George R. Lawrence und die größte Kamera der Welt




George R. Lawrence und die größte Kamera der WeltEs war eine Mammut-Aufgabe: Der amerikanische Fotograf George R. Lawrence sollte den damals »schönsten Zug der Welt« für den Auftraggeber Chicago & Alton Railway Company in seiner ganzen Schönheit auf einem einzigen Foto verewigen. Lawrence galt als einer der Vorreiter in Sachen Fotografie der USA und er war der Einzige, dem man so etwas auch tatsächlich zutraute. Der Slogan Lawrences lautete »The Hitherto Impossible in Photography is Our Speciality« (Das bisher Unmögliche in der Fotografie ist unsere Spezialität). Also genau die richtige Aufgabe für den Fotografen und Tüftler. George R. Lawrence und die größte Kamera der Welt.

Als im Jahre 1899 die »Chicago & Alton Railway Company« ihren neuesten Expresszug der Öffentlichkeit vorstellten, waren die Verantwortliche mächtig stolz darauf und bezeichnete ihn als »den schönsten Zug der Welt«. Dieser sollte den Expressdienst zwischen den amerikanischen Metropolen Chicago und St. Louis aufnehmen. Der Stolz von Chicago & Alton Railway Company bestand aus sechs Pullmann-Wagen. Jeder Wagon war gleich lang, sah identisch aus bis hin zu der Fenstergröße – eine für damalige Verhältnisse keine Selbstverständlichkeit. Für den Betreiber des schönsten Zuges der Welt gab es jedoch ein Problem. Man wollte für das Marketing – wie es heutzutage so schön heißt – den Zug in seiner Gesamtheit auf einem Foto darstellten. Das erwies sich jedoch als großes Problem. Irgendwie schien es nicht möglich zu sein die Schönheit auf ein Foto zu bannen – der Zug war einfach zu lang.

George R. Lawrence und die größte Kamera der Welt

Ein Fotograf hörte davon und wollte sich der technologischen Herausforderung stellen. George R. Lawrence war damals schon als jemand bekannt, der vor neuen Techniken und unkonventionellen Herangehensweisen an Probleme keine Scheu hatte. Er galt als Innovator seiner Zunft. Einen Namen hatte sich Lawrence bereits mit dem Einsatz der Blitzlichtfotografie gemacht. Chicago & Alton wollte von Lawrence wissen, ob er in der Lage sei, ein 8-Fuß langes Foto des »Alton Limited« (so der Name des Zuges) zu erstellen. Lawrence schlug zunächst vor, den Zug in Abschnitten zu fotografieren, die anschließend im Rahmen einer Fotomontage zusammengefügt werden sollten. Das gefiel jedoch Chicago & Alton so gar nicht. Die Bosse befürchteten, dass eine Fotomontage »die absolute Wahrhaftigkeit der Perspektive nicht bewahren würde«. Lawrence gab jedoch nicht auf und kam auf eine wahnwitzige Idee – er wollte speziell für das Foto eine extra Kamera bauen. Und zwar keine normale Kamera, sondern die größte Kamera der Welt.

Eine Kamera der Superlative

Lawrence machte sich direkt an die Arbeit und entwarf eine Kamera, die in der Lage war, eine Aufnahme von 8 Fuß x 4 1/2 Fuß aufnehmen konnte. Der ambitionierte Fotograf beauftragte den Kamerahersteller J.A. Anderson den Korpus und die entsprechende Mechanik zu bauen. Außerdem kontaktierte Lawrence das deutsche Unternehmen Carl Zeiss. Die bauten ihm die entsprechenden Objektive – im Übrigen auch die größten jemals hergestellten Objektive. Die Kamera wog schlussendlich 1.400 Pfund inklusive Plattenhalter für die gigantischen Fotoglasplatten. Der Balg der monströsen Kamera war groß genug, um sechs Männer aufzunehmen. Damit die Kamera funktionierte, benötigte man insgesamt 15 Arbeiter.

George R. Lawrence und die größte Kamera der Welt
© Retronaut

Der große Tag

Im Frühjahr 1900 war es schließlich so weit. Die Kamera wurde in einem extra gepolsterten Lieferwagen, dann in einem Zug und letztendlich auf ein Feld in der Nähe von Brighton Park transportiert. Lawrence hatte sich diesen Standpunkt ausgesucht. Er war optimal, um den Zug in seiner Gesamtheit zu fotografieren. Die Bedingungen waren hervorragend, auch wenn der Wind mächtig blies und drohte, die Kamera zu kippen. Aber die Konstruktion hielt. Der Zug hielt an der vorgegebenen Position, Lawrence stellte die Belichtungszeit auf zwei Minuten ein und machte das Foto. Später in seinem Labor entwickelte Lawrence das Foto in einem 10-Gallonen-Chemikalien-Bad. Das Ergebnis war ein voller Erfolg. Das Foto war klar, scharf und auf dem 8 Fuß langen Bild erstrahlte der Alton Limited in seiner Schönheit.

George R. Lawrence und die größte Kamera der Welt
© Retronaut

 

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