Georgia Teresa Gilmore und die Untergrundküche der Bürgerrechtsbewegung




Die »Montgomery Improvement Association« (MIA) wurde am 5. Dezember 1955 von schwarzen Politikern und Gemeindeführern in Montgomery, Alabama, gegründet. Unter der Leitung von Ralph Abernathy, Martin Luther King, Jr. und Edgar Nixon war die MIA maßgeblich am »Montgomery-Busboykotts« beteiligt, einer erfolgreichen Kampagne, die die nationale Aufmerksamkeit auf die Rassentrennung im Süden lenkte und Martin Luther King landesweit bekannt machte. Es gab jedoch eine Frau, ohne die das Ganze wahrscheinlich niemals hätte funktionieren können – Georgia Teresa Gilmore. Sie etablierte ein Netzwerk aus Untergrundküchen, um Geld für den Boykott zu sammeln. Georgia Teresa Gilmore und die Untergrundküche der Bürgerrechtsbewegung.

Georgia Teresa Gilmore und die Untergrundküche der Bürgerrechtsbewegung
© AP

Es war der Tropfen, der das Fass für viele Afroamerikaner im Dezember 1955 in Montgomery (Alabama) zum Überlaufen brachte – der Fall Rosa Louise Parks. Parks wurde am 1. Dezember 1955 verhaftet, weil sie sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Dieses Ereignis löste den »Busboykott von Montgomery« aus, der als Anfang der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der USA gilt. Der Busboykott von Montgomery richtete sich gegen die Politik der Segregation und Rassentrennung. Alles begann am 5. Dezember 1955, vier Tage nachdem Rosa Parks verhaftet wurde, mit einer Gemeindeversammlung in der »Holt Street Baptist Church«. Das Gotteshaus und der Garten davor waren zum Bersten gefüllt. Tausende Afroamerikaner lauschten gebannt den Plänen eines Busboykotts. Vor allem ein gewisser Dr. Martin Luther King begeisterte die Massen mit seiner mitreisenden Rede. Es war Kings erste Rede als Bürgerrechtsführer und er elektrisierte die Menge. Der Vorschlag eines Busboykotts wurde mit tosendem Applaus und Beifall quittiert. Nur einen Tag später begann die MIA ein riesiges Fahrgemeinschaftsnetz auf die Beine zu stellen, um Druck auf das Stadtbusunternehmen auszuüben. Und es gelang: Insgesamt 381 Tage lang transportierten Hunderte von Autos und Lastwagen Demonstranten zwischen 42 inoffiziellen Haltestellen in der ganzen Stadt.

381 Tage lang boykottieren die farbigen Einwohner in Montgomery die städtischen Busse. © Horace Cort/AP

Georgia Teresa Gilmore und die Untergrundküche der Bürgerrechtsbewegung

Sämtliche Fahrzeuge wurden zwar gespendet, der Unterhalt des Fahrdienstes jedoch war noch immer sehr teuer – von der Wartung und den Reparaturen einmal ganz zu schweigen. Und genau hier trat Georgia Teresa Gilmore, eine Cafeteria-Köchin, Hebamme und alleinerziehende Mutter von sechs Kindern auf den Plan. Auch sie hatte den Worten Kings in der Kirche gelauscht. »Ich habe mich nie zu sehr für Prediger interessiert«, erinnerte sich Gilmore später, »aber ich hörte ihn in dieser Nacht predigen. Und die Dinge, die er sagte, waren Dinge, an die ich glaubte.« Gilmore wollte unbedingt etwas tun, damit der Busboykott zu Erfolg werden würde. Und, sie hatte eine geniale Idee: Gilmore organisierte ein geheimes Netzwerk farbiger Frauen, die Pfannkuchen, Süßkartoffelkuchen und Teller mit gebratenem Fisch und gedünstetem Gemüse von Tür zu Tür verkauften. Mit dem Erlös aus den Essensverkäufen wollte »Gilmore’s Club«, wie sich die Damen nannten, bei der Bezahlung des Benzins, der Versicherung und der Reparaturen, die das alternative Transportsystem am Laufen hielten, helfen. Gilmore war eine große, mutige Frau, die wenig Toleranz für Rassismus in der USA ihrer Zeit hatte. Auch Gilmore hatte bereits mehrfach Erfahrung mit Rassendiskriminierung gemacht. Zwei Monate vor Parks Verhaftung hatte ein weißer Busfahrer das Geld für einen Fahrschein zwar angenommen, sie aber nicht befördert, weil sie nicht die Bustür für Farbige genommen hatte. Er stieß sie daraufhin aus dem Bus. Georgia Teresa Gilmore fiel zu Boden. Der Bus fuhr einfach weg.

 

Die unbesungene Heldin der Bürgerrechtsbewegung

»Georgia ist eine unbesungene Heldin der Bürgerrechtsbewegung«, sagt Thomas E. Jordan, Pastor der Lilly Baptist Church in Montgomery. »Sie arbeitete hinter den Kulissen, um gegen die Rassendiskriminierung in Montgomery zu kämpfen.« Um die Begeisterung der Community für den Boykott aufrechtzuerhalten, veranstaltete die MIA alle zwei Wochen am Montag- und Donnerstagabend Kundgebungen. Und Gilmore war zentraler Bestandteil der Kundgebungen. Sie war eindeutig ein Sympathieträger der Proteste. Und ihre Spenden-Bekanntgaben waren eine Attraktion für sich. Zweimal pro Woche schlenderte die imposante Erscheinung den Gang der Kirche zum Altar hin und sang innbrünstig »Shine on Me« oder »I Dreamt of a City Called Heaven«. Dann schüttete sie die Erlöse der Untergrundküchen der letzten Tage auf ein riesiges Tablett und gab bekannt, wie viel Geld der Club in dieser Woche gesammelt hatte. Daraufhin brach die überfüllte Kirche in ein jubelndes Getöse, Applaus, stampfende Füße und einem Chor von Stimmen aus, die »Amen« und »That’s right« riefen. Die Damen unter Gilmores Fittiche nahmen pro Woche zwischen 125 bis 200 Dollar ein (das entspricht 1.100 bis 1.800 Dollar heutzutage). Gilmore blieb für den Rest ihres Lebens in der Bürgerrechtsbewegung. Sie starb am 7. März 1990.

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