Katastrophe: Das unrühmliche Ende der »S.S. America«




Katastrophe: Das unrühmliche Ende der »S.S. America«Zur Jungfernfahrt im Jahre 1940 zählte die »S.S. America« zu den größten und luxuriösesten Kreuzfahrtschiffen, die es jemals in den USA gab. Der Cruise-Dampfer mit einer Länge von 220 Metern war das Beste, was man seinerzeit buchen konnte. Den vermögenden Gast erwarteten mehrere Restaurants, diverse Pools, ein gigantischer Ballsaal und eine durch und durch schicke Art-déco-Inneneinrichtung. Das schnittige Kreuzfahrtschiff überlebte den Zweiten Weltkrieg und unzählige Verkäufe inklusive diverser Umbenennungen. 1993 kam es jedoch vor Fuerteventura zu Katastrophe, als das Schiff seine letzte Reise nach Südostasien angetreten hatte. Katastrophe: Das unrühmliche Ende der »S.S. America«.

Die Idee der Investoren war nicht schlecht. Mitte der 1990er-Jahre träumten die davon, ein schwimmendes Hotel vor Thailands Küsten zu platzieren. Nach langer Suche fand man schließlich das passende Objekt der Begierde. Es war das amerikanische Luxus-Kreuzfahrtschiff »S.S America«. Und ihre Begeisterung ging schließlich durch die Decke, als sie feststellten, dass das Schiff noch mit intakter Art-déco-Inneneinrichtung zum Verkauf stand. Ein einmaliger Glücksfall. Praktisch jedes Schiff aus dieser Ära der 1940er-Jahre war bereits mehrfach ausgeschlachtet bzw. modernisiert worden. Nicht jedoch die »America«.

Das unrühmliche Ende der »S.S. America«

Die S.S. America hatte eine bewegte Geschichte aufzuweisen. Der Stapellauf erfolgte am 31. August 1936. Das Dampfturbinenschiff America wurde von William Francis Gibbs im Auftrag der »United States Maritime Commission (MARCOM)« entworfen und am 22. August 1938 in der Werft Newport News Shipbuilding and Dry Dock Company in Virginia auf Kiel gelegt. Keine Geringere als die Gattin des US-Präsidenten Eleanor Roosevelt taufte das Schiff. Unglücklicherweise begann nur wenige Tage nach dem Stapellauf der Zweite Weltkrieg. Und genau aus diesem Grund wurde die S.S. America auch nicht ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt – dem Nordatlantik-Liniendienst. Vielmehr benutzte man das Schiff für Kreuzfahrten in amerikanischen Gewässern sowie der Karibik. Auf gar keinen Fall wollte man das Risiko eingehen, dass der Stolz amerikanischer Passagierschifffahrt von deutschen U-Booten angegriffen und versenkt werden würde.

Katastrophe: Das unrühmliche Ende der »S.S. America«
Die »S.S. America«. © America4094

Kriegsdienst

Nach dem Kriegseintritt der USA war es mit den Kreuzfahrten der S.S. America erst einmal vorbei. Die US-Navy übernahm 1942 das Schiff und rüstete es als Truppentransporter um. Es erhielt den Namen »Westpoint«. Während seiner Zeit als Truppentransporter beförderte die ehemalige S.S. America mehr als 350.000 Soldaten und überbrückte dabei eine Distanz von umgerechnet 15 Erdumrundungen. Beeindruckend! Und was noch sehr viel erstaunlicher war – der ehemalige Kreuzfahrer überstand die Kriegszeit ohne größere Beschädigungen. Nicht viele der eingezogenen Schiffe hatten dieses Glück.

Die S.S. America als Wanderpokal

Erst im Jahre 1946 konnte die America ihrer ehemaligen Bestimmung nachgehen. Das Schiff wurde aus dem Marinedienst entlassen und der einstigen Reederei übergeben. United States Lines investierte mehr als 7 Millionen Dollar, um es erneut in den urpsrünglivhen Zustand zu versetzen. Ab dem 14. November befuhr die S.S. America die Strecke New York–Le Havre. Zudem lief das Linienschiff die Häfen Southampton, Cobh und ab dem 25. Oktober 1951 auch Bremerhaven an. Die Reederei United States Lines kam ins Straucheln und verkaufte die America 1964 für 4.250.000 Dollar an die Okeania SA. Man nannte die America in Australis um. Nach diversen Umbauten stach die Australis am 20. August 1965 in See, und zwar von Piräus nach Sydney. Und so ging es die kommenden Jahrzehnte immer weiter – neue Eigner, neue Strecken, neue Anstriche und neue Umbauten. Trotzdem blieb das ursprüngliche Art-déco-Ambiente erstaunlicherweise immer erhalten.

Die letzte Reise

Im Jahre 1992 wurde die America, die nun »Alferdoss« hieß, für zwei Millionen Dollar an die »Chaophraya Developement Transport Company« verkauft. Und diese Investement-Gruppe hatte einen ganz besonderen Plan für den ehemaligen Liniendampfer. Der alte Ozeanriese sollte sein Rentnerdasein als schwimmendes Hotel vor der Insel Phuket in Thailand verbringen. Der Grund für die Entscheidung war trotz aller Umbauten der noch sehr gut erhaltene Zustand des Schiffsrumpfes sowie die einzigartige Inneneinrichtung. Das Schiff sollte von Griechenland aus über den Atlantik und Indischen Ozean Richtung Thailand geschleppt werden. Hierzu wurden die Propeller entfernt, um den Widerstand im Wasser zu verringern. Den Auftrag des Schleppens erhielt ein ukrainisches Unternehmen, die hierfür eine Millionen US-Dollar bekommen sollten.

Die Katastrophe bahnt sich an

Der Start der gesamten Aktion stand von Anfang an unter einem schlechten Omen. Der ukrainische Schlepper »Neftegaz 67« sollte die ehemalige S.S. America von Eleusis nach Thailand ziehen. Doch bereit nach einem Tag kehrte der Schleppverband in den Hafen zurück, das ein starker Sturm die Fahrt verhinderte. Ein erneuter Versuch startete am 31. Dezember 1993. Die 14-tägige Fahrt durch das Mittelmeer Richtung Gibraltar verlief reibungslos, das Meer war ruhig und verlief nach Plan. Doch bei der Passage der Kanarischen Inseln kam es zur Katastrophe. Es zog ein schwerer Atlantiksturm auf. Beide Schiffe sahen sich unvermittelt mit mehr als acht Meter hohen Wellen und immensen Regenstürzen konfrontiert. Die Belastung der Stahltrossen muss wohl extrem stark gewesen sein. Sie hielten der Belastung kaum stand. Die ukrainische Crew blieb nichts anderes übrig, als sich durch das Wellengebirge zu pflüge. Unterstützung von der S.S. America im Schlepptau konnte es nicht geben. Das alte Schiff hatte keinerlei Schiffsschrauben mehr. Gegen Mitternacht kam es dann zur Katastrophe: Die Abschleppseile rissen und die S.S. America trieb führerlos im Atlantik. Doch die ukrainischen Seeleute wollten keinesfalls aufgeben. Sie würden ihr Geld erst bekommen, wenn das Schiff wohlbehalten in Thailand ankommen würde. Also wurde eine verzweifelte Rettungsaktion organisiert.

Katastrophe: Das unrühmliche Ende der »S.S. America«
Wrack der ehemaligen S.S. America. © Fotograf/Zeichner wollex, Sommer 2004

Am 17. Januar 1994 flog ein Team per Helikopter auf die S.S. America. Der Versuch die Abschleppseile wieder anzubringen schlug fehl. Das Kreuzfahrtschiff trieb weiter in Richtung Kanaren ab. Drei Tage später lief die S.S. America vor der Insel Fuerteventura am abgelegenen Strand Playa de Garcey zwischen La Pared und Ajuy auf Grund lief. Da das Schiff lediglich mit dem Vorderteil auf einer Sandbank lag, der Rest jedoch über de tiefen Meeresgrund zerbrach in zwei Teile. Ein Totalverlust! Das Heck des alten Kreuzfahrers versank zwei Jahre später im Meer, während der Bug noch über ein Jahrzehnt lang aufrecht stehen blieb und sich zum beliebten Hotspot für Abenteurer entwickelte. Einheimische machten sich mit Booten auf, alles, was auf dem Schiff noch einen Wert hatte, zu plündern. Im Laufe der Jahre tauchte vieles davon auf diversen Auktionen wieder auf. Bei den zahlreichen Versuchen, das Schiff zu erklimmen, verloren etliche Personen ihr Leben. Die letzten Überreste der S.S. America kippten 2006 ins Meer. Heute ragen nur noch kleine Metallteile aus dem Wasser, und das auch nur bei Ebbe.

Und noch mehr interessante Geschichten auf LAMUNDUS:

Die Todespfeife der Azteken

Zecken-Plage 2018 – Wissenschaftler schlagen Alarm

Rätselhaft: Mysteriöser schwarzer Sarkophag in Alexandria (Ägypten) entdeckt

»North Brother Island« – New Yorks dunkles Geheimnis

Die vergessenen Betonpfeile des »Selbstmörder-Clubs«

Heckler & Koch: Polizeipistole SFP 9 fällt bei Qualitätstest durch

Ikea im Weltraum: NASA und Ikea entwerfen Weltraum-Kollektion »Rumtid«

Belgien: »Wunderkind« Laurent macht mit acht Jahren Abitur

Hat Ihnen die Geschichte gefallen? Dann teilen Sie diese doch mit Ihren Freunden. Sie haben Anregungen zum Thema? Wunderbar! Dann nichts wie los und kommentieren Sie, was das Zeug hält!




Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.