Georges Lemaître – Entdecker der »Big Bang Theory«




Big Bang TheoryGeorges Lemaître war belgischer Geistlicher, katholischer Priester, Astrophysiker und Begründer der Urknalltheorie (Big Bang Theory). Die veröffentlichte er bereits im Jahre 1927 und wurde dafür von seinen wissenschaftlichen Kollegen belächelt und verspottet. Selbst der berühmte Albert Einstein fand das, was der Belgier der Öffentlichkeit präsentierte »scheußlich« und versuchte sie mit allen Mitteln zu entkräften. Anscheinend mit Erfolg, denn bis heute ist Georges Lemaître nur Insidern bekannt. Grund genug, dem Mann Gottes einmal einen Artikel zu widmen.

»Das ist die wundervollste und befriedigendste Erklärung der Entstehung der Welt, die ich je gehört habe«. Diese salbungsvollen Worte gab kein geringerer als der bekannte Albert Einstein von sich. Sein Gegenüber  – Georges Lemaître, katholischer Priester und Astrophysiker. Es muss eine erstaunliche Situation gewesen sein, als der damals schon sehr bekannte Albert Einstein seinem wissenschaftlichen Kontrahenten  Lemaître – dem katholischen Priester – die Hand schüttelte und ihm zu seiner Urknalltheorie gratulierte. Doch bis dahin war es ein weiter und steiniger Weg. Der belgische Fabrikantensohn und Weltkriegsveteran hatte sich als 29-Jähriger zum Ordenspriester weihen lassen, und nur vier Jahre später wurde er Physik-Professor an der Elite-Uni Löwen. Eine erstaunliche Karriere. Erst im Jahre 1933 erntete das wissenschaftliche Genie die Meriten und den Ritterschlag der wissenschaftlichen Gemeinde.

Big Bang Theory

Lemaître publizierte bereits im Jahre 1927 sein Gedankenkonstrukt zur Urknalltheorie, allerdings auf Französisch und in einem unbekannten Magazin mit dem Titel »Annales de la Société scientifique de Bruxelles«. Nur sehr wenige Menschen nahmen davon Kenntnis. Einstein allerdings wurde auf die Veröffentlichung aufmerksam. Er lehnte die Ausführungen des belgischen Geistlichen kategorisch ab. Der Grund lag auf der Hand: Der unbekannte Belgier hatte die Annahmen des Genies Einstein widerlegt, und was noch viel schlimmer war – er hatte seine Theorie sogar aus Einsteins Forschungen zum Thema abgeleitet. Albert Einstein hatte per Allgemeiner Relativitätstheorie definiert, dass Raum und Zeit verschmolzen. Dass demnach auch eine Verformung des Weltalls denkbar wäre, hatte Einstein ignoriert. Für ihn stand fest, dass das All starr und ewig war – ein fataler Irrtum, wie man heute weiß.

Lemaîtres Big Bang Theory

Die Idee des belgischen Physikers klang simpel und revolutionär. Er behauptete, dass das Universum, wie wir es heute kennen, innerhalb des Bruchteils einer Sekunde entstand. Und zwar aus einem sogenannten »Ur-Atom«. Nur unvorstellbar kurze Zeit später blähte sich das Weltall auf und es entstanden Sterne und ganze Galaxien. Die Theorie des Belgiers war spektakulär für damalige Verhältnisse und vor allem klang sie plausibel. Doch keiner nahm ihn ernst. Dies lag wohl vor allem in der Tatsache begründet, dass er neben seiner wissenschaftlichen Arbeit halt auch noch katholischer Priester war. Man warf ihm vor, dass seine Theorie doch sehr eng angelehnt zur christlichen Lehre der Erschaffung der Welt aus dem Nichts war. Die damaligen Wissenschaftler (wie auch heutzutage) sträubten sich davor einen göttlichen Schöpfungsakt in ihre kosmologischen Modelle einzubauen, was man aus naturwissenschaftlicher Sicht auch sehr gut verstehen kann. Die wissenschaftliche Gemeinde konfrontierte den Belgier damit, dass er versuche  einen Gott in die Wissenschaft hineinmogeln zu wollen. Schließlich war er ja vor allem ein Mann Gottes. Summa summarum – man lehnte ihn als unglaubwürdig ab. Und einen Schönheitsfehler hatte seine Theorie tatsächlich: Was sollte denn den Urknall ausgelöst haben? Auch hierfür hatte der belgische Astronom keine Erklärung. Es sprengte einfach die Vorstellungskraft der damaligen Wissenschaft der Kosmologie. Wie konnte es sein, dass sämtliche Materie des Universums in einem einzigen winzigen Punkt verdichtet gewesen sein soll? Unvorstellbar! Vor dem Urknall sollte es laut Lemaître weder Zeit, Raum noch Materie gegeben haben. Ein unglaubliches Nichts.

Einsteins Ablehnung

Wenn es etwas gab, was Albert Einstein strikt ablehnte, so war es ein Universum, das ständig expandierte. Anlässlich eines Treffens zwischen Einstein und Lemaître sagte dieser wie folgt: »Ihre Berechnungen sind korrekt, aber Ihr Verständnis von Physik ist scheußlich.« Harte Worte für den an seine Theorie glaubenden Belgier. Und Einstein griff sogar zu einem Trick, um den belgischen Naturwissenschaftler unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Einstein fügte einfach in die Berechnungen seiner Theorie, auf die ja Lemaîtres Forschungen beruhten, einfach eine kosmologische Konstante hinzu. Und somit wurde das Weltall aus Einsteins Sicht wieder zu einem starren und unveränderlichen Gerüst.

Der Durchbruch kommt trotzdem

Es war der berühmte Amerikaner Edwin Hubble, der Lemaître zum Durchbruch verhalf. Hubble beobachte vom Mount-Wilson-Observatorium nordöstlich von Los Angeles im Jahre 1929, wie sich Galaxien offenbar immer weiter von der Erde weg bewegten. Er verglich die Bewegung mit  Granatsplittern, die nach einer Explosion auseinanderflogen. Die logische Konsequenz war klar – das Universum wächst und breitet sich aus. Es war genau jene Theorie, die Lemaître bereits zwei Jahre zuvor aufgestellt hatte.

Lemaîtres Stunde war gekommen und er argumentierte geschickt: Wenn das Universum ununterbrochen expandiert, dann muss dieses Auseinanderdriften auch irgendwann einmal begonnen haben. Der Urknall! 1931 veröffentlichte der belgische Geistliche seine Theorie noch einmal in einem Wissenschaftsmagazin – diesmal im renommierten »Nature«. Nun konnte sich auch Einstein nicht mehr vor den Tatsachen verschließen. Der bezeichnete seine sture Haltung dem Belgier gegenüber als »Eselei« und gratulierte. In der Folge überhäufte man Lemaître mit Preisen und Auszeichnungen, darunter den »Prix Franqui« der Königlichen Akademie Belgiens, 1936 den »Jules-Janssen«-Preis der französischen Gesellschaft für Astronomie sowie 1953 die englische »Eddington«-Medaille. Sein größter Triumph war jedoch, als Lemaître 1936 in die päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde. Im Jahre 1960 wurde er sogar zu deren Präsidenten ernannt.

Und zwei Jahre vor seinem Tod im Jahre 1964 wurde Lemaîtres Theorie des Urknalls endgültig bestätigt. Die beiden amerikanischen PhysikerArno Penzias und Robert Wilson lauschten mit einer gigantischen Antenne in die Tiefen des Alls und was sie da hörten, war nichts anderes als das Echo des Urknalls – die sogenannte Hintergrundstrahlung, das kosmisches Rauschen.

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