Geschichte: Wie Fish & Chips nach England kamen




Geschichte: Wie Fish & Chips nach England kamen

Viele Jahre lang galt England bzw. Großbritannien nicht unbedingt als Hort des kulinarischen Hochgenusses. Schuld daran war unter anderem das Grundnahrungsmittel der Insulaner – Fish & Chips. Von der »National Federation of Fish Friers«, als »das unbestrittene Nationalgericht Großbritanniens« bezeichnet, wird es seit über einem Jahrhundert auf der Insel genossen. Heute noch ist der »Fish & Chip Friday« ein wöchentliches Ritual für viele Briten. Doch wo liegen die Ursprünge des Gerichtes? Geschichte: Wie Fish & Chips nach England kamen.

Die Ursprünge des britischen Nationalgerichtes liegen nicht auf der Insel, wie man vielleicht glauben mag, sondern in Portugal, und zwar vor vielen Jahrhunderten. Dort lebten vom 8. bis 12. Jahrhundert Juden, Muslime und Christen unter maurischer Herrschaft in relativer Harmonie miteinander. Da sephardische Juden, die ungefähr etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachten, hoch angesehen waren und bedeutende gesellschaftliche Positionen innehatten, galt Portugal als Zufluchtsort aller, die vor der spanischen Inquisition fliehen mussten. Generell galt Portugal zu jener Zeit als Hort religiöser Freiheit. Das endete im Jahre 1496 abrupt nach dem Ende der maurischen Herrschaft. König Manuel I. heiratete Isabel von Spanien, die sich mit der Idee einer Religionsfreiheit nicht so recht anfreunden wollte. Manuel I. ordnete per Dekret an, dass alle Juden getauft oder sofort ausgewiesen werden würden. Während viele Juden das Land verließen, bekehrten sich viele Juden zum Christentum bzw. taten so, als ob sie dies täten. Sie praktizierten das Judentum fortan heimlich. Schließlich fiel Portugal unter spanische Herrschaft, die Inquisition schlug mit aller Härte zu und bedrohte vor allem Menschen jüdischer Abstammung und Glaubens – selbst jene, die konvertiert waren. Als sich die religiöse Gewalt immer weiter verschärfte, flohen viele Juden aus Portugal und siedelten sich in England an. Mit im Gepäck hatten sie die kulinarische Vielfalt des Exils, darunter natürlich auch Fisch.

Geschichte: Wie Fish & Chips nach England kamen

»Peshkado frito« Ware eine jener Spezialitäten, welche die jüdischen Immigranten aus Portugal nach England brachten. Das Gericht bestand aus weißem Fisch – typischerweise Kabeljau oder Schellfisch – der mit einer dünnen Mehlschicht gebraten wurde. Das Essen war sehr typisch für die portugiesischen Konvertiten, die es Freitagabend zur Vorbereitung auf den Sabbat frittierten, da die mosaischen Gesetze das Kochen verboten. Frittieren jedoch war völlig in Ordnung. Schnell begeisterten sich die Engländer für den frittierten Fisch, der »auf jüdische Weise« zubereitet wurde. Schnell wurde das Essen an jedem Tag auf den Straßen Londons verkauft. Und schließlich wurde das Fischessen am Ende der Woche Freitags für Juden und Katholiken gleichermaßen ein Teil des religiösen Lebens.

Und dann kam die Kartoffel

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es zum frittierten Fisch nichts dazu. Keine Spur von Chips. Erst als die Kartoffel in Europa und England für breitere Bevölkerungsschichten immer populärer wurde, änderte sich das Gericht. Zur Geschichte, wie aus der Kartoffel die berühmten Chips wurden, gibt es viele Expertenmeinungen. Man schreibt sie einer Kuttelverkäuferin namens Mrs. »Granny« Duce zu, welche die ersten gebratenen Schnittkartoffeln öffentlich verkaufte. Eine andere Meinung zur Thematik besagt aber auch, dass die Chips auf Joseph Malins zurückgehen. Der jüdische Einwanderer eröffnete in 1860er Jahren in London einen Fisch- und Chipsladen. Andere verweisen auf John Lee, einen Mann außerhalb von Manchester, der ein »Chipskartoffelrestaurant« leitete, das die beliebte Paarung verkaufte.

Geschichte: Wie Fish & Chips nach England kamen

Egal, wem man die Erfindung der Chips sowie die Paarung mit dem Fisch zuschreibt, derjenige hat die britische Esskultur nachhaltig geprägt. Die Briten begannen schließlich ihren Kabeljau in Teig zu wälzen und frittierten dazu Chips. Ein regelrechter Hype um das Gericht begann vor allem mit der Industrialisierung im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Es wurde zu einem Favoriten für Fabrikarbeiter und Mühlenarbeiter in London und weit darüber hinaus.

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