Hungersnot Paris: Brot mit Mehl aus menschlichen Knochen

Pariser versetzten im Mittelalter das Brot mit Mehl aus menschlichen Knochen




Hungersnot Paris: Brot mit Mehl aus menschlichen KnochenIn den Tagen der Französischen Revolution und auch lange davor hungerten speziell die Menschen in den Metropolen Frankreichs und ganz besonders in Paris. Schlechte Ernten, Kriege und Erbfolgestreitigkeiten führten immer wieder zu sogenannten Brotunruhen und letztendlich zur Französischen Revolution. Königin Marie-Antoinette soll angeblich einmal gesagt haben: »Nun, wenn sich die Menschen in Paris kein Brot leisten können, sollen sie Kuchen essen!« Hungersnot Paris: Brot mit Mehl aus menschlichen Knochen.

Im 15. und 16. Jahrhundert konsumierte der durchschnittliche Bewohner in Frankreich zwischen 1,5 und 2,5 Pfund Brot pro Tag. Nur die Reichen konnten sich Fleisch und zwei Liter Wein pro Tag gönnen. Den Armen des Landes, und das war die Mehrheit der Bevölkerung, blieb nur Brot und Wasser als Hauptbestandteil ihrer Ernährung. Und wenn die Weizenernte wieder einmal miserabel ausfiel oder brandschatzende Horden das Land heimsuchten, starben die Menschen massenweise den grausamen Hungertod. Paris mit seinen unzähligen Belagerungen durch Feinde des Königreiches litt unter Hunger wie keine andere Stadt Frankreichs. Schon die Wikinger belagerten Paris im Jahr 845. Im Jahre 1429 waren es Karl VII. und Jeanne d’Arc, und im Jahre 1870 die Preußen. In Zeiten der Belagerung aßen die Pariser alles, was sie greifen konnten – angefangen bei Militärpferden über Straßenratten bis hin zu Zootieren. Und während einer besonders harten Belagerung aßen sie sogar Brot mit Mehl aus menschlichen Knochen.

Hungersnot Paris: Brot mit Mehl aus menschlichen Knochen

Wir schreiben das Jahr 1589, als der französische König Henri III. stirbt und damit indirekt den Weg freimacht, Brot mit Mehl aus menschlichen Knochen zu backen. Sein entfernter Cousin, Henri III. von Navarra sollte die Thronfolge antreten. Obwohl der König von Navarra katholisch getauft war, wurde er zum Protestanten erhoben. Damals tobten in Frankreich die Religionskriege. Die grausamen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken dauerten über 36 Jahre und kosteten etwa drei Millionen Menschen das Leben. Es ist nicht verwunderlich, dass der protestantischen Thronfolger sich nicht einfach die Krone aufsetzen konnte. Vier Jahre Bürgerkrieg gegen eine mächtige katholische Liga waren notwendig, um den König von Navarra zum französischen König zu erheben. Nach der alles entscheidenden Schlacht von Ivry gewann Henri III. die Oberhand. Paris jedoch weigerte sich, die Tore für den neuen König zu öffnen. Folgerichtig begann der neue König die Stadt an der Seine zu belagern. Mit seinen Armeen kamen unzählige Bauern im Schlepptau, die sich in Paris ein besseres Leben versprachen. Ein fataler Irrtum! Henri übernahm sehr zügig die Kontrolle über das Land um Paris und benachbarte Regionen. Er ließ Windmühlen anzünden, gefährdete somit die Lebensmittelversorgung der Pariser und wollte die Hauptstädter aushungern. Schließlich gab es kaum noch Bauern bzw. Mühlen, die Mehl herstellen konnte. Das Resultat war eine massive Hungersnot, unter der die Pariser litten. Die Menschen aßen Pferde, Maultiere, Hunde und Katzen. Als nichts Tierisches mehr übrig war, begannen sie das Gras der Grünanlagen zu essen und schließlich griffen sie auf das Brot der »Madame de Montpensier« zurück. 

Hungersnot Paris: Brot mit Mehl aus menschlichen Knochen
Heinrich III von Navarra (der spätere französische König Henri IV.)., Porträt von Frans Pourbus dem Jüngeren (1569–1622)

Das Brot der Madame de Montpensier

Nach Angaben des Pariser Geschichtsschreibers Pierre L’Estoile vom 25. August 1590 bestand das Brot aus »den Knochen unserer Vorfahren«. Berichte aus der Zeit erklären, dass die verzweifelten Hungernden zuerst Menschenknochen aus Massengräbern plünderten, um diese anschließend zu mahlen und daraus Brot zu backen. Henrico Davilia, ein italienischer Historiker und Augenzeuge, beschrieb es als »abscheulich und makaber«, ein »abscheuliches Lebensmittel, das so ansteckend ist, dass die Substanz, die von den Toten gekommen ist, um so viele zugenommen hat«. Wie man sich leicht vorstellen kann, war das Knochenmehl nicht gerade ein idealer Ersatz für Weizenmehl. Wie Gabriel Venel in seinem Buch »Précis de matière médicale« schrieb: »Die Idee, menschliche Knochen zu Pulver zu reduzieren, konnte nur aus einem Geist kommen, der im Wesentlichen unwissend war und von Hunger und Verzweiflung überwunden wurde. Knochen sind nicht mehlig, und wenn sie über einen längeren Zeitraum in feuchtem Boden verbracht werden, enthalten sie kein nährendes Element.«

»Dieses Brot«, schreibt Madeleine Ferrières in ihren Nourritures Canailles, »ist aus einem einfachen Grund schlecht: Es hat den Geschmack von Frevel und Anthropologie. Für viele ist es der Gräuel der Trostlosigkeit.« Während der Belagerung von Paris durch Henri III. starben schätzungsweise 50.000 Menschen an Hunger. Der neue König erlaubte irgendwann seiner Armee, die Pariser mit Essen zu versorgen. Bald darauf hob er die Belagerung vollständig auf und konvertierte zum Katholizismus.

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