestes genau das Gegenteil dessen, was sie eigentlich erreichen wollten. Erst das Verbot beraubte das Fest seines religiösen Charakters. »Die Puritaner hatten zwei Einwände gegen das Weihnachtsfest«, erläutert Bernard Capp, seines Zeichens britischer Historiker. »Zum einen sei es nicht erwiesen, dass Jesus tatsächlich am 25. Dezember geboren wurde. Er werde vielmehr instrumentalisiert, um ein eigentlich heidnisches Fest, die Wintersonnenwende oder die auf die römische Kultur zurückgehenden Saturnalien, feiern zu können. Der zweite Einwand gegen Weihnachten war, dass viele das Fest nutzten, um ausgiebig zu essen, zu trinken und Unzucht zu treiben.«

Der Bürgerkrieg war schuld

Stellt sich die Frage, wie die Puristen nur so mächtig werden konnten, um Verbote landesweit durchzusetzen, die gegen ihre Idee einer reinen christlichen Lehre verstießen. Die Frage ist schnell beantwortet: Die Puritaner waren die eigentlichen Gewinner des englischen Bürgerkrieges (1642-1649). Im Bürgerkrieg ging es nicht nur um die Macht von König und Parlament ging, sondern auch um die Gegensätze zwischen Anglikanern, Puritanern, Presbyterianern und Katholiken. 1647 waren die Puritaner bereits mächtig genug, um ein Verbot des Weihnachtsfestes durchzusetzen. Sie verboten Gottesdienste am 25. Dezember. Zudem sollten die Menschen an diesem Tag arbeiten. Der englischen Bevölkerung war dieses Verbot jedoch herzlich egal. Sollten die Kirchen doch geschlossen bleiben! Man organisierte einfach das Weihnachtsfest in familiärer und privater Umgebung, so wie wir es heutzutage kennen. Ladenbesitzer, die sich an die puritanischen Richtlinien hielten und ihre Geschäfte öffneten, wurden von der Bevölkerung angepöbelt und boykottiert. Nicht selten wurden die Geschäfte die entsprechenden Läden geplündert und verwüstet. Der Weihnachtsschrecken der Puritaner hatte 1660 ein Ende, als in England wieder die Monarchie eingesetzt wurde. Die Menschen durften wieder legal Weihnachten feiern.

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